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Bischofswiesen verzichtet auf eigenen Flächen auf Pestizide

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Im Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden sieht die Gemeinde Bischofswiesen kein Problem. Lediglich um den Sportplatz am Riedherrn sorgt man sich ein wenig. Dort könnte ein Schädlingsbefall den Rasenplatz schnell zerstören. (Foto: Wechslinger)

Bischofswiesen – Die Gemeinde Bischofswiesen wird künftig im eigenen Wirkungskreis keine Pestizide, also chemische Mittel zur Bekämpfung tierischer Schädlinge, mehr einsetzen. Viel wird sich damit gegenüber der bisherigen Praxis zwar nicht ändern, aber der Gemeinderat wollte mit seinem Beschluss vom Dienstag ein Zeichen setzen. Drei CSU-Gemeinderäte stimmten dagegen. Die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und Freien Wählern hatten den entsprechenden Antrag gemeinsam eingereicht. Der Einsatz von Totalherbiziden und Pestiziden stehe im Widerspruch zu den Zielen, die von der Deutschen UNESCO-Kommission für Biosphären formuliert sind, heißt es im Antrag. Darin werde unter anderem der Umstieg auf eine ökologisch verträgliche Land- und Forstwirtschaft gefordert.

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Dass die Gemeindeverwaltung keine Einwände gegen einen solchen Beschluss habe, sagte Geschäftsleiter Rupert Walch. »Ohnehin werden im gemeindlichen Bauhof seit Jahren keine Herbizide und Pestizide mehr benutzt«, sagte Walch. Nur einmal habe der Einsatz biologischer Mittel zur Schädlingsbekämpfung auf dem Sportplatz Riedherrn nicht funktioniert und man habe Pestizide verwenden müssen. »Wenn wieder einmal ein solcher Fall eintreten sollte, dann muss halt der Gemeinderat entscheiden«, schlug Walch vor. Die Bauhofmitarbeiter sehen laut Geschäftsleiter jedenfalls kein Problem, wenn sie generell auf den Einsatz von Pestiziden verzichten müssen.

Schnell wurde im Laufe der Diskussion klar, dass sich die meisten Gemeinderäte über das Internet mit dem schwierigen Thema vertraut gemacht hatten. So auch Michael Lichtmannegger (CSU), für den »ein generelles Verbot aller Pestizide weit über das Ziel hinausschießt«. Schließlich gebe es Akarizide gegen Spinnen, Avizide gegen Vögel, Bakterizide gegen Bakterien, Fungizide gegen Pilze, Algizide gegen Algen, Rodentizide gegen Nagetiere und viele, viele andere. »Wenn es einen entsprechenden Schädlingsbefall gibt, dann wird es für den Landwirt schwierig«, sagte Lichtmannegger. Er stellte deshalb den Geschäftsordnungsantrag, den Beschluss »auf Herbizide herunterzubrechen«. Dann würde man lediglich keine chemischen Mittel gegen Pflanzen mehr verwenden. Lichtmannegger: »Das Wort Pestizide ist ein negativ belegter Begriff. Vieles daran ist aber auch gut.«

Das sah 2. Bürgermeister Thomas Resch, der den Antrag mit eingereicht hatte, anders. Er verwies auf den EU-Beschluss von 2017, mit dem das als krebserregend geltende Glyphosat weitere fünf Jahre verwendet werden dürfe. »Das ist ein Skandal«, schimpfte Resch. Ihm sei bewusst, dass gerade der Bauhof sehr zurückhaltend mit dem Einsatz von Pestiziden umgehe. »Aber wir können damit ein klares Zeichen setzen.« Immerhin sei der Giftstoff bereits in die Böden und ins Trinkwasser eingedrungen, wenn auch nicht in Bischofswiesen. »Sogar im menschlichen Urin hat man Pestizide bereits nachgewiesen«, gab Resch zu bedenken.

»Von oben passiert ja nichts, deshalb müssen wir als Gemeinde jetzt handeln«, sagte Marlies Moderegger (Grüne). Sie kennt nach eigenen Aussagen Biobauern, »die schon lange ohne Pestizide auskommen«. Bürgermeister Thomas Weber betonte aber, dass man den Bürgern hier keine Vorschriften machen wolle. Allerdings hoffe man, dass möglichst viele Gemeindebürger nachziehen, wenn die Gemeinde keine Pestizide mehr verwendet.

Skeptisch zeigten sich Bernhard Heitauer und Simon Schwaiger (beide CSU). Heitauer wünschte sich eine weitere Diskussion darüber in nicht öffentlicher Sitzung, was der Gemeinderat mehrheitlich ablehnte. Simon Schwaiger ist zwar für den Verzicht von Totalherbiziden. »Der Verzicht auf jegliche Spritzmittel ist aber fast nicht haltbar.«

Nach längerer Diskussion stimmte der Gemeinderat dem Antrag von Bündnis 90/Die Grünen und Freien Wählern mehrheitlich zu. Bei der Verpachtung kommunaler Flächen für eine landwirtschaftliche Nutzung wird im Pachtvertrag künftig ein Verbot des Einsatzes von Pestiziden verankert. Die Gegenstimmen kamen von Michael Lichtmannegger, Bernhard Heitauer und Simon Schwaiger. Ulli Kastner