weather-image
24°

Biotonne kommt im Herbst

Trotz der neuen Biotonne sollen die Müllgebühren im Landkreis Traunstein nicht steigen.

Traunstein. Der Landkreis Traunstein bekommt eine separate Tonne für Bioabfall. Der Kreistag hat gestern bei fünf Gegenstimmen die Einführung der sogenannten Biotonne zum 1. Oktober beschlossen. Die Leerung der Tonne soll im 14-tägigen Wechsel mit der Restmülltonne erfolgen. In einer Vergärungsanlage beim Zweckverband Abfallverwertung Südostbayern (ZAS) in Burgkirchen wird der Bioabfall aus dem Landkreis Traunstein dann in Erdgas umgewandelt. Die Müllgebühren sollen sich laut Landrat Hermann Steinmaßl nicht erhöhen.


Künftig soll das kleinste Restmüllgefäß die 60-Liter-Tonne sein. Bisher war die kleinste Einheit die an eine Eigenkompostierung gebundene 40-Liter-Tonne. Wer sie bereits hat, darf sie weiter behalten. Haushalte mit Eigenkompostierung können sich auf Antrag von der Biotonne befreien lassen.

Anzeige

Umfangreiche Informationen waren der Abstimmung gestern vorausgegangen. Landrat Hermann Steinmaßl sprach von einer »richtungsweisenden Entscheidung«. Der Landkreis Traunstein habe seit jeher stark auf die Eigenverantwortung der Bürger gebaut, fast durchgängig, von der Restmülltonne abgesehen, auf ein »Bring-System« gesetzt: »Jetzt könnte die Zeit reif sein für ein zweites Hol-System in Form der Biotonne.«

Die Europäische Union fordere die verstärkte, getrennte Sammlung von Abfällen. Dem habe der deutsche Gesetzgeber Rechnung getragen. Demnach seien spätestens ab Anfang 2015 biogene Abfälle getrennt zu erfassen. Ein Paragraf des Kreislaufwirtschaftsgesetzes besage, die Umsetzung sei nur dann erforderlich, wenn sie »technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar« ist. Um diese unbestimmten Rechtsbegriffe zu füllen, habe der Landkreis eine Studie zur Biotonne anfertigen lassen. Ein Vertreter des Sachverständigenbüros, Werner Bauer, erläuterte daraus die wesentlichen Fakten.

In der Diskussion hob Karl Kaditzky, CSU-Fraktion, heraus, der Kreis verfüge seit Jahrzehnten über ein gut ausgebautes Wertstoffkonzept. In den achtziger Jahren habe er sich für ein Bring-System entschieden, die Eigenkompostierung von Bioabfällen bevorzugt. Heute gehe es um eine bessere Verwertung des biogenen Abfalls. Damit könne man eine positivere Energiebilanz erreichen.

An die alte Forderung der SPD nach einem Hol-System erinnerte Waltraud Wiesholer-Niederlöhner: »Wir freuen uns, dass man zu der Einsicht gekommen ist.« Sie trat für weiterhin mögliche Eigenkompostierung und deren Förderung für Mehrfamilienhäuser ein. Auf Frage der Kreisrätin nach den Gebühren erwiderte Landrat Steinmaßl, man werde die Gebührensatzung nicht ändern müssen. Die 40-Liter-Tonne sei »ein sehr teures Gefäß«, müsse doch ein Zwischenboden in ein größeres eingeschweißt werden. Deshalb werde sie abgeschafft. In der Gebührenkalkulation sei »so viel Luft, dass wir die Gebühren nicht verändern müssen«.

Helmut Kauer befürwortete seitens der ÖDP die Biotonne und die zentrale Einspeisung ins Erdgasnetz. Die Eigenkompostierung bezeichnete Kauer als »Methanschleuder«. Private Entsorger brachte Heinrich Wallner, Bayernpartei, auf das Tapet. Der Landrat antwortete: »Alles, was gewerblich ist, ist ein eigener Entsorgungsweg.« Zu propagieren, wie wertvoll Bioabfälle sind, regten Martin Czepan, Bündnis 90/Die Grünen, und Georg Huber, ÖDP, an. Mit dem Wegfall der 40-Liter-Tonne war Czepan nicht einverstanden.

Die Biotonne spaltete die Fraktionen

Als »nicht befriedigend« erachtete Markus Fröschl, CSU, die Biotonne. Sie koste Geld, sei »ökologisch fragwürdig« und bringe zusätzlichen Lkw-Verkehr zwischen der Umladestation Weiderting und dem ZAS in Burgkirchen. Außerdem habe der Landkreis Traunstein »eine Restmüllquote, die andere trotz Biotonne nicht erreicht haben«. Das neue Gesetz biete andere Möglichkeiten, um vernünftige Verwertung zu gewährleisten. Deshalb würden Karl Schleid und er nicht zustimmen.

Das Thema Biotonne spaltete die FW/UW-Fraktion. Fraktionssprecher Lothar Seissiger, grundsätzlich ein Befürworter der neuen Tonne, äußerte Bedenken gegen eine zweiwöchige Leerung – wegen Maden. Republikaner-Kreisrat Georg Scheitzeneder lehnte die Biotonne gänzlich ab. kd