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Bier durch die Fernwärmeleitung pumpen?

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Als Bruder Ambrosius las Fastenprediger Kurt Lohwasser seinen Grabenstättern die Leviten, doch er hatte auch viel Lob im Gepäck. (Foto: Müller)

Grabenstätt. Beste Unterhaltung gab es unlängst beim Starkbierfest mit Fastenpredigt und Schauspiel im Gasthaus Chiemseebräu. Nach seinen Ausführungen über das bayerische Grundnahrungsmittel Bier im Allgemeinen und das süffige Bockbier im Besonderen widmete sich Kurt Lohwasser alias Bruder Ambrosius dem bunten Dorfgeschehen.


Mit Erstaunen habe er zur Kenntnis genommen, dass es abgesehen vom neuen Stück des Jugendtheaters in der Gemeinde gar keinen »Ratsch und Tratsch« mehr gebe, wunderte sich Ambrosius und schob hinterher: »Entweder gibt´s nix mehr zum Ratschen oder die Leute trauen sich nichts mehr zu sagen.« Dank des neuen McDonald´s im Gewerbegebiet Oberwinkl sei Grabenstätt mittlerweile in ganz Deutschland bekannt, denn die Kinder der Durchreisenden würden schon weit vorm Chiemsee fragen: »Wir haben Hunger, wann sind wir denn beim Mäc in Grabenstätt?«

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Als der bestens aufgelegte Fastenprediger die anderen Grabenstätter Gastronomiebetriebe lobte, sprach er gewagt von »Dirndl ausfüllenden Bedienungen«, doch wer möchte schon einem Diener Gottes einen Strick daraus drehen? Er könne es kaum glauben, so Ambrosius, dass der jahrzehntelange Schandfleck Schloss Winkl langsam aus seinem Dornröschenschlaf erwache und in neuem Glanz erstrahlen werde. Ganz schien er dem aber nicht zu trauen, denn in einem Jahr wolle er sich noch einmal ein Bild davon machen.

Die neue Sport- und Mehrzweckhalle Grabenstätt bezeichnete er als »Musterbeispiel dafür, was man alles schaffen kann, wenn alle im Dorf zusammenhalten«.

Auch mit dem Probenhaus des Musikvereins gehe es mit vereinten Kräften schnell voran. Ein Sonderlob heimsten sich die TSV-Fußballer ein, doch sollten sie heuer ihren treuen Zuschauern die nervenaufreibende Relegation ersparen.

Durch die Fernwärmeleitung sollte man statt heißen Wassers vielleicht kühles Bier oder Hochprozentiges pumpen, denn dann würden wohl noch mehr Leute einen Antrag auf Anschluss stellen, merkte der Klosterbruder süffisant an. Im Pfarrsaal hätten die braunen Sitzbezüge für Wirbel gesorgt, doch wenn es sonst keine Probleme gebe, dann sei in der Pfarrei alles in bester Ordnung.

Mit Blick auf das immer noch leer stehende »kirchliche Schleckerhaus« brachte Ambrosius eine Klostergaststätte, einen Klosterladen oder einen vom VdK-Ortsvorsitzenden Rudi Göbel geführten Sozialladen ins Spiel.

Da der Trachtenverein »D´Chiemgauer« Grabenstätt neuerdings einen Goaßlschnalzer-Kurs anbiete, könnte die erlernte Technik auch schon bald bei der ins Stocken geratenen Springkraut-Bekämpfung zum Einsatz kommen. Pitzloch müsse er sich nun selbst einmal anschauen, wenn die Freien Wähler dafür sogar die Gemeinderatssitzung verlassen würden.

Dass in Grabenstätt eigene Gesetze gelten, sehe man auch an Folgendem: »Papst Benedikt XVI. tritt zurück, Königin Beatrix tritt zurück, Bildungsministerin Annette Schawan tritt zurück und Bürgermeister Georg Schützinger? Der tritt wieder an«. Womöglich könne dann nach der nächsten Wahlperiode gleich Georg junior in dessen Fußstapfen treten, mutmaßte der Fastenprediger.

Musikalisch umrahmt wurde die feucht-fröhliche Veranstaltung von der »Hi-und-Do-Musi« und den siebenjährigen Wirtskindern Magdalena und Quirin Lange, die Hackbrett und Ziach spielten. Zuvor hatte deren Vater Oliver Lange als umtriebiger und sangesfreudiger tschechischer Neubürger Jaroslav Schisdranitsch einen begeisternden Auftritt gefeiert. Dabei nahm er nicht nur seine Grabenstätter Mitbürger, sondern unfreiwillig auch sich selbst aufs Korn. mmü