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Brückenbauer zwischen Wirtschaft und Öffentlichkeit

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Beim 40. Gründungsjubiläum des Informationskreises der Wirtschaft Traun/Alz (von links) gab es auch Ehrungen: Vorstand Stefan Neumann, Dr. Florian Binder, Vorstand Klaus Kamhuber, Vorstandssprecher Günter Striegel, Roland Jilg mit Gattin Isabella sowie der ehemalige Vorstandssprecher Konrad Sterflinger mit Gattin Renate. (Foto: Effner)

Traunreut – Mit einer großen Jubiläumsfeier hat der Informationskreis der Wirtschaft Traun/Alz (IdW) sein 40-jähriges Bestehen an der Gründungsstätte – in der ehemaligen Werkskantine im BSH Hausgerätewerk in Traunreut – gefeiert. Vor rund 130 Gästen aus der Wirtschaft sowie Vertretern von Schulen, Verbänden, Behörden, Kirchen und Kommunalpolitik erinnerte der neue IdW-Vorstandssprecher und BSH-Werkleiter Günter Striegel an bewegte Zeiten und verdiente Mitglieder.


Striegel erinnerte mit Dr. Alfred Pfeiffer, Oskar Erdl, Max Binder und Engelbert Regnauer an wichtige Unternehmerpersönlichkeiten aus der Gründungszeit des IdW, dem heute rund 30 mittlere und große Unternehmen aus dem Raum zwischen Traun und Alz angehören. Als wegweisende Persönlichkeit und Gründervater des Chiemgauer Wirtschaftsverbands stellte er den 2003 verstorbenen Walter Mohr heraus. Der gebürtige Münchner und gesellschaftlich sehr engagierte Siemens-Direktor hatte 1949 mit der Gründung des Hausgerätewerks in Traunreut den Grundstein für den Aufstieg zur Industriestadt gelegt.

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Blick auf die Gründungsmotive

Zu den Gründungsmotiven des IdW zitierte Striegel aus einem unveröffentlichten Buch von Mohr, in dem der ehemalige Verbandspräsident der Metallindustrie »Rückschau auf acht Jahrzehnte« hielt. Demnach seien damals auf Mohrs Initiative hin mit Unterstützung der Informationszentrale der bayerischen Wirtschaft rund 40 Informationskreise in ganz Bayern gegründet worden. Ziel sei gewesen, durch Aufklärung und engen Kontakt mit gesellschaftlich relevanten Gruppen, die Öffentlichkeit über die Anliegen der Wirtschaft zu informieren.

Ein wichtiges Anliegen des IdW sei immer auch gewesen, in aktuellen wirtschaftspolitischen und gesellschaftlichen Fragen Stellung zu beziehen. Als prominente Gäste bei Vortragsveranstaltungen habe etwa Ex-Siemens-Vorstand Heinrich von Pierer 2006 zur Globalisierung gesprochen oder 2009 der frühere Ministerpräsident Sachsens, Kurt Biedenkopf, die Bankenkrise beleuchtet.

Weitere Gäste seien BR-Chefredakteur Siegmund Gottlieb und Ex-Justizministerin Beate Merk gewesen. Der Informationsaustausch sei auch bei Betriebsrundgängen, im grenzübergreifenden Dialog mit Salzburg oder bei Treffen mit Schulen, Kommunalpolitikern, Behörden, Medien oder Gewerkschaften wichtig gewesen.

»40 Jahre harte Arbeit haben sich gelohnt«, erklärte Traunsteins Landrat Siegfried Walch in seinem Grußwort. Dass der Wirtschaftsstandort Traunstein mit seiner überproportionalen Exportquote und dem vielfältigen Unternehmensmix so gut dastehe, sei auch ein Verdienst des IdW. Der Verband habe bei der Vernetzung der Unternehmen untereinander wichtige Dienste geleistet.

Altlandrat Hermann Steinmaßl hob hervor, dass das 40. Gründungsjubiläum allein schon Zeichen des Erfolgs sei. Von den ursprünglich 40 Informationskreisen der Wirtschaft in Bayern würden heute nurmehr eine Handvoll existieren. Unter dem engagierten Vorstandssprecher Konrad Sterflinger von der Firma Heidenhain– er führte den IdW von 2002 bis Ende 2015 – sei auch die enge Verflechtung von Handwerk, Mittelstand und Industrie im Landkreis vorangetrieben worden.

Neue Wege bei der Suche nach Fachkräften

Mit kleinen Präsenten ehrte der IdW-Vorstand im Anschluss Konrad Sterflinger sowie die Mitglieder Dr. Florian Binder und Roland Ilg für ihre langjährigen Verdienste. In einem launigen Festvortrag beleuchtete der Trendforscher und Wirtschaftssoziologe Professor Holger Rust aus Hamburg die Frage, welche neuen Kultur- und Kommunikationsformen sich im Zeitalter der Digitalisierung herausgebildet haben und auf welchen Wegen Unternehmen künftig ihre Fachkräfte finden können.

Auffällig ist aus seiner Sicht die zunehmende Diskrepanz in der Kommunikation zwischen der von »kennzahldominierten Formalisten« getragenen Wirtschaft und ihrer hermetischen Sprachwelt sowie jungen Menschen, deren vielfältig-bunte Lebenskulturen sich vor allem in milliardenfach ausgetauschten Bildwelten im Internet dokumentieren.

Wer das Leben der jungen Generation erfassen wolle, so Rust, könne sich nicht allein auf unzureichende Datenanalysen verlassen. Sein Fazit: »Es müssen völlig neue Konzepte her.« Als Beispiel für eine ganz neu gedachte, kreative Arbeitskultur in Unternehmen nannte er Anzeigen, in denen nicht Einzelkämpfer, sondern zusammengehörige Paare gesucht werden. ae