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Bildungseinrichtung und Beherbergungsbetrieb im Gespräch

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Parkplatz und Schuttabladeplatz – vernünftig genutzt wird das rund zwei Hektar große Areal des ehemaligen Traunsteiner Güterbahnhofs seit Jahren nicht mehr. Möglicherweise wird es aber in den nächsten Jahren mit einem Kompetenzzentrum und einem Beherbergungsbetrieb bebaut.

Traunstein. Das etwa zwei Hektar große Gelände des Traunsteiner Güterbahnhofs soll bebaut werden. Wenn es nach den Vorstellungen der Stadt und der anderen Beteiligten geht, sollen dort ein Kompetenzzentrum für alpenländische Baukultur und ein Beherbergungsbetrieb entstehen. Ersteres wird von der EU gefördert, der Beherbergungsbetrieb im Rahmen der Städtebauförderung. In einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt nannte Oberbürgermeister Manfred Kösterke Details.


Es ist eine unschöne Brache mitten in der Stadt: Seit vielen Jahren macht man sich Gedanken, wie man das etwa zwei Hektar große Güterbahnhofsgelände nutzen kann. Jahrelang scheiterten alle Bemühungen der Stadt daran, dass sich bei der Bahn und ihren zahlreichen Unterorganisationen kein kompetenter Ansprechpartner fand. Das hat sich inzwischen offenbar geändert.

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Kleines Teilgrundstück gehört bereits der Stadt

Ein kleines Teilgrundstück hat die Stadt von der Firma DB-Immobilien bereits erworben; das Areal des Güterbahnhofs gehört zur Behörde Bundeseisenbahnvermögen. Für das gesamte Grundstück hat der Traunsteiner Stadtrat schon vor einigen Jahren eine sogenannte Projektentwicklung im Rahmen der Städtebauförderung beschlossen.

Zwei Vorhaben könnten auf dem Gelände verwirklicht werden, sofern sich die Beteiligten über den Kaufpreis für das Grundstück einig werden. Die Preisvorstellungen der Bahn sind jedoch offenbar um soviel höher als jene eventueller Kaufinteressenten, dass sich nach Angaben des Oberbürgermeisters noch niemand gefunden hat, der Kaufbereitschaft signalisiert hätte.

Unabhängig davon kristallisieren sich zwei Projekte heraus, die Chancen haben, verwirklicht zu werden: Kompetenzzentrum und Beherbergungsbetrieb. Die Europäische Union fördert das unter Federführung der Handwerkskammer für München und Oberbayern geplante Kompetenzzentrum für alpine Baukultur, wobei dem Bildungszentrum in Mühlwiesen bei Planung und Verwirklichung eine wichtige Aufgabe zukommt. Besucher der Einrichtung sollen aus dem gesamten Alpenraum kommen; aus Frankreich, der Schweiz, Österreich, Italien und natürlich aus Deutschland.

Diese brauchen natürlich auch Übernachtungsmöglichkeiten, weshalb der Bau eines Beherbergungsbetriebes auf dem Gelände eine sinnvolle Ergänzung wäre. Eine Organisation, die starkes Interesse hat, die Einrichtung zu betreiben, habe man schon, erklärte der Oberbürgermeister: das deutsche Jugendherbergswerk.

Jugendherbergswerk hat Interesse

Bis vor einigen Jahren hat es die Jugendherberge an der Traunerstraße betrieben. Mit nur 66 Übernachtungsplätzen war ein wirtschaftlicher Betrieb dort aber nicht möglich; außerdem bestand in dem Haus großer Sanierungsbedarf, sodass das Jugendherbergswerk den Standort Traunstein aufgegeben hat. Bezüglich der Einrichtung am Bahnhof haben die Verantwortlichen in München der Stadt großes Interesse signalisiert. Angedacht sei dabei keine Jugendherberge im üblichen Sinne, sondern ein Betrieb mit etwa 150 bezahlbaren Übernachtungsmöglichkeiten auch für Schüler der Berufsschule I, die oft von weither zum Unterricht nach Traunstein kommen.

Vom zunehmenden Interesse am Radtourismus könnte ein solcher Beherbergungsbetrieb ebenso profitieren wie von einem neuen Trend im Tourismus: So wie viele Senioren noch einmal studieren, gibt es auch Senioren, die sich besonders für handwerkliche Tätigkeiten und Fortbildungsveranstaltungen interessieren. »Das ist ein neuer, touristischer Trend«, berichtete Kösterke und verwies darauf, dass man sich beim Tourismusverband Chiemgau bereits in diese Richtung orientiere.

Wenn alles optimal laufen würde, wenn Zuschusszusagen erfolgen und die Bahn den Grund zu akzeptablen Preisen hergibt, dann hofft Kösterke, dass bis 2015 die Raumstruktur steht und Baurecht geschaffen werden kann. Für Traunstein wäre es ein riesiger Schritt nach vorne, denn das Investitionsvolumen für das Vorhaben dürfte sich in einem höheren, zweistelligen Millionenbetrag bewegen. -K.O.-