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Bürgerinitiative kämpft für besseren Hochwasserschutz

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Bilder wie dieses möchten die Bürger von Kössen nie wieder sehen – eine Bürgerinitiative setzt sich deshalb nun dafür ein, dass ein wirksamer Hochwasserschutz so schnell wie möglich umgesetzt wird. (Foto: Ostermaier)

Kössen. Ruhig und friedlich fließen sie dahin: Die Lofer und die Großache führen gerade auffällig wenig Wasser, stellenweise ist weit mehr als das halbe Bachbett staubtrocken. Nichts deutet auf die Katastrophe hin, die in der Nacht zum 2. Juni auf die Tiroler Gemeinde Kössen hereinbrach: Von Reit im Winkl und von St. Johann waren auf den Bergort unweit des Kaisergebirges nach heftigem Starkregen in diesen Bachläufen gewaltige Wassermassen zugeströmt und hatten das Zentrum, westliche, südliche sowie nördliche Wohngebiete überflutet. Rund 450 Wohneinheiten und 60 Firmen waren betroffen. Auf bis zu 75 Millionen Euro wird der Schaden hochgerechnet.


Noch immer stehen Erdgeschoßwohnungen leer

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Noch heute stehen Erdgeschoßwohnungen an der Klobensteiner Straße leer. Vor den Häusern summen Entfeuchtungsmaschinen und schwarze, mannshohe Schmutzlinien zeigen an den Außenwänden an, wie hoch das Wasser damals stand. »Dass Schlimmste aber ist, dass die Menschen zutiefst erschüttert sind, ich habe mit vielen, völlig verzweifelten Menschen gesprochen, die ihr Hab und Gut, ihre Existenz verloren haben.« Das sagt Johann Himberger, er ist Diakon in Kössen und steht einer Bürgerinitiative vor, die wirksamen Hochwasserschutz für Kössen fordert.

Erst vor zwei Wochen hat sich diese Initiative gegründet und seither Unterschriften gesammelt. Knapp 2500 haben bislang eine Petition unterschrieben, die nun dem Kössener Bürgermeister Stefan Mühlberger übergeben wurde. Eingeladen waren zu diesem Treffen auch die Bürgermeister von Schleching, Sepp Loferer, und Marquartstein, Andreas Dögerl, sowie der EU-Parlamentarier und Präsident der »Intergruppe Wasser«, Magister Dr. Richard Seeber. Unterbreitet wurde von der Initiative auch ein konkreter Vorschlag, wie Kössen künftig deutlich mehr Sicherheit vor Hochwasser bekommen könnte: Nach ihrer Vorstellung soll ein Tal südlich von Kössen, das die Großache auf ihrem Weg durchläuft, auf einer Länge von vier Kilometern als Retentionsfläche ausgewiesen werden. Eine Wassermenge von 3,6 Millionen Kubikmeter sollte diese Retentionsfläche, die als »Hager« bezeichnet wird, nach Berechnungen der Initiative aufnehmen können, womit das Ortszentrum wirksam geschützt wäre.

Wenn der Wasserstand wieder sinke, könne diese Menge wieder dosiert der Großache zugeführt werden. Ferner soll künftig der Walchsee als Hochwasserpuffer genutzt werden, hierzu sollte ein entsprechendes Wassermanagement aufgebaut werden. Gefordert wurde aber auch, dass für die Ortsteile Staffen und Erlau ein Notweg eingerichtet werden soll, damit diese auch im Hochwasserfall erreichbar sind. Seeber bekundete seine Solidarität mit den betroffenen Bürgern: »Ich verspreche hier meinen vollen Einsatz«, insbesondere auch, wenn es um finanzielle Hilfen ginge.

Der Kössener Bürgermeister Stefan Mühlberger erläuterte die Bestrebungen der Gemeinde Kössen in Sachen Hochwasserschutz. Er sprach von schwierigen Verfahrenswegen, von Auflagen und den Hemmnissen der Bürokratie. Das Gebiet »Hager« werde derzeit im Rahmen einer Studie in ihrer Verwendbarkeit als Retentionsfläche geprüft, wobei er auch leichte Zweifel in der Wirksamkeit dieses Gebietes anklingen ließ. Zudem müssten die Bestimmungen des Wasserrechts und des Naturschutzes berücksichtigt werden.

»Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben«

Martin Rottler, Fachbereichsleiter Wasserwirtschaft im Baubezirksamt Kufstein, der ebenfalls vor Ort war, kann sich dieses langgestreckte Wiesengebiet als Rückzugsmöglichkeit durchaus vorstellen. Er betont allerdings: »Eine hundertprozentige Sicherheit vor Hochwasser wird es nie geben.«

Christian Gründler ist ebenfalls Mitglied der Initiative, vier Häuser seiner Familie und Verwandten waren im Hochwasser gestanden. Im Rahmen dieses Treffens sagt er, viele betroffene Menschen seien »physisch, psychisch und wirtschaftlich am Ende«. Viele können nicht mehr schlafen, wenn der Wetterbericht Regen ankündige, fügt er hinzu. Viele Menschen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, »bei uns schaut keiner vorbei und fragt, wie es uns geht oder wo und wie man helfen kann«, ergänzt er. Er hofft, dass mit dieser Initiative das Thema Hochwasserschutz für Kössen in der Prioritätenliste der Politik ganz weit oben angesetzt wird. »Wir müssen uns auf unsere Politiker verlassen können.« ost