weather-image
14°

Bravo-Rufe für den »Kartlbauer«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Urkomisch und mit Mut zur Hässlichkeit: Silvia Steiner (Mitte) mit Birgit Kastner (links) und Monika Lermer. (Foto: vom Dorp)

Übersee. Ein voller Erfolg dürfte die Sommersaison für den Überseer Theaterverein werden. Nach der gelungenen Premiere der geistreichen Komödie »Da Himme wart ned« (wir berichteten) haben die Laiendarsteller mit ihrem zweiten Stück, dem ländlichen Schwank »Der Kartlbauer« von Ralph Wallner, eine weitere Trumpfkarte gezogen. Bravo-Rufe und ein nicht enden wollender Applaus belohnte das Team um Regisseurin Angelika Fischer bei der Premiere für eine profihafte Leistung im Wirtshaus D´Feldwies.


Nur wenige Besucher bei sehenswerter Premiere

Anzeige

Schade nur, dass auch bei der zweiten Premiere mehr als die Hälfte der Plätze leer blieben. »Dieser reichliche Applaus freut uns unwahrscheinlich«, sagte Theaterseniorin Doris Kandler und sprach damit ihrem Team aus dem Herzen. Wer nicht gekommen war, hatte einen herrlich amüsanten Theaterabend mit viel »Schenkelklopfern«, witzigen Regieeinfällen und einer kurzweilig-abwechslungsreichen Geschichte versäumt. Das Beste aber war die schauspielerische Leistung der sieben Protagonisten, die vergessen ließ, dass es sich hier um Laiendarsteller handelt.

Die Handlung spielt ausschließlich auf der wunderschönen, mit Blumen geschmückten Terrasse des Kirchbauer-Hofes. Das gepflegte Ambiente lässt nicht vermuten, dass es mit dem Hof langsam bergab geht. Bauer Martin hat nach einer unglücklichen Liebe kaum noch Interesse am Hof und schon gar nicht mehr an anderen Frauen. Stattdessen hat er das Laster des Kartenspielens entdeckt. Leider verliert er mehr, als er gewinnt. Seine Schwester Anna, die ihm den Haushalt führt und sich für ihn verantwortlich fühlt, und Knecht Gustl versuchen vergeblich, ihn zur Vernunft zu bringen. Erst mit der neuen Aushilfsmagd Christl scheint sein Herz zu erweichen.

Doch die neue Gefühlsregung kommt zu spät: Bei einem Kartenspiel mit dem Großbauern Bachmeier hatte er zuvor verloren und muss nun dessen »Wetteinsatz«, die unattraktive und »depperte« Stieftochter Afra heiraten. Dass ausgerechnet die »gehirnmassig unterentwickelte« Afra für eine entscheidende Wende sorgt, ist die Überraschung des Stücks. Und als dann auch noch die »liebestechnisch auf dem Trockendock liegende« Pfarrersköchin Zenzi dem heiratsscheuen Martin einen listigen Stups in die Ehe gibt, scheint das Happy End für die Liebe und den Hof gesichert....

Ein besonderes Lob gebührt Regisseurin Angelika Fischer. Sie führt nicht nur die Hobby-Schauspieler zu wahrhaft professionellen Höchstleistungen. Mit Spaziergängen der Akteure durch die Zuschauerreihen, mit Blitz und Donner sowie einer Eimer-Wasser-Dusche präsentiert sie auch publikumswirksame Einfälle.

Christian Lucke spielt seine langjährigen Erfahrungen aus und brilliert in seiner Rolle als hemdsärmelig-derber und fluchender Bauer Martin mit einem weichen Kern. In der Rolle des hinterlistig-großmäuligen Großbauern Bachmeier überzeugt Michael Hartl, herrlich sein diabolisches Lachen à la Jack Nicholson.

Als »Schwestern im Geiste« agieren Monika Lermer und Birgit Kastner mit Charme und kluger Weiblichkeit. Erstaunlich souverän spielt Jungschauspieler Seppi Riedmaier seine Rolle als Knecht Gustl mit gesundem Menschenverstand und gelegentlichen Fremdwörter-Schwächen. Lautstark, robust, wunderbar fluchend und mit einem Augenzwinkern für die eigene »Ratsch«-Schwäche glänzt Doris Kandler in ihrer Rolle als gelegentlich liebeshungrige Pfarrersköchin Zenzi.

Urkomisch und mit viel Mut zur Hässlichkeit meistert Silvia Steiner ihre schwierige Rolle als stotternde Bauerstochter Afra. Sie erntete bei der Premiere Lachsalven und Bravo-Rufe, vor allem bei ihrer Liebeslektion an einer Vogelscheuche.

Aufführungen der beiden Stücke im Wechsel

Wieder einmal ist Stefan Gries mit seinem herrlich-blumigen Bühnenbild über sich hinausgewachsen, und auch die Maske von Maria Metz passt haargenau zum Gesamteindruck. Für das Publikum nahezu unbemerkt agierte die Souffleuse Alexandra Mittermaier. Die Technik meisterte erstmals Maxi Fellner. Für die musikalische Unterhaltung zwischen den Szenen sorgte Simon Berger mit seiner Ziach.

»Der Kartlbauer« wird in dieser Saison jede zweite Woche freitags um 20 Uhr gespielt. Die nächste Aufführung ist am 5. Juli. Am kommenden Freitag, 28. Juni, steht wieder die geistreiche Komödie »Da Himme wart ned« auf dem Programm. Karten zu allen Veranstaltungen sind im Vorverkauf in der Tourist-Info Übersee, Telefon 08642-295, und an der Abendkasse erhältlich. bvd