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Bürger wollen Landesgartenschau aktiv mitgestalten

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Die Kneippvereins-Vorsitzende Monika Schleich regte bei der Bürgerwerkstatt einen Barfußwanderweg an. Weitere Bilder von der Bürgerwerkstatt im Rathaus sind auf unserer Internetseite unter www.traunsteiner-tagblatt.de zu finden. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Traunsteiner Bürger wollen die Zukunft ihrer Stadt aktiv mitgestalten. Das wurde bei der Bürgerwerkstatt zur Landesgartenschau (LGS) deutlich, die im gut gefüllten Großen Saal des Traunsteiner Rathauses stattfand. Die Anwesenden erfuhren von Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard, die die Stadt Traunstein bei der Realisierung der Landesgartenschau unterstützt, aktuelle Informationen zur städtebaulichen Feinuntersuchung. Vor allem ging es aber vielen Bürgern darum, mitzureden, sich einzubringen oder auch einfach Sorgen öffentlich zu artikulieren. In der Diskussion, wie auch insbesondere in der Themensammlung, gab es dazu ausreichend Zeit und Möglichkeiten.


Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard aus München, stellte in ihrem Impulsvortrag den Zeitplan des Planungsprozesses bis ins Jahr 2022 vor. Steht derzeit die Erarbeitung einer, in ihren Rahmeneckdaten vorgestellten, städtebaulichen Feinuntersuchung an, folgen in den kommenden zwei Jahren die Auslobungen für die Wettbewerbe. In den Jahren 2017 bis 2021 steht die Bauphase an, bevor es dann im Jahr 2022 mit der Landesgartenschau losgehen soll.

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»Gemeinsam die Welt retten«

Die LGS bringe die Chancen mit sich, städtebauliche Projekte zur Verbesserung des Stadtbildes und der Aufenthaltsqualität in der Stadt umzusetzen, betonte die Landschaftsarchitektin. Die städtebauliche Weiterentwicklung Traunsteins eröffne einen direkten Nutzen für den einzelnen Bürger, der sich in neuen Parks und Grünflächen erholen könne, und sich zu Fuß oder mit dem Rad sicherer in der Stadt bewegen könne. Für Kinder gebe es neue Spielplätze. Daneben sehe sie Chancen für die Steigerung des Bekanntheitsgrads Traunsteins als Kulturort im Chiemgau. Für die lokale Wirtschaft erwarte sie sich positive Impulse durch die diversen Bauprojekte und erwarteten Besucher. Von der anschaulichen Aufarbeitung der Salinengeschichte erwarte sie eine Stärkung der Identität der Stadt und ihrer Bewohner, in der städtebaulichen Feinuntersuchung sei die Salinenstadt mit ihrer wertvollen historischen Gebäudekulisse dabei ein bedeutender Punkt.

Neben den von ihr geschilderten Chancen sei es ihr wichtig, dass man bei den Menschen das Bewusstsein stärke, »anders mit der Natur und der Landschaft umzugehen«. In Anlehnung an den Weltklimagipfel sagte sie salopp, dieses Denken könne mithelfen, »gemeinsam die Welt zu retten«.

Landschaftsarchitektin Gebhard betonte zu Beginn der Diskussion, dass das gemeinschaftliche Zusammenwirken bei der Landesgartenschau von elementarer Bedeutung sei. Sie benannte die Gartenschau kurzerhand in eine »Ideenschau« um, die man jetzt und in den folgenden Monaten erarbeitete.

Auf die Frage, welche Flächen denn nur temporär genutzt werden, benannte sie die Fläche des Festplatzes an der Siegsdorfer Straße. Die umgestalteten Flächen am Karl-Theodor-Platz, die Salzmann-Insel und die Fläche entlang des Mühlbachs würden auf Dauer bleiben. Monika Schleich vom Kneippverein regte einen Barfußwanderweg an. »Das wäre ein Erlebnis für die Menschen.«

Beate Rutkowski vom Bund Naturschutz machte deutlich, dass – gerade im Sparzer Graben – ökologische Aspekte von wichtiger Bedeutung seien, die Biodiversität müsse in dem Lebensraum erhalten bleiben. Auch Gegner der Landesgartenschau meldeten sich zu Wort, wie beispielsweise Gerhard Lechner vom »Aktionsbündnis gegen die Landesgartenschau«. Er schlug trotz der kritischen Haltung zur LGS, über deren Durchführung man die Bürger entscheiden lassen wolle, vor, dass man »mit den Grünflächen etwas machen müsse«, dass man Rundwege wiederherstellen müsse. Michael Gessenharter kritisierte, dass man weder ein Hotel mit einer entsprechenden Bettenkapazität habe, noch ausreichend Parkmöglichkeiten vorweisen könne. In einer weiteren Wortmeldung sah ein Bürgerwerkstatt-Teilnehmer die Chance, dass die LGS in Traunstein durch seine kleine und überschaubare Fläche ihren Reiz habe. Dies gäbe die Möglichkeit für eine »bürgerschaftliche Landesgartenschau, die die Bürger zusammenbringt«.

Forderung nach einer autofreien Innenstadt

In der Ideensammlung waren die vier Oberpunkte Salinenstadt, Flächen an der Traun, Festplatz und das Bahnhofsareal vorgegeben. Dabei zeigte sich unter anderem, dass sich viele der Anwesenden um die Parkplatzsituation Sorgen machen. Ganz gleich, ob es nun um eine mögliche Parkgarage oder um den Festplatz ging – überall war das Thema »Parken« mit dabei, was sich bis hin zur Forderung nach einer autofreien Innenstadt wiederfand.

Landschaftsarchitektin Gebhard betonte nach einer kurzen Zusammenfassung der einzelnen Ideen, die an die vier Pinnwände angebracht wurden, dass sie diese nun sondieren und abarbeiten würden: »Wir haben viel Arbeit mit auf den Weg bekommen.« Ihr sei es wichtig, dass man »die Reise, wie Traunstein zukünftig aussehen soll, miteinander beschreitet«. Sie habe aus der Bürgerbeteiligung »sehr wertvolle Anregungen« erhalten.

Oberbürgermeister Christian Kegel machte abschließend deutlich, dass der Blick über das Schau-Jahr 2022 hinaus gehe: »Das, was sich hier entwickelt, geht weit über 2022 hinaus«, sagte der Oberbürgermeister und griff die Idee des Barfußwanderwegs auf: »Ich freue mich schon, wenn ich barfuß durch die Stadt laufen werde.« awi