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Blut, Feuer und heimtückische Machenschaften

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Da war die Welt noch in Ordnung: Der greise Heinz vom Stein (Martin Huber) beantwortete geduldig die Fragen der Kinder und erzählte ihnen seine bewegte Lebensgeschichte. (Fotos: H. Eder)

Traunreut. Die »Saujagd«, wie sich die Steiner Spiele 2014 nennen, ist eröffnet. Inmitten der grandiosen Kulisse des Steiner Hochschlosses, umrahmt von zahlreichen eigens dafür erstellten Holzbauten, erlebten die Besucher auf der nur mäßig gefüllten Tribüne die, wie das Programmheft lehrt, »Rückkehr des Bösen auf den Stein« – und das, während schon alles für eine Hochzeit vorbereitet ist. Und in der Tat: Den Zuschauer erwartete ein böses Spiel, manch ein Protagonist lässt da wirklich »die Sau raus« – heimtückisch und skrupellos.


Zunächst aber reibt sich der Kenner der Steinschen Legende die Augen. Jeder, der die alten Geschichten kennt und die Steiner Spiele der Anfangsjahre besucht hat, irgendwann seit dem Auftakt im Jahr 1987, hätte schwören können, dass der verbitterte, wilde Raubritter Heinz vom Stein bei jenem Überfall seiner vereinigten Feinde auf der Steiner Burg umgekommen ist, mit ihm auch sein Sohn Siegfried.

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Ein Missverständnis der historischen Überlieferung?

Das muss aber dann doch wohl ein Missverständnis in der historischen Überlieferung gewesen sein: Denn der geneigte Besucher der Premiere der Steiner Spiele erlebte einen zwar alt gewordenen, aber gleichwohl noch rüstigen Heinz, wie er im Burghof im Kreise kleiner Kinder saß, geduldig ihre Fragen beantwortete und ihnen seine bewegte Lebensgeschichte erzählte. Und der Siegfried: Ja, auch der hat damals offenbar überlebt, es aber dann doch nicht mehr ins Spiel geschafft: Unglückseligerweise kam er bei einer Saujagd vor nicht allzu langer Zeit ums Leben.

Wer damals aber – nach unbestrittener »Überlieferung« – am Leben blieb, das ist die einst von Heinz von Stein geraubte Waltraud (Christine Mußner), die plötzlich aber – nach besagter Saujagd und damit endgültig – ohne ihren Siegfried da stand. Ein Kandidat für die Nachfolge ward zwischenzeitlich aber gefunden, ein Sohn der auf Baumburg ansässigen Dynastie der Ortenburger, Rapoto mit Namen. Der wurde zu Beginn des Spiels, die Hochzeitstafel war längst vorbereitet, ungeduldig erwartet, der Progader (Randolf Schirmer) bekam vor lauter Stress beinahe den Drehwurm. Aber als der Hochzeiter dann endlich kam, kam er nicht wirklich. Denn, wie sich nach und nach herausstellte, war der scheinbare Bräutigam in Wirklichkeit Rapotos Zwillingsbruder Heinrich (Toni Stadelmann). Und mit ihm kam auch die traurige Nachricht, dass Rapoto erhängt aufgefunden worden ist.

Damit war’s auch schon vorbei mit der Idylle auf dem Hochschloss. Die Frage nach dem Schuldigen – denn Rapoto hatte sich nicht selber umgebracht, sondern war erhängt worden – verbreitete eine Atmosphäre des Misstrauens. Da kam als möglicher Täter der »böse« Zwillingsbruder Heinrich in Frage, aber auch der etwas zurückgebliebene Halbbruder Eduard (Korbinian Forster) und ihr Vater, der alte Ortenburger (Thomas Breu), spielten ebenfalls etwas undurchsichtige Rollen.

Von Herzen unsympathisch dargestellt

Und mittendrin stand die arme Waltraud, die nun eigentlich zwar ohne Bräutigam war, mit immer mehr Druck aber dazu gedrängt wurde, da nun schon alles für eine Hochzeit vorbereitet war, doch den – von ihr verabscheuten – Zwillingsbruder zu heiraten, den Toni Stadelmann so von Herzen unsympathisch darstellte.

Heinrich verstand es zwischendurch, den Verdacht für Rapotos Tod auf den armen Eduard zu lenken, der sich nicht wehren konnte. Das versammelte Gesinde ließ sich von den Verdächtigungen mitziehen, und so wurde Eduard in den Turm gesperrt, der dann – eine eindrucksvolle Schauspielszene – kurz danach lichterloh brannte, und mit ihm auch Eduard. Damit schien Rapotos Tod nicht nur geklärt, sondern auch gesühnt.

Diese eh schon ausreichend großen Probleme im Inneren wurden noch durch einen Einfall von außen verschärft. Die Salzburger hatten sich in den Kopf gesetzt, nach so langer Zeit den Heinz, den man jenseits der Salzach ebenfalls lange für tot gehalten hatte, doch noch zur Rechenschaft zu ziehen für seine Schandtaten. So schaffte man es gerade noch mit vereinten Kräften, die wenig romantische Hochzeitszeremonie durchzuziehen, ehe dann endgültig das Chaos ausbrach.

Den Heinrich ereilten in einer Art Fieberanfall mächtige Gewissensbisse, noch gefördert durch einen immer wieder sprunghaft auftauchenden Geist mit prächtiger Maske, gespielt von Kirsten Benekam. Und Heinrichs zunehmende Verwirrung ging einher mit immer größerer Gewaltbereitschaft. Weitere Einzelheiten sollen hier nicht mehr verraten werden. Jedenfalls floss gegen Schluss das Blut in Strömen – und wer sich insgeheim noch eine Wendung zum Guten, eine Strafe für die Bösen oder zumindest eine gewisse Wiederherstellung von Gerechtigkeit erwartet hatte, musste enttäuscht nach Hause gehen.

Düsterer Gesamteindruck mit witzigen Einlagen

Bei all diesem doch recht düsteren Eindruck des Gesamtgeschehens gab es aber immer wieder witzige Einlagen, die das Spiel erfreulich auflockerten. Hauptgaranten dafür waren zum einen die Torwächter Walther und Wolfram (Florian Holzner und Peter Formanek), die mit ihren witzigen Zankereien und Albernheiten für manches Schmunzeln sorgten.

Eine amüsante Rolle spielte auch der Burgpfaff (Georg Mayer); dieser Berufsstand kommt bei den Steiner Spielen schon traditionell immer etwas schlecht weg. Der aktuelle Vertreter verschwand immer wieder schnell von der Bühne und musste dann, wenn man ihn brauchte, stets aus unzweideutigen Situationen aus dem Heu geholt werden. Und was wären schließlich die Steiner Spiele, wenn nicht der »Woidl« alias Günter Reiter das Stück mit seiner Trompete und seinen altbekannten Sprüchen eröffnen (»O´geh tuat´«s!«) und beschließen würde: »Das Spiel ist aus!« he