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Bruder Barnabas las den Pettingern die Leviten

Petting. Wie schon seit mehreren Jahren mussten die Pettinger als Preis dafür, dass sie das Starkbier gleich nach dem Anstich im Saal des Bräustüberls in Schönram verkosten wollten, eine Leviten-Lesung des gestrengen Bruder Barnabas über sich ergehen lassen. Sie ertrugen die Lesungen aber mit Humor, ohnehin das einzige effektive Gegenmittel, und das Bier war die Anfechtungen allemal wert.

Etwas verschmitzt schaute Bruder Barnabas schon, während er in seiner Predigt die Verfehlungen der Pettinger und der großen Politik kundtat. (Foto: Albrecht)

Gut auch, dass Braumeister Eric Toft und Bräu Alfred Oberlindober schon vor der Predigt den Anstich erledigt hatten, denn so wurden die gestrengen Worte des guten Bruder Barnabas auch etwas von der 17,8-prozentigen Stammwürze und den 8,2 Prozent Alkohol gedämpft, die seine Zuhörer genossen hatten.

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Bruder Barnabas, alias Altbürgermeister Markus Putzhammer, wurde mit dem großen Bim-Bam einer Kuhglocke vom Fasserl-tragenden Luggi Prechtl angekündigt. Wie locker die Sitten heutzutage auch im Kloster zu sein scheinen, zeigte Bruder Barnabas schon, als er beim Erklimmen der Bühne seine Soutane auf Minirock-Höhe lupfte.

Seine Predigt hatte es aber in sich. Fast keiner in der Gemeinde kam ungeschoren davon. Ob Brauerei, Wirt Arno und seine Andrea, oder TSV, Feuerwehr, Musikkapelle, Gartenbauverein und Trachtler, von allen hatte der gute Bruder die Verfehlungen und Sünden des vergangenen Jahres gesammelt und gab sie hier zum Besten. Fast schien es, als ob das Beichtgeheimnis auch nicht mehr das ist, was es einmal war. Nur beim Gemeinderat habe er diesmal auf Granit gebissen, meinte Barnabas.

Offenbar hätte sie »Kaiser Karl«, der Bürgermeister, mit einem Bann belegt, wenn sie geplaudert hätten. Nur über die Verhandlungen der Gemeinde mit dem kirchlichen Ordinariat in München, wegen eines Grundstücks hinter der Schule, das die Gemeinde brauchte, wusste Barnabas Bescheid. Dank der Bemühungen des neuen Pfarrers Ludwig Westermeier, den »Kaiser Karl« zusammen mit Luggi Prechtl, an »oidn Stippei«, und Gemeindesacker Reinhard Melz zu Verhandlungen nach München mitgenommen hatte, waren die Verhandlungen erfolgreich, sagte Barnabas.

Nur heimgefunden hätte die Delegation fast nicht mehr, denn das Navi vom »Stippei« sei auf den Salzburgring programmiert gewesen und lotste die Pettinger Gesandten fünfmal um München, bevor Pfarrer Westermeier sich ihrer erbarmte und seine Ortskenntnis benutzte, um sie auf den rechten Weg zu führen.

Nachdem Bruder Barnabas nicht viel aus den »gscherten Lackln«, wie er die Gemeinderäte titulierte, der Lokal-Politik kitzeln hatte können, nahm er stattdessen die große Politik aufs Korn. Beim Berliner Flughafen, bei dem Verkehrsminister Peter Ramsauer so tue als ginge er ihn nichts an, hatte Barnabas praktisch einen kompletten Plan bereit, wie er von Pettinger Firmen in höchstens zwei Jahren fertiggestellt werden könnte.

Aber solang die in Berlin das Sagen haben, wo der Wowereit hinten rein will und der Ramsauer vorn raus, wird des nie was, meinte Barnabas. Bis an kleine Details, wie die Bepflanzung der Verkehrsinseln an der Autobahn-Ausfahrt zum Flughafen, hatte Barnabas schon gedacht. Elvira Kraller und ihr »Geraniengeschwader« vom Gartenbauverein könnten da weiß-blaue Veilchen pflanzen, meinte Barnabas. Ihr Mann könnte dann auch die Treppen bauen im Flughafen, sagte Barnabas. Das würden sicher »Stairways to Heaven«, statt dem »Highway to Hell«, als der sich der Flughafen bis jetzt entpuppt.

Jedenfalls, meinte der gute Bruder abschließend, werde er sich jetzt auch damit begnügen noch ein paar gute Fastenbier zu trinken und es sei ihm wurscht, wenn die Leute vergessen, was er in seiner Predigt gesagt habe. Hauptsache es gebe noch eine zünftige Gaudi. »Amen und Prost!«

Danach unterhielt die Musikkapelle Ringham-Petting wieder die Starkbiertrinker, wie sie das auch schon vor der Predigt auf beste Weise getan hatte. al