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Brände löschen und Menschenleben retten

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Nach der Kollision zweier Pkw wird ein Pkw von der Fahrbahn an einem Telefonmast geschleudert. Eine Person wird schwer verletzt und im Fahrzeug eingeklemmt. Die Rettung der vermeintlichen Schwerverletzten stellte sich als besondere Herausforderung beim Übungstag von Feuerwehren und Rettungsdiensten in Marquartstein heraus. Teamarbeit und hin und wieder unkonventionelles Handeln waren gefragt, um effektiv und schnell zu helfen. (Foto: Volk)

Marquartstein. Neun Feuerwehren mit 110 Helfern, dazu 22 Sanitäter des Roten Kreuzes, der Bergwacht und des Malteser Hilfsdienstes sowie die Polizei beteiligten sich an einem gemeinsamen Übungstag in Marquartstein. Auf Initiative von Kreisbrandinspektor Georg König und ausgerichtet von der Feuerwehr Marquartstein unter der Leitung von Kommandant Thomas Mayer trainierten sie an perfekt inszenierten Notfallsituationen unter sehr realitätsnahen Bedingungen. Fast fünf Stunden lang wurden die Erkundung durch Führungskräfte, das einsatztaktische Vorgehen bei verschiedenen Notfallsituationen und die Erstversorgung von Verletzten intensiv geübt. Auf neun Stationen in und um Marquartstein wurden die Helferinnen und Helfer mit verschiedensten Unfällen und Bränden konfrontiert.


Besondere Beachtung und viele interessierte Zuschauer hatte ein Verkehrsunfall, der auf der Straße zwischen Vogllug und Lanzing in Szene gesetzt wurde. Zwei Pkw waren zusammengeprallt und teilweise von der Straße geschleudert worden. Die beiden schwerverletzten Fahrer waren in den Wracks eingeklemmt. Die Feuerwehren mussten hydraulische Rettungsgeräte wie Schneidgerät und Spreizgerät einsetzen, um sie zu befreien. Die Erstversorgung der Verletzten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes, die Bereitstellung des Brandschutzes und die Absicherung der Unfallstelle waren weitere Aufgaben. Dass ein weiterer Unfallbeteiligter unter Schock davonlief und abseits der Straße verletzt im Wald lag, hatten die Retter zunächst nicht bemerkt. Dies zeigte, wie wichtig eine umfassende Erkundung und Lagebeurteilung sowie eine Absuche im Umfeld der Unfallstelle ist. Anspruchsvoll waren auch alle anderen Notfallsituationen. Auf dem Achendamm stürzte ein Radfahrer. Um ihn aus misslicher Lage retten zu können, benötigte der Rettungsdienst die Unterstützung der Feuerwehr. Im dritten Stock eines Wohnhauses an der Staudacher Straße lag ein Mann hilflos in seiner Wohnung. Die Feuerwehr musste die Türen mit Spezialgerät öffnen und für die schonende Rettung der Person mit akuter Herzerkrankung über das Hubrettungs–gerät der Feuerwehr Reit im Winkl sorgen.

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Nach einem Brand im Keller der Chiemgau-Klinik in Geisenhausen, der von der Feuerwehr gelöscht wurde, brach ein Atemschutzträger plötzlich zusammen. Damit wurde geübt, wie wichtig bei jedem Einsatz von Atemschutzträgern ein bereitstehender Rettungstrupp ist, der schnell eingreifen und Kameraden retten kann. Im Betriebshof einer Baufirma wurde beim Entladen eines Lastwagens ein Kanister beschädigt. Eine unbekannte, vermutlich gefährliche Flüssigkeit lief aus. Ziel dieser Übung war es, dass die Floriansjünger die drohende Gefahr für Leib und Leben erkennen, die Einsatzstelle großräumig absichern und weitere Spezialkräfte, zum Beispiel Feuerwehrhelfer mit Chemieschutzanzügen oder einen der beiden im Landkreis stationierten Messzüge anfordern.

Mittels Flaschenzug und Schaufeltrage, unterstützt von der Bergwacht, mussten die Feuerwehrler einen akut erkrankten Mann aus dem Untergeschoß einer Kanalpumpstation retten. Auch ein Brand in einer Werkstatt in Pettendorf hielt die Feuerwehrler in Atem. Den Abschluss der Schreckensszenarien bildete ein Brand im Seniorenheim. Die Feuerwehrler und Rettungskräfte hatten dabei alle Hände voll zu tun, um den inszenierten Brand zu löschen und Personen aus dem Gebäude zu retten.

Unmittelbar nach den einzelnen Übungen wurden die festgestellten Fehler mit den Übenden besprochen. Weil die Helfer vorher nicht wussten, was sie an den Stationen erwartet, hätten Lerneffekt und gewonnene Erkenntnisse nicht größer sein können, betonte Kreisbrandinspektor Georg König. »Niemand hat erwartet, dass die Übungen fehlerfrei ablaufen. Der Übungstag dient dazu, Fehler zu erkennen und diese künftig nicht wieder zu machen.«

Trotz kleiner Fehler zufrieden mit der Leistung

Nach fast fünfstündigem, kräftezehrendem Üben zogen die Übungsbeobachter Bilanz. Im Notfallparcours sei nicht alles optimal gelaufen und auch wurden einige Fehler gemacht. Insgesamt zeigte sich Kreisbrandinspektor König aber sehr zufrieden mit den Leistungen der Feuerwehrler.

Teilnehmer der Übung waren die Feuerwehren aus Grassau, Übersee, Staudach-Egerndach, Rottau, Marquartstein, Unterwössen, Oberwössen und Reit im Winkl, die Bergwacht-Bereitschaft sowie vier Rettungswagenbesatzungen des BRK und der Malteser, die Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung und der Einsatzleiter Rettungsdienst. pv