9-Euro-Ticket
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Im ersten Gültigkeitsmonat des sogenannten 9-Euro-Tickets sind dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zufolge bundesweit rund 21 Millionen der Sonderfahrkarten verkauft worden. Foto: dpa

»Boom des 9-Euro-Tickets ein starkes Zeichen«: Ausschuss sieht Wunsch nach Verkehrswende im Landkreis

Traunstein – »Im Sinne der effektiven Entwicklung eines modernen, nachhaltigen, ökologischen und gleichzeitig wirtschaftlich vernünftigen Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) hat der Landkreis weitere Weichen gestellt«, betonte der stellvertretende Landrat Josef Konhäuser im Verkehrsausschuss. Er leitete die Sitzung, da Landrat Siegfried Walch krank war. 


Seit 15. März dieses Jahres gibt es das neue Sachgebiet »Mobilität« mit insgesamt sechs Mitarbeitern, die Leitung hat Sebastian Schallinger übernommen. Die Aufgaben des Sachgebiets umfassen die Planung, Organisation und Sicherstellung des allgemeinen ÖPNV, die Organisation der Schülerbeförderung für rund 5000 Schülerinnen und Schüler sowie eine »zukunftsfähige« Nahverkehrs- und Mobilitätsplanung.

»Momentan erleben wir eine interessante Zeit im ÖPNV und in der Mobilität. Das wichtigste Schlagwort ist dabei natürlich das 9-Euro-Ticket: In Deutschland wurden bisher über 20 Millionen Stück verkauft. Wir werten das als starkes Zeichen dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger – auch bei uns im Landkreis – eine Verkehrswende wollen und diese dann auch gerne nutzen«, ist Schallinger überzeugt. Kehrseite der Medaille sei, dass insbesondere die finanzielle Abwicklung des Tickets alle Beteiligten vor große Herausforderungen stelle. Auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts teilte Sebastian Schallinger mit, dass das Sachgebiet bislang noch keinen Überblick habe, wie viele 9-Euro-Tickets im Landkreis bisher insgesamt verkauft wurden.

Weiteres Thema im Ausschuss war die kostenlose Fahrradmitnahme auf den Bahnstrecken im Landkreis Traunstein. »Der Landkreis setzt sich bereits seit 1992 für eine unentgeltliche Fahrradbeförderung in den Nahverkehrszügen ein«, sagte Josef Konhäuser. Zum 1. Januar 2020 konnte der Vertrag für die Strecken der Südostbayernbahn (TS – Waging, TS – Ruhpolding, TS – Traunreut/Trostberg/Garching, Mühldorf – Freilassing) für fünf Jahre verlängert werden. »Ab dem 11. Dezember 2022 wird die Strecke Traunstein – Ruhpolding nicht mehr durch die Südostbayernbahn betrieben. Mit dem neuen Betreiber Bayerische Oberlandbahn GmbH (BRB) stehen wir derzeit in Verhandlungen über eine Fortführung der kostenlosen Fahrradmitnahme zwischen Traunstein und Ruhpolding. Diese stehen kurz vor dem Abschluss,« erläuterte der stellvertretende Landrat.

Außerdem konnte ein Angebot der BRB erreicht werden, wonach die kostenfreie Fahrradmitnahme zwischen Übersee und Teisendorf in einem zweijährigen Pilotprojekt im Zeitraum vom 11. Dezember 2022 bis 14. Dezember 2024 erprobt werde. Zwischen Teisendorf und Salzburg sowie zwischen Bad Endorf und Obing können Fahrräder bereits unentgeltlich mitgenommen werden: »Vorbehaltlich des Vertragsabschlusses mit der BRB werden also alle Nahverkehrszüge im Landkreis ab Dezember 2022 für mindestens zwei Jahre eine kostenlose Fahrradmitnahme anbieten«, zeigte sich Konhäuser erfreut.

Andreas Füssel (AfD) fragte nach der finanziellen Auswirkung des Angebots für den Landkreis. »Ab 2023 sprechen wir von einem Gesamtkostenrahmen für alle genannten Strecken von ungefähr 60.000 Euro im Jahr«, lautete die Antwort von Sachgebietsleiter Sebastian Schallinger. »Natürlich haben wir über das Pilotprojekt hinaus die Hoffnung, dass die kostenlose Fahrradmitnahme möglich bleibt.«

Wie die Fahrradmitnahme im Fall von Schienenersatzverkehr (SEV) geregelt sei, wollte Anna Marx (CSU) wissen. Schallinger teilte mit, dass vertraglich diesbezüglich nichts festgehalten sei. »Wir müssen da wahrscheinlich darauf hoffen, dass sich der SEV in Grenzen hält. Ich denke, dass es für die Busfahrer auch gar nicht so einfach wäre, da sie den Bus nicht verlassen dürfen und man mit Radanhängern arbeiten müsste. Dieser enorme organisatorische Aufwand ist in dem Rahmen also nicht gewährleistet.«

Andreas Füssel erkundigte sich, ob für das Fahrrad immer ein extra Ticket zu ziehen sei. Dazu Sebastian Schallinger: »Für gewisse Teilstrecken ist das bestimmt der Fall, pauschal ist das jedoch schwierig zu beantworten. In vielen Bereichen haben wir ja schon die kostenlose Fahrradmitnahme, die auch mit dem 9-Euro-Ticket gewährleistet sein müsste. Das gilt allerdings nur für die Streckenbereiche und mit den Betreibern, mit denen entsprechende Vereinbarungen bestehen.«

JuC

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