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Blechdach statt Foliendach für die Grundschule Haslach

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Dringend saniert werden muss das Dach der Grundschule Haslach. Finanzausschuss und Stadtrat entschieden sich für ein neues Blechdach statt eines Foliendachs.

Traunstein – »Ein Blechdach ist halt ein Blechdach«, brachte Stadtrat Josef Kaiser (UW) seine Meinung zur Sanierung des Dachs der Grundschule Haslach schon in der Sitzung des Finanzausschusses auf den Punkt (wir berichteten). Und letztlich schloss sich dieser Meinung sowohl die Mehrheit des Ausschusses, als auch letztlich die Mehrheit des Stadtrats an.


Das etwa 1250 Quadratmeter große Dach wurde 1992 als »Kaltdach« gebaut. In den vergangenen Jahren mussten immer wieder Schäden repariert werden. Mit Blick auf eine unvermeidliche baldige Sanierung wurden schadhafte Stellen zuletzt nur provisorisch ausgebessert.

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Dachsanierung im Sommer vorgesehen

Das Architekturbüro Wimmer aus Rosenheim wurde beauftragt, die Dachsanierung zu planen und im Sommer 2017 umzusetzen. Dem Büro zufolge wurde das Dach ohne wirklich effiziente Dampfsperre gebaut. Aufgrund sehr langer Sparren und der flachen Neigung konnte sich keine wirksame Luftzirkulation einstellen. Folgen sind unter anderem Rostfraß, durchfeuchtete Wärmedämmungen, starke Verwitterung von Hölzern des Vordachs und Vermorschung in Dachbereichen.

Auch die blinden, teilweise mit Wasser vollgelaufenen Isolierglasscheiben auf veralteten Profilsystemen bieten nur noch eingeschränkt Widerstand gegen Kälte und Hitze. Kondenswasser hinterlasst Schlieren an der Holzkonstruktion. Mehrere motorbetriebene Klappen der Rauchabzüge sind inzwischen ausgefallen und aus brandschutzrechtlichen Gründen zu erneuern.

Das Büro schlug drei Sanierungsvarianten vor. Variante eins wäre der Einbau einer wasser-/dampfdichten Ebene und darauf der Neubau der Konstruktion fast wie vorher. Diese Lösung sei nicht erstrebenswert. Die Luftzirkulation sei nur mit Aufwand zu verbessern, bleibe aber nicht optimal. Auch die Optik sei eher unvorteilhaft. Die Kosten wurden auf rund 463 000 Euro geschätzt.

Variante zwei wäre ein neuer Dachaufbau als »Warmdach« mit Dampfsperre und aluminiumkaschierten Sandwichelementen aus hochisolierendem Polyiso-Hartschaum, Holzwerkstoffplatten und darauf einer Deckung aus Edelstahl.

Harte Dachschale ist die wirtschaftlichere Lösung

Vorteile wären eine deutliche Verbesserung des Wärmeschutzes und die Gewichtseinsparung. Die harte Dachschale sei robust gegen mechanische Witterungseinflüsse und langlebig, hieß es. Trotz der geringfügigen Mehrkosten – der Ansatz lag bei rund 476 000 Euro – kam das Büro zu dem Schluss, diese sei die optimale und eindeutig wirtschaftlichere Lösung.

Variante drei sei vergleichbar mit Variante zwei, jedoch mit Foliendach. Sie biete eine Verbesserung der Wärmedämmung wie Variante zwei, jedoch eine etwas schlechtere Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Beanspruchung. Sie sei optisch nicht ansprechend, aber die günstigste Variante mit rund 430 000 Euro.

Variante eins fand die Verwaltung nicht zufriedenstellend. Die Variante zwei vereine Wirtschaftlichkeit, Langlebigkeit und Gestaltung. Variante drei sei die günstige Lösung, bedeute aber gestalterische Defizite wegen der einheitlichen Dachfläche ohne Strukturierung. »Es wird empfohlen, die Variante zwei weiter zu planen«, so die Verwaltung.

Das Foliendach halte Hagel durchaus stand, sagte Richard Hagenauer vom Technischen Bauamt der Stadt auf Nachfrage im Finanzausschuss. »Natürlich wäre ein Blechdach noch stabiler, aber für uns war der wesentliche Aspekt die Optik«. Seinem Appell, den rund 40 000 Euro Mehrkosten zuzustimmen, um eine »optisch schöne Lösung auf Jahre hinaus« zu erhalten, hielt Wilfried Schott (Grüne) entgegen: »Bei der Haushaltslage sollten wir schon gut überlegen, ob wir bei 46 000 Euro Mehrkosten nicht doch Variante drei nehmen.«

»Dann mach ich's gleich gescheit und ordentlich«

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner fragte nochmals nach der Sicherheit des Daches: »Mit diesem Dach haben wir schon so viel Ärger gehabt, da sag ich schon, wenn ich eh so viel Geld in die Hand nehme, mach ich's gleich gescheit und ordentlich.« Dem entgegnete Hagenauer: »Das kann ich nicht sagen, dass es das nicht aushält. Die Fläche macht halt den Unterschied. Hagel oder kleine Steine sind sicher kein Problem. Ein Cutter wäre schon ein Problem.«

»So sehr ich für Einsparungen bin, ein Blech ist halt ein Blech, eine Folie ist halt nur eine Folie. Die Optik ist da nicht entscheidend«, brachte Josef Kaiser auf den Punkt, was offenbar auch viele andere dachten. Letztlich stimmten im Finanzausschuss acht Mitglieder dafür, Wilfried Schott stimmte als einziger dagegen. Im Stadtrat fiel die Entscheidung für Variante zwei schließlich ohne Diskussion mit einer Mehrheit von 21 zu vier Stimmen. coho