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Bräutigam als Exhibitionist?

Eigentlich wollte ein mehrfach vorbestrafter, 29-jähriger Bauhelfer aus dem Landkreis Rosenheim am 18. Juni 2011 heiraten. Eine Freundin seiner Braut sollte ihn deswegen am selben Tag morgens nach Wasserburg zum Juwelier bringen, um die Trauringe abzuholen. Was nach Eintreffen der 52-jährigen Zeugin in der Wohnung geschah – darüber gab es gestern vor dem Landgericht Traunstein auseinanderklaffende Versionen.


Einigkeit herrschte: Der Bräutigam war splitternackt. Folgt man der Frau, masturbierte der 29-Jährige etwa 20 Minuten bis eine halbe Stunde vor ihren Augen. Der Bauhelfer indes wollte nichts dergleichen getan haben. Der Prozess der Dritten Strafkammer mit Richterin Heike Will wird am 12. September mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

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Das Schöffengericht Rosenheim hatte den Angeklagten bereits am 22. November 2012 wegen exhibitionistischer Handlungen zu sieben Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Dagegen legten der 29-Jährige und Staatsanwalt Thilo Schmidt Rechtsmittel ein.

Die 52-jährige Geschädigte berichtete in der gestrigen Berufungsverhandlung, sie habe sich auf Bitte ihrer Freundin – die zur Tatzeit beim Friseur war – bereit erklärt, mit dem Bräutigam die gravierten Eheringe abzuholen. Als sie in der Wohnung ankam, sei der 29-Jährige nackt gewesen, im Nebenzimmer sei ein Porno gelaufen. Der Bauhelfer habe an seinem erigierten Glied manipuliert und sie mehrfach aufgefordert, hinzuschauen mit der Begründung: »Das macht mich an.«

Die 52-Jährige betonte, sie habe den Angeklagten immer wieder gebeten, sich endlich anzuziehen. Schließlich sei sie in ein anderes Zimmer gegangen. Erst danach habe sich der 29-Jährige angekleidet. Sie habe ihn zum Juwelier gebracht und auch noch an der Hochzeitsfeier teilgenommen. Danach habe sie allen Kontakt zu dem frisch verheirateten Paar abgebrochen.

Die Zeugin hob heraus, sie habe strikte moralische Ansichten. So habe sie den Bräutigam gefragt: »Du heiratest in drei Stunden. Wie kannst Du das Deiner Frau antun?« Der Mann habe etwas in der Richtung gesagt, er brauche »mehrmals am Tag Sex«. Die 52-Jährige schwieg über die Sache, um dem neu vermählten Paar »nicht zu schaden«. Während der Arbeit erfuhr sie einige Zeit später über einen Bekannten von einem anderen Vorfall, bei dem der Angeklagte wohl dessen jugendliche Tochter in sexueller Hinsicht belästigt hatte.

Daraufhin erzählte die 52-Jährige von ihrem unangenehmen Erlebnis am Hochzeitstag. So kam der Fall ans Tageslicht. Die Zeugin erinnerte sich auch an eindeutige verbale Avancen des Angeklagten. Gestern beschwor sie per Eid, die Wahrheit gesagt zu haben.

Der mehrfach vorbestrafte 29-Jährige, dem als Verteidigerin Gabriele Sachse aus Rosenheim zur Seite steht, beteuerte hingegen, er habe mit sexuellen Bemerkungen der Frau gegenüber lediglich »Spaß gemacht«. Am Hochzeitstag habe er sich den Anzug schon bereit gelegt gehabt. Plötzlich sei die 52-Jährige hinter ihm gestanden. Er habe gar nicht gewusst, dass sie kommen sollte. Und weiter: »Frau Vorsitzende, ich war halt nackt, hatte auch kein Handtuch um. Ich hab' mich umgedreht.« Anschließend sei er sofort ins Schlafzimmer, um sich anzukleiden.

Die 38 Jahre alte Ehefrau des Angeklagten hatte den Hochzeitstag gestern als »stressig« im Gedächtnis. Sie habe am Abend vorher noch schnell Ringe ausgesucht. Ihr Mann habe die Ringe, chauffiert von der 52-Jährigen, in Wasserburg abgeholt. Die Ehefrau weiter zu sexuellen Sprüchen des Angeklagten: »Mein Mann redet halt oft blöd daher.«

Auf Fragen des Gerichts nahm die 38-Jährige ihren Mann aber konsequent in Schutz: »Er ist vorbestraft, hat sich aber geändert. Ich hab mich in ihn verliebt. Ich liebe ihn. Ich kann mir so was nicht vorstellen.« kd