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»Bienen bekommen 'Alzheimer'«

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Das Schaubienenhaus steht. Noch fehlen die Inneneinrichtung und die fleißigen Bewohner. Offizielle Einweihung soll am Samstag, 2. Juni, sein. (Foto: T. Eder)

Grassau – Sehr gut besucht gewesen ist die Frühjahrsversammlung des Imkervereins Grassau im Gasthof Sperrer. Vorsitzender Alfons Baumgartner blickte auf ein gutes Bienenjahr zurück und Xaver Schreiner stellte das Projekt Bienenschauhaus vor.


Der Imkerverein wächst weiter. Ihm gehören mittlerweile 52 Imker mit 290 Bienenvölkern an. Bienenhaltung sei ein Dienst an der Gesellschaft, betonte der Vorsitzende. Die Hoffnung auf ein besseres Bienenjahr habe sich erfüllt – und dies trotz Völkerausfällen und erfrorener Blüten im Frühjahr, dafür im Sommer mit reichlich Waldhonig. Dennoch dürfe man nichts schönreden, warnte Baumgartner und verwies auf das enorme Insekten-, Vogel- und Bienensterben.

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Die Bienenhaltung werde immer schwieriger. Umso wichtiger sei die Rücksicht der Landwirtschaft. Der Vorsitzende dankte allen Bauern und Gartlern, die auf Spritzmittel verzichten und Blühflächen anlegen. »In Monokulturen und ausgeräumter Landschaft finden Bienen kaum Futter.« Eine große Enttäuschung sei die weitere Zulassung von Glyphosat. »Das ist ein Schlag gegen die Artenvielfalt, das gesunde Bodenleben und gegen die Imkerei«, bedauerte er. Von Insektenvernichtungsmitteln bekämen die Bienen selbst in geringer Dosierung »Alzheimer«. Sie fänden nicht mehr zum Bienenstock zurück und würden sterben.

Das größte Projekt des Grassauer Imkervereins ist das Bienenschauhaus, das derzeit in Eigenleistung auf Gemeindegrund am Obstlehrpfad entsteht. Die Organisation obliegt Xaver Schreiner, der bei der Versammlung mit Fotos den Fortschritt dokumentierte. Mit viel Eigenleistung und Spenden will der Verein statt der geschätzten Kosten von 12 000 Euro mit 3000 Euro auskommen. Über 500 Stunden hätten die Vereinsmitglieder nun bereits gearbeitet, informierte Schreiner, das Bienenschauhaus stehe inzwischen.

Nun fehlen noch die Dachschindeln. Zudem soll das Haus noch eine hölzerne Dachrinne bekommen. In den kommenden Monaten wollen sich die Vereinsmitglieder dem Innenausbau widmen. Ein weiteres Projekt, so Schreiner, sei die von Franz Niederbichler geschnitzte und sehr gelungene »Rübezahl«-Figur, die vor dem Bienenhaus stehen wird. Der Mund des Riesen soll den Bienen als Einflugloch dienen. Das Schaubienenhaus soll am Samstag, 2. Juni, eröffnen.

Die Finanzen des Vereins beleuchtete Kassier Martin Plenk. Die Gemeinden Grassau und Marquartstein unterstützen das Projekt Schaubienenhaus mit jeweils 250 Euro, der Landkreis mit 400 Euro und der Bezirk mit 140 Euro. Mit weiteren Spenden kamen so bisher 1240 Euro zusammen. Bis jetzt entstanden für das Bienenhaus Kosten von 2200 Euro; davon stemmte der Verein rund 900 Euro.

Anerkennung für die Arbeit der Imker zollte die zweite Bürgermeisterin der Gemeinde Marquartstein, Claudia Kraus. Die bedrohliche Situation des Bienensterbens zeige, wie wichtig die Arbeit der Imker sei. Dem schloss sich auch Doris Noichl, die zweite Bürgermeisterin der Marktgemeinde Grassau, an. Sie würdigte die bereits geleistete Arbeit am Schaubienenhaus. Es sei wichtig, die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren.

Schließlich gab Claus Steger, Fachwart des Verbands der Bayerischen Bienenzüchter, wertvolle Tipps zur Bienenhaltung und Trachtverbesserung. tb