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Bis ins kleinste Detail stimmt alles

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Im Badezimmer des Puppenhauses gibt es sogar goldene Armaturen und die Figur darin ist über 60   Jahre alt. Sie stammt noch aus der Puppenstube, die Dörthe Sattler als Kind von ihrem Vater bekommen hatte. (Foto: Mix)

Traunreut – Dörthe Sattler hat in unzähligen Stunden Kleinarbeit ein ganzes Puppenhaus über vier Etagen mit Zimmern im alten Stil eingerichtet. Die Traunreuterin bastelt für ihr Leben gern. Sie hat mit ein paar Einzelteilen, die sie noch von ihrer Puppenstube aus der Kindheit übrig hatte, angefangen und immer mehr dazu gebaut.


Mit dem Biedermeierzimmer fing alles an. Da Dörthe Sattler schon immer gerne Handarbeiten und Basteleien gemacht hat und als alleinlebende Witwe auf der Suche nach Beschäftigung war, war sie auch Stammkundin in entsprechenden Geschäften für Bastelzubehör. Dort fand sie eines Tages einen Bausatz für dieses Biedermeierzimmer, das sie entsprechend der Anleitung zusammenbaute. Die einzelnen Möbelteile aus Holz mussten dabei ausgeschnitten und geschliffen, zusammengefügt und bemalt werden. Alle Schubladen und Türen können geöffnet werden, winzig kleine Verschlüsse und Türklinken mussten dazu angebracht werden. Die Arbeit an diesem ersten Zimmer machte der Traunreuterin so viel Spaß, dass sie Lust bekam, weiterzubauen.

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Sie erinnerte sich an alte Figuren und Einrichtungsgegenstände, die sie noch aus ihrer Kindheit hatte, als sie eine Puppenstube von ihrem Vater bekam. Nach und nach entstand daraufhin ein Zimmer nach dem anderen. Die Holzwände baute Dörthe Sattler eigenhändig zusammen. Sie verlegte den Fußboden, der je nach Zimmer aus echtem Parkett oder kleinen Fliesen besteht. Sie tapezierte und strich die Wände, nähte Vorhänge und verkabelte die Kronleuchter und Stehlampen, die alle richtig leuchten. In dem Haus stimmt wirklich jedes noch so kleine Detail. An den Fenstern an der Seitenwand sind kleine Blumenkästen angebracht, zwischen den Etagen gibt es eine Treppe und sogar eine Wendeltreppe ins ausgebaute Dachgeschoß, das sichtbar wird, wenn man das Dach hochklappt. Die Möbel hat Dörthe Sattler allesamt mit Bausätzen selber hergestellt, die Puppen hat sie zum großen Teil auch eigenhändig gemacht und angekleidet, einige bekam sie geschenkt. In einem Schrank stehen richtige kleine Bücher, die Kinder im Schulzimmer haben Ranzen und winzige Schulhefte. Die Modistin im untersten Geschoß hat eine ganze Reihe Hüte im Regal, die die Puppenhaus-Besitzerin selbst entworfen hat. Im danebenliegenden Kaufladen gibt es Gemüse, das sie aus Fimo gebastelt hat. In den einzelnen Zimmern liegen von Hand gewebte Teppiche. In der alten Küche gibt es Geschirr und Töpfe, die man im entsprechenden Versandhandel kaufen kann. Der aufmerksame Betrachter entdeckt immer wieder neue Kleinigkeiten.

Damit das Haus lebendig bleibt, stellt die Hausbesitzerin die Zimmer auch immer wieder mal um. Dann wird das Esszimmer zum Musikzimmer oder in der Weihnachtszeit steht ein Christbaum im Raum. Viele Stunden Arbeit stecken in dem großen Haus, darunter auch so manche Nachtstunden. »Wenn ich mal dabei bin, kann ich meistens nicht mehr aufhören, bis ein Teil fertig ist. Dann bin ich schon mal bis drei Uhr nachts dran gesessen«, erzählt Dörthe Sattler.

Man braucht für diese feine Arbeit eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl, Geduld und auch Einfallsreichtum. An all dem mangelt es Dörthe Sattler nicht. Ihr gehen die Ideen für Basteleien nicht aus. Sie hat schon zahlreiche schöne Dinge zum Verschenken hergestellt und bastelt leidenschaftlich, seit ihre Söhne klein waren. Nach Traunreut kam sie vor knapp 20 Jahren. Ihr Mann, der beim Bayerischen Rundfunk arbeitete, hatte bei Dreharbeiten in Pertenstein seine Liebe zum Chiemgau entdeckt und wollte seinen Lebensabend hier verbringen. Nachdem das Paar zehn Jahre lang regelmäßig in einer Ferienwohnung in Neudorf den Urlaub verbracht hatte, zog es mit Eintritt in die Rente des Mannes nach Traunreut. Er konnte jedoch seinen Ruhestand nicht lange gemeinsam genießen, verstarb schon nach kurzer Zeit und seine Frau war allein in der Stadt. Durch das Café Vergissmeinnicht, das sie regelmäßig besucht, sowie neue Nachbarn und Freunde fühlte sie sich jedoch rasch wohl in Traunreut. Mit der Bastelei hat sie außerdem eine abwechslungsreiche Freizeitbeschäftigung. Ihr Puppenhaus, auf das sie sichtlich stolz ist, wurde seit der Fertigstellung schon von zahlreichen Gästen bestaunt. mix