weather-image
22°

Brückenprojekt erregt die Gemüter

Mit »Stuttgart 21« verglichen Gegner der geplanten Salzachbrücke das umstrittene Projekt. Sepp Frech (im Vordergrund rechts), Vorsitzender des Vereins »Vernunft statt Salzachbrücke«, und Pressesprecher Ulrich Kühn (vorne links mit Megafon) demonstrierten gestern mit einigen Mitstreitern vor dem Landratsamt. (Foto: Kretzmer)

Traunstein. Gegen die bei Fridolfing ins Auge gefasste Brücke über die Salzach demonstrierten gestern vor der Kreistagssitzung im Landratsamt etwa 50 bis 60 Frauen und Männer. Viele von ihnen gehören dem Verein »Vernunft statt Salzachbrücke« an. Sie hatten Transparente dabei, auf denen sie die Brücke auch mit »Stuttgart 21« in Verbindung brachten.


Zwei Beamte der Polizeiinspektion Traunstein verfolgten die friedliche Versammlung, bei der Vereinsvorsitzender Sepp Frech und Pressesprecher Ulrich Kühn »viele offene Fragen« kritisierten und die Gründe für ihre Ablehnung erläuterten. So malten sie ein »Desaster« an die Wand angesichts einer »rechtswidrigen« Baumaßnahme im geschützten FFH-Gebiet, eines nicht tragfähigen Untergrunds und explodierender Kosten. Kühn monierte fehlende Antworten: »Wir kommen uns vor wie Bittsteller in einer Monarchie. Wo sind wir denn?«

Anzeige

Steinmaßl: »Wir haben immer alles mitgeteilt«

Beim Tagesordnungspunkt Finanzplanung bis 2016 ergriffen mehrere Redner im Kreistag Partei für die Gegner der Salzachbrücke auf den Zuhörerstühlen. Hans Schupfner (Bayernpartei) befürchtete ein »Finanzierungsabenteuer« und bezeichnete die Einmischung der Bevölkerung als »Bereicherung«. Auf negative Unterlagen aus Österreich bezüglich der Folgekosten berief sich Sepp Hohlweger (Bündnis 90/Die Grünen). 2014 weitere 300 000 Euro für die Planung auszugeben, sei verantwortungslos – beispielsweise wegen der problematischen geologischen Verhältnisse. Jeder, der diesem Investitionsprogramm zustimme, verschwende Steuergelder. »Wir haben immer alles mitgeteilt, was wir wissen«, sagte Landrat Hermann Steinmaßl, »auch, dass noch Untersuchungen laufen müssen. Dass die Brücke nicht machbar ist, steht nirgends.«

Fridolfings Bürgermeister Johann Schild (SPD) gab im Kreistag einen Rückblick. 1996 bereits habe der Kreistag eine Brücke über die Salzach in den Regionalplan aufgenommen. Nicht der Landrat allein, sondern viele Bürger stünden hinter der Brücke. 1998 sei eine Machbarkeitsstudie gestartet, 2004 das Raumordnungsverfahren abgeschlossen worden. Zur Notwendigkeit der Brücke rief Schild die geografische Lage Fridolfings zwischen Freilassing und Burghausen ins Gedächtnis. Die Brücke in Tittmoning sei auf Dauer nicht für Schwerlastverkehr haltbar, die in Laufen werde wegen der Feinstaubbelastung in der Stadt wohl irgendwann für den Schwerverkehr gesperrt.

»Nur eine Radwegbrücke ist nicht der richtige Weg«

Dass die Brücke immer teurer werde, sei richtig. Das habe aber mit Steigerungen der Baupreise nichts zu tun. Schild fuhr fort: »Wir sind gehalten, nach Alternativstandorten zu suchen und rechtzeitig Ersatzbrücken für Laufen und Tittmoning zu finden.« Es sei nicht der richtige Weg, wie vom Verein »Vernunft statt Salzachbrücke« angeregt, lediglich eine Radwegbrücke zu errichten.

Den »Mut« von Leuten im 19. Jahrhundert, erstmals eine Brücke über die Salzach zu bauen, lobte Tittmonings Bürgermeister Konrad Schupfner. Er appellierte an die betroffenen Gemeinden, andere Kommunen nicht im Stich zu lassen. Bei allem Respekt vor dem Naturschutz werde »der Respekt vor anderen Bürgern hinten angestellt«. Sie höre ununterbrochen ökonomische Argumente, die ökologischen würden vergessen, hob Walburga Mörtl-Körner (Die Grünen) hervor. Nur deshalb könne sie einem an sich guten Investitionsprogramm nicht zustimmen.

»Um im Rupertiwinkel vorwärts zu kommen« trat Dirk Reichenau (SPD) dafür ein, die Finanzplanung zu befürworten. Nur so könnten »Grundlagen« geschaffen werden. Andreas Bratzdrum (CSU) machte sich für die Brücke stark, um Tittmoning zu entlasten und die Region an der Salzach zu stärken. Der Ansatz im Investitionsprogramm sei erforderlich, um letztlich den geeigneten Brückenstandort zu finden. Gegen die Finanzplanung bis 2016 votierten gestern 21 Kreisräte. Damit war sie mehrheitlich akzeptiert. kd