weather-image
12°

Bündnis »Bunt statt Braun« und die AfD demonstrierten in Traunreut

2.3
2.3
Bildtext einblenden
Rund 150 Bürger kamen zur Demonstration des AfD-Kreisverbands Traunstein. Auf ihren Transparenten äußerten sie deutlich ihre Meinung zu Angela Merkels Flüchtlingspolitik. (Fotos: Müller)
Bildtext einblenden
Alexander Kirnberger von der Katholischen Betriebsseelsorge (links) und Organisator und DGB-Kreisvorsitzender Hans Gandler (Mitte) sprachen auf der Demo des Bündnisses »Bunt statt Braun«.

Traunreut – Von einem großen Polizeiaufgebot begleitet wurden die beiden Demonstrationen des Bündnisses »Bunt statt Braun« und des AfD-Kreisverbands Traunstein auf dem Rathausplatz. Dem herrlichen Sommerwetter und der Ferienzeit war es wohl geschuldet, dass die Teilnehmerzahlen eher überschaubar blieben.


Die AfD rechnete bei ihrer kurzerhand von Traunstein nach Traunreut verlegten Kundgebung eigentlich mit rund 400 Teilnehmern, gekommen waren am Nachmittag aber nur rund 150 ihrer Anhänger. Der vorangegangenen »Bunt statt Braun«-Veranstaltung wohnten um die Mittagszeit rund 100 Bürger bei. »Wir hatten nur mit 50 gerechnet«, freute sich Organisator und DGB-Kreisvorsitzender Hans Gandler.

Anzeige

Polizei: »Es ist alles friedlich verlaufen«

Zufrieden zeigte sich am Ende eines langen Arbeitstags auch die Polizei: »Es ist alles friedlich verlaufen, wir hatten keine Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten, mussten nur ein paar Platzverweise aussprechen«, so der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Stefan Sonntag. Als die Proteste der jungen AfD-Gegner aus dem linken Spektrum zu laut wurden und die AfD-Redner die Polizei aufforderten, die »unangemeldete Gegendemo der Antifa« zu beenden, wurden sie auf Anweisung von Einsatzleiter Bernhard Resch um ein paar Meter zurückgedrängt. Warum sie sich zuvor nicht auf der »Bunt statt Braun-Demo« eingefunden hatten, blieb ihr Geheimnis.

»Menschlichkeit statt Rassismus und Solidarität statt Ausgrenzung«, forderte der Moderator der »Bunt statt Braun«-Kundgebung, Friedbert Mühldorfer, von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Kreisvereinigung München. Er stellte klar, dass die im Grundgesetz verankerte Menschenwürde für alle Menschen unantastbar sei. Die AfD hetze gegen Flüchtlinge und mache sie für alle Probleme verantwortlich, kritisierte er.

Besonders absurd sei diese Propaganda in Traunreut, das als Stadt der Vertriebenen gegründet worden sei und heute beweise, dass ein tolerantes und friedliches Zusammenleben von Menschen aus 80 Herkunftsländern gelingen könne, betonte Mühldorfer. Während er sprach, hielten einige Teilnehmer Schilder mit Schriftzügen wie »Traunreut bleibt bunt« und »Traunreut bleibt offen« hoch. Man setzte sich gemeinsam für ein menschenfreundliches Klima ein, so Mühldorfer.

Der AfD-Hetze die rote Karte und Solidarität mit den Flüchtlingen zeigten neben dem DGB und der VVN-BdA unter anderem auch die Linke Kreis Traunstein, die Friedensinitiative Traunstein–Traunreut–Trostberg, die Grüne Jugend Kreis Traunstein, das Junge Bündnis für Geflüchtete, die Jusos Kreis Traunstein, die ÖDP Kreis Traunstein, die SPD Kreis Traunstein, das Bündnis »Traunreut bleibt bunt« und die Caritas.

Man wolle heute mit dieser Kundgebung ein »eigenständiges Zeichen setzen«, betonte Organisator Hans Gandler (DGB) und brach eine Lanze für eine »vielfältige und solidarische Gesellschaft«. Scharfe Kritik äußerte er an der AfD, die Diskussionen nicht zulasse und Meinungen unterdrücke. Es sei wichtig, »Farbe zu bekennen wider dem Schwarz-Weiß-Denken und einem Freund-Feind-Weltbild«, mahnte Alexander Kirnberger von der Katholischen Betriebsseelsorge an.

»Die AfD passt nicht zu Traunreut«

Klar Stellung bezog auch Traunreuts zweiter Bürgermeister Hans-Peter Dangschat (CSU): »Die AfD passt nicht zu Traunreut und ist in Traunreut nicht willkommen«. Alle demokratischen Parteien müssten hier zusammenstehen und Flagge zeigen. »Wir sind doch alle Menschen«, mit diesem vielsagenden Satz eines Flüchtlings begann Britta Barth von der Diakonie Traunstein ihre Rede und bedankte sich bei allen Ehrenamtlichen. Die Arbeit mit den Flüchtlingen sei »insgesamt unproblematisch und schön, ich wünsche mir, dass das so weitergeht«, so Barth.

Anna Körner vom Jungen Bündnis für Geflüchtete, die sich am Freilassinger Bahnhof wochenlang mit ihren Mitstreitern um gestrandete Flüchtlinge kümmerte und nach eigener Aussage unter diesen viele Freunde gefunden habe, gab zu bedenken, dass es bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise »keine einfachen Lösungen« gebe. »Wir müssen uns so ändern, dass es überall möglich ist, gleichberechtigt und mit guten Chancen zu leben«, appellierte Körner mit Blick auf die Fluchtursachen. Die von der AfD propagierte Abgrenzung sei der falsche Weg, vielmehr brauche es eine ausgeprägte Dialogkultur.

Scharfe Geschütze gegen Flüchtlinge und Regierung

Für die musikalische Umrahmung sorgte Manfred Dannhorn mit dem Lied »Der böse Asylant«. Einzig und allein der Titel des Lieds hätte auch zur AfD-Demo gepasst, auf der immer wieder scharfe Geschütze gegen Flüchtlinge und insbesondere gegen die Bundesregierung um Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefahren wurden – zur Freude ihrer Anhänger, die sich immer wieder harte Wortgefechte mit den von der Polizei abgeschirmten, jungen linken Demonstranten lieferten. Die Redner der von Oliver Krogloth organisierten AfD-Veranstaltung »Für den Frieden, Innere Sicherheit und den Schutz der Bürger« waren die vierfache Mutter und Deggendorfer AfD-Kreisvorsitzende Katrin Ebner-Steiner, Einpeitscher Thomas Thiel, der Ex-CSU-Mann Dr. Michael Mayer sowie der Unternehmer und Vorsitzende des AfD-Mittelstandsforums Hans-Jörg Müller.

Es sei eine Lüge, dass die Grenzen nicht geschützt werden könnten, meinte Thiel, und ärgerte sich darüber, dass den Flüchtlingen das Geld nachgeschmissen werde, während viele deutsche Rentner in Armut leben müssten. »Traunreut ist schön bayerisch und schön bayerisch muss Traunreut auch bleiben«, mahnte Ebner-Steiner an. Deutschland dürfe »nicht länger in den Händen politischer Geisterfahrer bleiben«, durch die der islamistische Terror im Land angekommen sei, forderte sie ein »Ende einer Willkommenskultur, die tödlich ist«. »Nicht alle Moslems sind Terroristen, aber die Terroristen von Paris, Brüssel, Ansbach und Würzburg waren alle Moslems«, so Ebner-Steiner. In Deutschland lebende Türken, die Erdogan verehren, sollten besser in der Türkei leben. Der Erhalt der deutschen Mehrheitsgesellschaft sei Ebner-Steiner zufolge eine »legitime und rechtsstaatliche Forderung und hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus zu tun«.

Unmissverständlich waren auch die Plakate und Transparente der AfD-Anhänger mit Schriftzügen wie »Stoppt Merkel«, »Gegen Willkommenswahn«, »Grenzen dicht«, »Sichere Grenzen, Sichere Heimat«, »Unser Land – unsere Regeln«, »Islam – Nein danke« und »Refugees not welcome«.

Man habe nichts gegen schutzbedürftige Flüchtlinge, meinte Dr. Michael Mayer. Die Innere Sicherheit habe aber durch die unkontrollierte Zuwanderung massiv gelitten und wirke sich bereits negativ auf die Lebensqualität der hier lebenden Menschen aus. Es sei nicht hinzunehmen, dass Frauen in den Städten nachts nicht mehr sorglos auf die Straßen gehen könnten. Da die Sicherheit von Leib und Leben ein Menschenrecht sei, sei auch die Innere Sicherheit ein Menschenrecht und »dafür wird die AfD kämpfen«, pflichtete ihm Hauptredner Müller bei.

»In einem dritten Weltkrieg werden wir alle drauf gehen«

Das Merkel-Credo »Wir schaffen das« könne er nicht mehr hören, »weil wir alle wissen, dass wir es nicht schaffen«, so Müller. Eine Hauptschuld an den vielen Flüchtlingen, von denen »nur der harte Kern gefährlich« sei, trage ihm zufolge die USA, die mit ihrer aggressiven Außenpolitik viele Kriege vom Zaun gebrochen habe. »In einem dritten Weltkrieg werden wir alle drauf gehen«, warnte der AfD-Politiker. Damit es hierzulande keinen Bürgerkrieg gebe, brauche man eine »neue Friedensbewegung, in der sich alle Menschen für Frieden in Deutschland und der Welt zusammenschließen«, appellierte Müller. Dieser Satz hätte auch zuvor bei der »Bunt statt Braun«-Demo fallen können, wenn der AfD-Politiker nicht folgenden Zusatz hinterhergeschickt hätte: »Die AfD ist die wahre Friedensbewegung«. mmü

Mehr aus der Stadt Traunstein
Einstellungen