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Bisher erfolgreichste Chiemgauer Medienwochen

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Digital-Journalist Richard Gutjahr hielt bei der Eröffnungsveranstaltung einen viel beachteten Vortrag mit der Forderung nach digitaler Empathie.

Traunstein – Der generelle Umgang mit der Veränderung der Medienwelt stand bei den Chiemgauer Medienwochen 2019 im Fokus. Die Veranstaltungsreihe des Landkreises Traunstein und Q3 Quartier für Medien, Bildung, Abenteuer sowie einer Reihe von Kooperationspartnern ist nach fast vier Wochen zu Ende gegangen – mit einer beeindruckenden Bilanz: 1600 Teilnehmer kamen zu den Workshops, Vorträgen, Diskussionsrunden und Seminaren. „Wir sind zeitweise ausgebucht gewesen“, so Q3-Geschäftsführer Danilo Dietsch. „Uns fällt deutlich auf, wie das Interesse der Bürger in den vergangenen Jahren gestiegen ist.“


Eröffnungsveranstaltung: „Mitreißender Vortrag“

Schon mit der Eröffnungsveranstaltung legten die Organisationen einen viel gelobten Start hin. Mit Richard Gutjahr hielt einer der bekanntesten deutschen Digital-Journalisten das Hauptreferat – mit ziemlich eindeutigen Einblicken, wie negativ er die Online-Medien schon am eigenen Leib erleben musste. Nur wer „digitale Empathie“ an den Tag lege, könne verhindern, dass sich Online-Diskussionen in eine gegenteilige Richtung verselbstständigen, gab Gutjahr den Zuhörern mit auf den Weg. „Das war ein mitreißender Vortrag, der das Publikum enorm berührt hat. Wir haben wahnsinnig viele Rückmeldungen bekommen“, so Kreisjugendpfleger Stefan Dufter, der gemeinsam mit Dietsch federführend die Organisation der Chiemgauer Medienwochen übernahm.

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Ein Schwerpunkt lag auf dem Bereich der Schulprojekte. Lehrer konnten ihre Klassen für verschiedene Projekte anmelden: Es gab Vormittage, an denen der Umgang mit Datenschutz im Mittelpunkt stand oder Workshops zu den Themen 3D-Druck, Programmieren, Fotografieren oder Trickfilme.

Die Schüler erfuhren außerdem, wie sie mit Fake-News und Whatsapp-Mobbing umgehen sollten. Die Medienpädagogen leisteten vielfach Sensibilisierungsarbeit im sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten. Einige Projekte wirken auch über die Medienwochen hinaus: So ist der Hort Trostberg nach einer erfolgreichen Beteiligung am Foto-Workshop zur Preisverleihung des Oberbayerischen Kinderfotopreises des Bezirksjugendrings nach München eingeladen. Auch für die Trickfilmtage im Juli im Stadtkino Trostberg haben sich bereits Schulklassen qualifiziert.

Mehrere Veranstaltungen gab es zum Thema Radio: So gastierte an der Realschule Traunreut in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum Traunreut das „Radio BUH Schulhofradio“. Der heimische Radiosender übernahm auch die Übertragung der Diskussionsrunde über Medien und Glaube und des BLM-Schulradiotags am Campus St. Michael. Letzterer fand wie im vorigen Jahr wieder in Traunstein statt. Der Schulradiotag war ausgebucht – 100 Schüler produzierten mit Hilfe von Profis der umliegenden Lokalradiosender eine komplette Radiosendung mit Moderation, Beiträgen, Nachrichten und Musik. Die bayerische Landeszentrale für neue Medien veranstaltet einen von bayernweit zwei Schulradiotagen bewusst in der großen Kreisstadt und damit im ländlichen Raum: Die Verantwortlichen haben erkannt, dass hier bei der Medienbildung wegweisend vorgegangen wird.

Landrat Walch: Digitale Bildung und Knowhow Schlüsselfaktoren für die Region

Ein weiterer Beleg dafür ist das überregionale Interesse an den Chiemgauer Medienwochen: Institutionen wie das Mediennetzwerk Bayern, die Staatsinstitute für Schulqualität und Bildungsforschung sowie für Frühpädagogik beteiligten sich an der Veranstaltungsreihe. Für literarische Akzente sorgten die Stadtbücherei Traunstein und die Chiemgau Autoren. Großes Interesse gab es auch an den Workshops zu 360-Grad-Fotografie und 3D-Druck im BayernLab Traunstein. Wie einige andere Organisationen hat beispielsweise der Verband Popkultur Bayern bereits zugesagt, auch im kommenden Jahr einen Workshop anzubieten.

Landrat Siegfried Walch gab im Zuge des großen Erfolgs grünes Licht, die Medienwochen auch 2020 durchzuführen. Digitale Bildung und das entsprechende Knowhow sieht Walch als Schlüsselfaktoren für die Region – und für die gesamte Gesellschaft. „Deshalb ist es wichtig, dass Menschen kompetent, kritisch, kreativ und konstruktiv damit umgehen. Das schließt lebenslanges Lernen mit ein“, so der Landrat.

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Landrat Siegfried Walch sieht digitale Bildung und das entsprechende Knowhow als Schlüsselfaktoren für die Region und die gesamte Gesellschaft.

Jede Generation im Umgang mit Digitalisierung und Medien sensibilisieren

„Wichtig ist, dass die ältere Generation ihr Wissen über moderne Medien vertieft und im Umgang der jüngeren Generation mit gutem Beispiel voran geht“, so Kreisjugendpfleger Stefan Dufter. Das Bewusstsein ist da, das beweisen die gut besuchten Abendveranstaltungen. Am Misstrauen dürfe sich wohl noch etwas tun: Zum Beispiel erklärte Tom Weinert, Referent des Polizeipräsidiums München, den verdutzten Eltern in der vollbesetzten Aula des Annette-Kolb-Gymnasiums Traunstein, dass Hacker sogar fähig sind, Daten über vernetzte Kühlschränke und Küchengeräte zu stehlen. Die Sprachsteuerung eines Smartphones sei außerdem nur dann frei von Datenlecks, wenn der Nutzer die Einstellungen auch richtig vornimmt. Wie groß der Bedarf an digitaler Nachhilfe vor allem unter älteren Landkreisbürgern ist, zeigten die Smartphone-Kurse für Späteinsteiger: Die Serie in Traunreut wird fortgesetzt und ist bereits bis zum Herbst ausgebucht.

Nachholbedarf bei Digitalwissen unter Lehrkräften

Als Multiplikatoren übernehmen vor allem Lehrer eine wichtige Rolle: Die Fortbildungen im Rahmen der Medienwochen waren – bis auf die Workshops für die Trickfilm-Schulprojekte – nicht besonders gut besucht. Auffallend war zudem, dass hauptsächlich Lehrer von außerhalb des Chiemgaus teilnahmen. Wenn es um Medienrecht, -bildung und -pädagogik geht, sei die Zurückhaltung der Lehrkräfte noch spürbar, so Danilo Dietsch.
Wäre eine Teilnahmepflicht die Lösung? Der Medienpädagoge sieht zumindest dringendem Nachholbedarf. „Unentwegt redet die Politik über digitale Bildung und den Digitalpakt. Da passt es nicht zusammen, dass die Veranstaltungen für Lehrer am schlechtesten besucht waren.“ Er müsse in Gesprächen mit Pädagogen immer wieder feststellen, dass sie über digitale Themen zu wenig Bescheid wissen.

Deshalb wird es dazu weiterhin Veranstaltungen geben – auch im Zeichen der Digitalen Bildungsregion Traunstein, die im Mai gestartet wird: Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises Traunstein wird das in den Medienwochen etablierte „Campus Date“ zu einer regelmäßigen Veranstaltungsreihe, an der Lehrkräfte, Jugendleiter und andere Multiplikatoren ihr Wissen über digitale Bildung austauschen und vertiefen können. Das nächste Campus Date wird am 6. Juni im Campus St. Michael stattfinden. Außerdem bieten Q3 und die Caritas Traunstein auch nach den Medienwochen die Möglichkeit, Infoveranstaltungen an Schulen, Kindergärten und Jugendeinrichtungen durchzuführen.

Die Vorbereitung der Chiemgauer Medienwochen 2020 hat bereits begonnen. Bei Q3 in Traunstein wird in diesem Zuge ab Oktober eine Stelle im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes geschaffen, deren Schwerpunkt die Mitgestaltung der nächsten Medienwochen sein wird. Nähere Informationen gibt es bei Danilo Dietsch unter Telefon 0861/909 516 20.