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Blutspuren überführten letztlich 27-Jährigen

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Traunstein – Eine Speichelprobe im Zug anderer polizeilicher Ermittlungen brachte es an den Tag: Ein 27-jähriger Traunreuter war verantwortlich für zwei Einbrüche in Traunreut. Beim Überklettern eines Zauns hatte er sich verletzt. Die verräterischen Blutspuren konnten ihm erst wesentlich später zugeordnet werden. Gestern bekam der Mann die Quittung vom Amtsgericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott: Zehn Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, wegen versuchten und vollendeten Diebstahls und wegen zweifacher Sachbeschädigung. Als Bewährungsauflage muss der 27-Jährige 1500 Euro in monatlichen Raten zu je 100 Euro zahlen.


Der Angeklagte mit kasachischen Wurzeln, ohne Verteidiger erschienen, zog sich gestern auf sein Schweigerecht zurück. Zum Tathergang gab er einzig an, er sei damals betrunken gewesen und wisse nichts mehr. Staatsanwalt Thomas Wüst warf dem gelernten Mechaniker vor, in der Nacht zum 19. Februar 2015 auf Diebeszug gegangen zu sein. Der erste Versuch, an einem Getränkemarkt in der Trostberger Straße eine drei Meter hohe Umzäunung mit Stacheldraht zu überwinden, scheiterte. Erst im zweiten Anlauf gelangte der Täter auf das Firmengelände, wo er sich vom Leergutbereich aus Zugang zu den Geschäftsräumen verschaffen wollte. Das Vorhaben scheiterte, weil lediglich eine Scheibe in der Eingangstüre zersplitterte. Der Täter zog sich zurück und nahm einen Schirmständer mit. Damit begab er sich in die nahe BayWa-Tankstelle, um dort Beute zu machen. Die Türe hielt dem Schlag mit dem Schirmständer stand. Nur ein Loch war zu sehen. Dabei sprang allerdings die Alarmanlage an. Der glücklose Einbrecher flüchtete und hinterließ an beiden Gebäuden einen Gesamtsachschaden von über 4800 Euro.

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Blutspuren am Schirmständer

Auf den Alarm in der BayWa gegen 5 Uhr morgens hin fuhr eine Streife der Nachtschicht los und entdeckte den Schirmständer mit Blutspuren daran, wie ein 47-jähriger Beamter der Polizeistation Traunreut gestern schilderte. Die Frühschicht übernahm den Fall. Ein 29-jähriger Polizist berichtete von zwei weiteren Blutspuren an dem Zaun und an einer Scheibe. Der Weg des Einbrechers war gut nachzuvollziehen, nicht zuletzt aufgrund der Spuren im Schnee. Das Blutmaterial wurde gesichert und zur DNA-Untersuchung eingeschickt. Das Ergebnis war: Alle Spuren stammten vom selben Mann.

Einen Namen zum Täter hatten die Ermittler allerdings noch nicht, waren dessen Gen-Merkmale nicht in der zentralen Datei gespeichert. Weiter halfen später Kollegen der Kripo Traunstein, die dem 27-Jährigen bei anderer Gelegenheit einen Mundhöhlenabstrich abnahmen. Der Abgleich im Computer warf einen Treffer aus. Dazu Richter Wolfgang Ott an den Angeklagten: »Unter einer Billion Menschen haben nur zwei die gleichen Merkmale. Waren es nicht doch Sie?« Der 27-Jährige berief sich ohne nähere Angaben auf fehlende Erinnerungen wegen Alkohols und beteuerte, nichts mehr zu trinken, seit er wieder eine feste Arbeit habe.

Der Richter entgegnete: »So betrunken können Sie damals nicht gewesen sein, wenn Sie über den hohen Zaun klettern können. Wenn man total betrunken ist, schafft man das nicht.«

»Kein erfahrener Profieinbrecher«

»Keinen Zweifel an der Täterschaft« hatte Staatsanwalt Thomas Wüst. Er plädierte auf eine Freiheitsstrafe von elf Monaten mit dreieinhalbjähriger Bewährungszeit. Der Sachschaden sei erheblich. Mit der Tatausführung habe der 27-Jährige bewiesen, »dass er kein erfahrener Profieinbrecher ist«. Der Traunreuter habe »eine Chance verdient«. Mit dem unbefristeten Arbeitsverhältnis habe er einen guten Schritt gemacht. Der Angeklagte bat zu seiner Verteidigung und im »letzten Wort« nur: »Ich möchte hier weiter arbeiten und ein normales Leben führen.«

Die Beweislage mit dem eindeutigen DNA-Gutachten ließ, wie das Gericht im Urteil betonte, nur einen Schluss zu: »Der Angeklagte war der Täter.« Richter Wolfgang Ott warnte den 27-Jährigen vor weiteren Straftaten in den nächsten drei Jahren. Dann riskiere er neben einer neuen Strafe den Widerruf der jetzigen zehn Monate. Der Traunreuter nickte mit ernstem Gesicht. kd