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Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg bei Preising?

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Franz Niedl, der am heutigen Freitag 80 Jahre alt wird, in dem kleinen Krater, den die Bombe in den weichen Waldboden bei Preising gerissen hat.

Traunstein – In einem dichten Unterholz bei Preising schlummert knapp unter der Erdoberfläche eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem 2. Weltkrieg. Davon ist Franz Niedl überzeugt, der zeitlebens in Preising daheim ist und als zehnjähriger Bub gesehen hat, wie amerikanische Bomber hier ihre todbringende Last abgeladen haben, um Ballast für den Heimflug loszuwerden.


Als er vor etwa 25 Jahren beim Schwammerlsuchen ganz in der Nähe des kleinen Bombenkraters einen Sondengeher beobachtete, sprach er diesen an und führte ihn zum mutmaßlichen Bombenkrater. Der Metalldetektor sprach an der Stelle heftig an, woraufhin Niedl die Polizei verständigte. Seither ist nichts geschehen. Von der Polizei hat er nach eigenen Angaben danach nichts mehr gehört.

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Als er kürzlich Besuch von der Polizei bekam, die routinegemäß die sachgerechte Unterbringung seiner Waffen überprüfte (Niedl ist aktiver Schütze bei der FSG Traunstein), erinnerte er sich an die Bombe und erzählte die Geschichte den beiden Beamten. »Ich habe halt geglaubt, dass jetzt was geschieht.« Doch noch ist nichts geschehen, die von Niedl vermutete Bombe schlummert noch immer im weichen Waldboden, der wohl auch verhindert hat, dass der Aufschlagzünder sie zur Explosion gebracht hat.

Durch dichtes Unterholz muss man sich Schritt für Schritt vorarbeiten, um die betreffende Stelle zu erreichen. Der fast undurchdringliche Jungwald wächst im Schutz großer Lärchen auf, die hier kurz nach Kriegsende gepflanzt wurden und die in den sieben Jahrzehnten seither zu imposanter Größe herangewachsen sind. Franz Niedl orientiert sich kurz – noch ein paar Schritte, dann sieht man den kleinen Krater im Waldboden. Er nimmt sein Pendel und ein Stück Metall und lässt es über die Stelle kreisen. Er ist geprüfter Rutengänger, erzählt Niedl. 1994 habe er die betreffende Prüfung in Franken abgelegt und habe seither schon auf vielerlei Art mit den erworbenen Fähigkeiten Menschen vor Strahlung verschiedenster Art schützen können.

Von Süden her seien die Bomber gekommen; er war damals, im April 1945, knapp zehn Jahre alt (am heutigen Freitag feiert er seinen 80. Geburtstag). Im Wald nahe Buchfelln sei eine Bombe explodiert, eine andere hinter dem Gasthaus Auer Wirt an der Bundesstraße zwischen Thannreit und Surberg. Eine Dritte habe neben dem Grundbach einen Krater gerissen, der inzwischen zu einem Weiher verwachsen ist. Die hier hat nur einen kleinen Krater gerissen und die Erde daraus hat neben der Vertiefung einen kleinen Erdhaufen gebildet, den man noch gut erkennen kann.

»Würde hier der Bürgermeister wohnen, wäre die Bombe schon längst entschärft und beseitigt«, ist Niedl überzeugt. Er habe keine Angst; aber man wisse ja nie, welch dummer Zufall einmal dazu führen kann, dass jemand durch den brisanten Bodenfund zu Schaden kommt. »Die Bombe gehört weg«, betont Niedl. Die Polizisten hätten ihm neulich jedenfalls versichert, die Angelegenheit werde überprüft. Ob das wieder 25 Jahre dauert, wird sich zeigen. -K.O.-