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»Bingo spielen ist der absolute Renner«

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Waging am See – Bei der Jahreshauptversammlung des Waginger Fördervereins Seniorenheim St. Martin hat es viel Lob für die Ehrenamtlichen, aber auch für die Mitarbeiter gegeben. Dem Verein gehören inzwischen 382 Mitglieder an.


Das Seniorenheim ist eine kommunale Einrichtung und »jeder Waginger sollte es als ein Stück Eigentum ansehen«, sagte der Vorsitzende des Fördervereins, Hans Dandl. Der Förderverein unterstützt das Seniorenheim vor allem mit Spenden von Bürgern. »Der größte Teil kommt aus den Sterbefällen, wo die Angehörigen statt Blumen um eine Spende ans Seniorenheim bitten«, so Dandl.

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Auch spielt das enorme Engagement der Ehrenamtlichen eine sehr große Rolle. Regelmäßig werden im Haus Besuche abgestattet und sich um vielerlei Dinge gekümmert, um das Leben für die Bewohner so angenehm und unterhaltend wie möglich zu gestalten. »Wir dürfen die Kriegs- und Nachkriegsgeneration nicht vergessen, die unseren Wohlstand erst ermöglicht hat«, erklärte der Vorsitzende. Darum wünscht er sich, dass noch mehr für das Ehrenamt im Seniorenheim geworben wird, um damit die Unterstützung zu sichern, die über den sozialen Rahmen der Gesetze und der Gesellschaft hinausgehe.

Im vorigen Jahr gab's allerlei Ausflüge

Sepp Frank, Pflegedienstleiter des Seniorenheims Waging, berichtete über die Aktivitäten des vergangenen Jahres. Der Fasching fiel nicht so lustig aus, da der Norovirus im Heim sein »Spielchen« trieb. Dem großen Wunsch der männlichen Bewohner, mal einen »reinen« Männerausflug zu gestalten, kam die Heimleitung nach. Sie organisierte einen Ausflug nach Salzburg in den Hangar 7. Allerdings mussten trotzdem ein paar Frauen für die Begleitung mitfahren. »Ganz ohne Frauen geht's halt dann doch nicht«, schmunzelte Sepp Frank. Heuer dürfen die Männer ins Porsche-Museum.

Neben dem Maifest, Sommerfest, Geburtstagskaffee und der traditionellen Jahresgedenkandacht für die verstorbenen Bewohner war der Bewohnerausflug in den Kurpark von Bad Reichenhall ein Höhepunkt. Auch der Rollstuhlausflug zum Strandkurhaus klappte im vergangenen Jahr.

»Am Mittwoch Bingo spielen, das ist bei unseren Bewohnern zum absoluten Renner geworden«, freute sich Frank. Die Grundausstattung dafür bezahlte der Förderverein. Für einige Bewohner, die das selbstständige Essen verlernt haben, schaffte man spezielles Geschirr an, damit diese den Umgang mit Messer und Gabel wieder leichter erlernen. »Eine große Überraschung für uns war auch, dass wir schallschluckende Stellwände für den Mehrzweckraum im Untergeschoß bekamen«, sagte Frank. Die hauseigene Kapelle wurde mit altersgerecht geformten Stühlen ausgestattet, um das Sitzen und vor allem das Wiederaufstehen zu erleichtern.

Hans Dandl sprach über Anschaffungen, die für heuer vorgesehen sind. Gekauft werden unter anderem spezielle Sensormatten für Demenzerkrankte. Das sind Trittmatten, die bei geringster Berührung Alarm auslösen und somit sturzgefährdeten oder dementen Heimbewohnern schnell geholfen werden kann. Erstmalig möchte die Heimleitung auch eine Tier-Therapie für die Bewohner ausprobieren. Die monatlich erscheinende Heimzeitung, in denen Informationen über künftige Aktivitäten, Ereignisse oder Sonstiges für die Bewohner, Angehörige und Ehrenamtliche enthalten sind, wird ebenfalls vom Förderverein wieder unterstützt.

Heim arbeitet wieder kostendeckend

Bürgermeister Herbert Häusl kam auf die finanzielle Situation des Seniorenheims zu sprechen: »Vor einem Jahr habe ich noch appelliert, dass das mit dem Defizit von 112 000 Euro sicher wieder anders werden wird. Heute können wir beruhigt sagen: Ja, das ist möglich.« Alle Mitarbeiter hätten zusammengeholfen, auch wenn es nicht einfach gewesen sei. Aber das Resultat kann sich sehen lassen: Das Heim arbeitet wieder kostendeckend. Häusl lobte die vorbildliche Arbeit der Heimleitung, der Angestellten und der vielen Ehrenamtlichen.

Heimleiter Hubert Sailer wies auf die Gesetzesänderungen hin, die 2017 geplant sind. Der Begriff der Pflegebedürftigkeit wird dabei neu definiert. Statt den bisherigen drei Pflegestufen  soll  es  künftig fünf Pflegegrade geben. Sailer befürchtet, dass dadurch mehr Fördergelder in die ambulante Schiene fließen als in die stationäre. soj