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Brückenteile passen nicht zusammen: Noch keine Lösung für den Heilig-Geist-Steg

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Traunstein: Baumisere am Heilig-Geist-Steg: »Verzögerung ist äußerst ärgerlich«
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Die Heilig-Geist-Brücke ist eine komplizierte Konstruktion, die bislang nicht fertig gebaut werden kann. (Foto: Reiter)

Traunstein – So etwas hat Christian Rehm, der Leiter des Staatlichen Bauamts Traunstein, in seiner langjährigen Laufbahn noch nicht erlebt: Beim Bau des Heilig-Geist-Stegs fehlen einige Zentimeter zum Lückenschluss. Fest steht mittlerweile: Es liegt wohl kein Verschulden der Behörde vor – »nach derzeitiger Sachlage«, wie der 55-Jährige vorsichtshalber ergänzt. Denn unabhängige Gutachter sind gerade dabei, die genauen Gründe zu ermitteln.

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Bei der Heilig-Geist-Brücke handelt es sich laut Christian Rehm um ein sehr anspruchsvolles Bauwerk, »bei dem der Überbau als Fachwerkskonstruktion in Stahlrundrohren einen Viertelkreis beschreibt und eine hohe Maßgenauigkeit erfordert«. Die vier Einzelsegmente seien im Werk gefertigt worden.

Vor Ort in Traunstein seien dann immer zwei Teile verschweißt und im Abstand von mehreren Wochen mittels Kränen auf die im Vorfeld hergestellten Widerlager und Pfeilersockel aus Stahlbeton eingehoben worden, erklärt Christian Rehm das Vorgehen im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Die korrekte Lage der Unterbauten sei im Vorfeld überprüft worden.

»Nach dem Einhub der zweiten Hälfte der Brücke zeigte sich, dass die beiden Hälften an der letztlich noch zu schließenden Fuge, dem sogenannten Endmontagestoß, um mehrere Zentimeter in verschiedene Richtungen auseinanderklaffen. Die beiden Hälften können somit nicht fachgerecht miteinander verschweißt werden«, bedauert Rehm, der die Bauverzögerung »äußerst ärgerlich« findet. »Die Enttäuschung der Bürger ist nachvollziehbar«, betont er.

Bereits abgeschlossen sei die Ausmessung der Konstruktion mittels 3D-Scan. Dabei sei festgestellt worden, dass es über die gesamte Länge des Überbaus Maßabweichungen zwischen der Ist-Lage und der Plan-Lage gebe. »Die Ursache hierfür ist noch nicht abschließend geklärt. Es liegt jedoch nahe, dass die Maßabweichungen bei der Fertigung im Werk erfolgten«, sagt der Leiter des Staatlichen Bauamts. Als weitere mögliche Ursache führt er eine unerwartete Verformung der gesamten Konstruktion oder Teilen davon an.

Nun werde als erster Lösungsansatz versucht, ob durch Anpassung der Lagerstellen ein geometrischer und statisch vertretbarer Zustand hergestellt werden kann, der ein endgültiges Verbinden der beiden Hälften erlaube, sagt Rehm, der von einer Verzögerung von mehreren Monaten bis zu einem Jahr ausgeht. Doch auch ein kompletter Rückbau und eine Neufertigung der Teile seien nicht ausgeschlossen.

»Die Beseitigung der Mängel ist Aufgabe der Baufirma«, hat der Leiter des Staatlichen Bauamts zumindest eine gute Nachricht. Dem Bund, also dem Steuerzahler, fallen voraussichtlich keine Mehrkosten an. Die Kosten für den Heilig-Geist-Steg waren vor der Baumisere auf 1,9 Millionen Euro geschätzt worden. KR

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