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»Breitwasser« statt »Hochwasser« gefordert

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Vor dem neuen großen Regenrückhaltebecken in Kössen: Helga Mandl (links), Kreissprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, die Tiroler Landtagsabgeordnete Gabriele Fischer aus Innsbruck sowie der Landtagsabgeordnete Dr. Christian Magerl. (Foto: Giesen)

Marquartstein – Groß war das Interesse von Besuchern bis aus dem nördlichen Landkreis Traunstein bei der Infoveranstaltung zum »Hochwasserschutz im Achental« im Gasthof Weßner Hof.


Der Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Christian Magerl, Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt- und Verbraucherfragen im Bayerischen Landtag, hatte sich einen Tag lang über die Hochwassersituation im Achental bis nach Kössen informiert und mit den Betroffenen diskutiert. Bei der Infoveranstaltung hielt er anhand von Bildern ein kurzes Referat, welche Hochwasserschutzmaßnahmen aus »grüner Sicht« wirksam am Oberlauf der Tiroler Achen und im Achental sinnvoll sind.

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Magerl betonte, dass zwar viel im Bereich des technischen Hochwasserschutzes getan werde, aber viel zu wenig im ökologischen Bereich. Die Hochwasser führte er darauf zurück, dass die Flüsse in vergangenen Jahrzehnten viel zu oft »korrigiert«, nämlich begradigt, vertieft und eingedeicht worden seien. Versiegelung und Verbauung besonders in natürlichen Hochwassergebieten seien überall zu finden. Er räumte ein, dass Dämme und Spundwände im Achental sicher notwendig seien, daneben aber brauche man dringend renaturierte Flächen, »vom Hochwasser zum Breitwasser«, so Magerl.

Die anschließende Diskussion moderierte Kreisrat Sepp Hohlweger. Ilse Englmaier vom Kreisverband Traunstein des Bundes Naturschutz plädierte für den Rückbau der Deiche. Beim Junihochwasser 2013 habe wegen der Deiche das Hochwasser nicht schnell genug ablaufen können. Flutpolder seien »absolut abzulehnen«. Ein Teilnehmer sah die Ursachen der großen Hochwasser vor allem in der Versiegelung der Flächen, auch in bekannten Hochwassergebieten. Jede Versiegelung müsse gesetzlich mit der Ausweisung einer Retentionsfläche verbunden werden. Landwirt Hans Hacher aus dem Ort Donau schilderte wie auch einige seiner Kollegen die überbordende Arbeit für die Bauern, wenn die Achen mal wieder über die Ufer tritt. Es seien mindestens vier Tage Arbeit, um die Wiesen, auf denen sich vielfach Sondermüll ablagert, davon zu befreien. Lange dauere es auch, bis sie wieder in ihrem früheren Zustand seien. Die finanzielle Hilfe und die Chance auf Entschädigung vom Staat seien gleich Null, so Hacher. Nur die Gemeinde habe beim Juni-Hochwasser 2013 eine Entschädigung bezahlt. Auch BBV- Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer plädierte dafür, die betroffenen Landwirte ausreichend zu entschädigen. Eine eventuelle Einmalzahlung sei viel zu wenig. Ein anderer Bauer sagte, von einer Entschädigung von 5000 Euro habe er 2000 Euro für Steuern zahlen müssen. Sepp Hohlweger sah den Bauernverband in der Pflicht, über Entschädigungszahlungen in der Politik zu diskutieren. Kreisrat Alfons Baumgartner, Fraktionssprecher der Bayernpartei, sagte, dass es bei Hochwasserschäden um Milliarden gehe, sodass die Entschädigung für die Bauern keine so große Hemmschwelle sein dürfte. Auch Retentionsflächen sollten zu bekommen sein, denn 100 Hektar Grund seien zum Beispiel für den Golfplatz in Grassau ganz schnell zu haben gewesen.

Christian Magerl versprach, alle Anregungen aufzunehmen und im Landtag einzubringen. Über Entschädigungen bei »Kleinschäden« werde im Landtag erst verhandelt.

Eine Frau wollte wissen, wie es voraussichtlich mit den geplanten Fließwasserkraftwerken an der Tiroler Achen weitergehe, da sie den Grundwasserspiegel verändern. Sie kritisierte, dass für viele neue Häuser in Grassau, Staudach und Marquartstein die Baugenehmigungen erteilt wurden. Marquartsteins Bürgermeister Andreas Scheck informierte von einem Beschluss des Ökomodells Achental, dass die von ihnen vorangetriebenen Fließ-wasserkraftwerke derzeit nicht weiter verfolgt werden. Zu den Baugenehmigungen sagte Sepp Hohlweger, dass vom Wasserwirtschaftsamt jeweils Risikopläne erstellt würden. Da werde sich viel ändern und auch auf die Gemeinden werde mehr Verantwortung zukommen. gi