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»Bringen die Tourist-Info dorthin, wo unsere Gäste sind«

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Der steile Kirchberg in Taching soll zur Sicherheit der Fußgänger mit einem überschmiedeten Geländer versehen werden. An der Friedhofsmauer wird zusätzlich ein Handlauf installiert. Gemeindebürger hatten diesen Wunsch vorgebracht. (Foto: Aßmann)

Taching am See – Im Grunde hätte nur ein formaler Beschluss nachgeholt werden sollen, nachdem sich der Gemeinderat Taching am See in seiner Sondersitzung zum Thema »Tourismus« einstimmig darauf verständigt hatte, die Tourist-Information an den Campingplatz zu verlegen. Doch dem eigentlichen Votum ging in der jüngsten Zusammenkunft des Kommunalgremiums erneut eine lebhafte Diskussion voraus und am Ende stimmten drei Ratsmitglieder gegen die Umzugspläne.


»Hintergrund der Überlegung war, Synergien zu bündeln, beispielsweise bei den Öffnungszeiten, der Kundenorientierung und der Zusammenarbeit, sowie dem Personal-Engpass am Campingplatz in der Hauptsaison nachhaltig entgegen zu wirken«, rief Bürgermeisterin Ursula Haas in Erinnerung. Bautechniker Franz Fenninger hatte inzwischen die Kosten ermittelt, die ein zusätzliches Büro im, vom SV Taching, nicht mehr genutzten, Gebäudetrakt verursachen würde. »Die Ausgaben belaufen sich auf etwa 15 000 Euro. Die Summe variiert jedoch je nach Ausführungsstandard und inwieweit der gemeindliche Bauhof Leistungen übernehmen kann«, erläuterte Fenninger.

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Im Anschluss verlas Ursula Haas ein mehrseitiges Schreiben von Heinrich Riesemann, das dieser allen Vermietern und Ratsmitgliedern hatte zukommen lassen. Der Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins Taching-Tengling, der wegen einer Urlaubsreise nicht persönlich an der Sondersitzung teilnehmen konnte, ging darin explizit auf den Einsatz des Vereins für den Tourismus in der Seegemeinde ein und äußerte seine Bedenken gegen eine Verlegung der Tourist-Information vom Kirchberg an den Campingplatz. Riesemann hielt es für unschicklich, dieser Entscheidung vornehmlich wirtschaftliche Erwägungen zugrunde zu legen.

»Wirtschaftliche Aspekte spielten bei unserer Entscheidung nur eine untergeordnete Rolle«, vergegenwärtigte die Bürgermeisterin, die Riesemanns Vorbehalte nicht nachvollziehen konnte: »Wir haben den Fremdenverkehrsverein und seine Leistungen zu keiner Zeit infrage gestellt. Wir wollen die Tourist-Information auch nicht schließen, sondern dort hinbringen, wo unsere Gäste sind. Das Personal bleibt und für Vermieter und Touristen bietet die Verlegung künftig sogar längere Öffnungszeiten.«

Bündelung, um Synergieeffekt zu nutzen

Ähnlich argumentierte auch Josef Huber: »Wir zweifeln den Tourismus in Taching nicht an. Wir machen nichts anders. Wir sparen auch kein Geld ein, die Personalkosten bleiben gleich. Wir führen lediglich zwei Örtlichkeiten zusammen, um Synergieeffekte zu nutzen.«

Markus Haselberger stimmte gegen den Umzug. Er hatte sich bereits in der Sondersitzung um die Parkplatzsituation gesorgt, wenn an warmen Sommertagen am See Badegäste, Camper und neu eingetroffene oder ratsuchende Touristen zusammenträfen. Auch Hans Steiner und Max Streibl schlossen sich Haselberger an, obwohl sie noch in der Sondersitzung eine Zusammenlegung der beiden touristischen Einrichtungen für eine sinnvolle Alternative gehalten hatten. Mit 7:3-Stimmen beschloss der Gemeinderat, die Tourist-Information zum nächstmöglichen Zeitpunkt in die Räumlichkeiten am Campingplatz zu verlegen.

Der Kirchberg in Taching am See wird mit einem Geländer ausgestattet. Darauf verständigte sich der Gemeinderat mehrheitlich. Das Kommunalgremium folgte damit einem mehrfach geäußerten Wunsch der Gemeindebürger. Das Geld für die Maßnahme ist bereits im Haushalt 2017 eingestellt.

»Der Kirchberg ist recht steil. Deshalb stellt ein Geländer, besonders in den Wintermonaten, für ältere Menschen eine gewisse Sicherheit dar«, betonte Bürgermeisterin Ursula Haas zu Beginn der Beratung. Ein Handlauf entlang der Friedhofsmauer sollte zusätzlichen Schutz geben.

Geländer kostet rund 11 000 Euro

Gleich einen ganzen Schwung Ausbauvarianten hatte Bautechniker Franz Fenninger im Gepäck. »An einem überschmiedeten Geländer kann man sich gut einhängen. Es ist allerdings auch die teuerste Ausführung«, erläuterte er. Auf etwa 11 000 Euro bezifferte Fenninger die Kosten; mit rund 3300 Euro würde der Handlauf an der Kirchenmauer zu Buche schlagen. Für ein Geländer aus Edelstahl wären Kosten in Höhe von circa 10 500 Euro fällig geworden, für das Holzgeländer veranschlagte der Bautechniker ungefähr 4000 Euro. Allerdings riet Fenninger von beiden Varianten ab: »Vor allem ein Holzgeländer ist nicht zu empfehlen, weil der Handlauf aufgrund des Umfangs nicht umgriffen werden kann. Auch die Haltbarkeit ist begrenzt.«

War sich das Kommunalgremium über die Sinnhaftigkeit der Maßnahme noch rasch einig, entspann sich um das Material des Geländers und Handlaufs eine lebhafte Debatte. Franz Obermeyer favorisierte die Holzausführung. »Da kann der gemeindliche Bauhof sicher schnell ein schönes Geländer zu geringeren Kosten bauen. Wir haben ja jetzt einen Zimmerer als Bauhofleiter«, nahm Obermeyer den neuen Mitarbeiter Richard Schwaiger gleich in die Pflicht. Darüber hinaus sei ein Metallgeländer wohl schnell verbogen, gab das Ratsmitglied zu bedenken.

Auch Michael Kaiser bekannte sich als »Holzfan«: »Optisch braucht es etwas Robustes, etwas Massives. Ein filigranes Geländer ist lächerlich. Außerdem fasst bei Minusgraden niemand an ein Metallgeländer«, betonte er und hielt auch den Handlauf an der Friedhofsmauer für unnötig: »Dort ist es nicht steil.«

Bürgermeisterin Ursula Hass konnte die Argumentation ihrer beiden Ratskollegen nicht teilen: »Gerade ein schmiedeeisernes Geländer ist ein optisch starkes Element, wenn man auf den Kirchberg zufährt. Ein Holzgeländer wirkt wie ein Provisorium. Ältere Menschen brauchen etwas zum Festhalten; ein Geländer, um das man die Hand herumbringt, wo man zupacken kann.« Im Gegensatz zu Kaiser hielt die Gemeindechefin einen Handlauf am Friedhof für unabdingbar: »Gerade an der Kirchenmauer ist den Senioren eine zusätzliche Sicherung besonders wichtig.«

Auch die Mehrheit des Gemeinderats sprach sich für das überschmiedete Geländer aus; gegen die Stimmen von Obermeyer und Kaiser wurde diese Variante verabschiedet. mia