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Bruder Thomas in Traunreut wie ein Held gefeiert

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Bruder Thomas, alias Monsignore Thomas Schlichting, hielt beim CSU-Starkbierfest im »k 1« in Traunreut wieder eine unterhaltsame und hintergründige Fastenpredigt und wurde wie ein Held gefeiert. (Foto: Rasch)

Traunreut. Monsignore Thomas Schlichting hielt beim Starkbierfest der Traunreuter CSU im »k 1« eine unterhaltsame und feinsinnige Fastenpredigt, bei der Bürgermeister Franz Parzinger die Kommunalpolitiker nicht ungeschoren davonkamen.


Bruder Thomas bewies mit seinen feinen Spitzen einmal mehr Klasse und wurde wie ein Held gefeiert. Alle amüsierten sich köstlich und konnten herzhaft über sich selbst lachen. »Ich hätte ihm noch Stunden zuhören können«, schwärmte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, der genau so wenig ungeschoren davon kam wie Bürgermeister Parzinger und Konsorten.

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Scharfzüngigkeit ohne zu verletzen ist die große Gabe des »kleinen« Kirchenmannes, der einen Lacher nach dem anderen landete. Ob ihn seine Eingebungen von ganz »oben« oder von anderer Seite zugeflüstert wurden, darüber kann nur spekuliert werden. Jedenfalls war er auch nach zweijähriger Traunreut-Abstinenz über das Stadtgeschehen bestens informiert.

Im Zuge der positiven Entwicklung zum Thermen- und Kurort wäre es in seinen Augen jetzt an der Zeit, in Sachen Infrastruktur an einen Flughafen zu denken. Sogar in Berlin sei es gelungen, beide Themen zu vereinen, heiße Luft und Flughafen. »Schon tragisch, gell, wie ausgerechnet ein Flughafen zur Luftnummer wird.« Die ersten Kläger gegen Fluglärm seien inzwischen gestorben. Vielleicht sollte sich der Ramsauer und die anderen Aufsichtsratsvorsitzenden ein Beispiel nehmen an jenen genialen Bankräubern, die im Januar mittels eines 30 Meter langen Tunnels die Schließfächer einer Volksbank ausgeraubt haben. »Die haben sich auf alte Tugenden aus der Mauerzeit besonnen und einen Tunnel gegraben von dort wo nix is nach da, wo ebbs is. Und im Gegensatz zum Airport Willi Brandschutz lief bei diesem Großprojekt alles richtig: Der Tunnel war in der Zeit fertig, das Vorhaben lief völlig geräuschlos ab und der Tunnel hat funktioniert. Und - wenn man die Täter findet, werden sie eingesperrt...«

Einen galanten Seitenhieb auf Bürgermeister Franz Parzinger konnte er sich auch nicht verkneifen. Sogar bis nach München habe sich die Meinung ihren Weg gebahnt, dass die Kür des CSU-Kandidaten für die Landratswahl ein sehr übersichtliches Ergebnis für das Stadtoberhaupt der größten Stadt im Landkreis errungen habe. »Ich mein, der Franz hat ja fünf Mal nachgerechnet, musste aber die errechnete Summe dann wieder durch die Zahl der Nachrechenvorgänge, also durch fünf teilen: Es wurden ums Verrecken nicht mehr!« Als Tipp gab er Parzinger mit auf den Weg, keine Ratschläge von Parteifreunden aus der CSU anzunehmen. Keines der wirklichen Alphatiere aus einer C-Partei habe jemals Ratschläge angenommen, die über die richtige Benutzung eines Telefons oder ein Rezept für eine Biersoße zum Schweinsbraten hinausgehen.

Einer habe sich bei dem übersichtlichen Ergebnis natürlich schon geärgert, weil er jetzt irgendwie leer ausgeht. Der Schroll Reinhold hätte sich bei dem politischen Ämterkarussell ja gute Chancen ausgerechnet, dann zum Bürgermeister gekürt zu werden. »Nichts ist halt blöder als ein Karussell, das sich nicht bewegt...« Aber das müsste man eigentlich wissen, wenn man das Traunreuter Volksfest kennt, das sich auch nur wirklichen Zuspruchs erfreue, wenn die Senioren ein halbes Hendl gratis bekommen.

Nicht ganz ungeschoren kam auch der Zweite Bürgermeister Ernst Ziegler (SPD) davon. Bösartige Gerüchte behaupteten hartnäckig, dass der Vizebürgermeister bei der alljährlichen Zelebration der Städtepartnerschaft in Virovitica einen dermaßen ausgedehnten Belastungstest bayerisch-kroatischer Trinkfestigkeit vom Stapel gelassen habe, dass es zu nachtschlafender Zeit nicht mehr in angemessener Zeit möglich gewesen sei, ein Taxi aufzutreiben und die örtliche Polizei Einsatzhilfe leisten musste. »Das nenne ich Einsatz – ich mein jetzt die Polizei!«

Vor der Fastenpredigt brachten die Stadtkapelle und die Mafiosi aus den Reihen der Rathausstürmerinnen die Gäste in Stimmung. In Roider-Jackl-Manier nahm auch wieder Reinhard Piehler die Politaktivisten aufs Korn und erntete dafür großen Applaus. ga