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Biber legten am Tüttensee viele Bäume um

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Am Tüttensee sollte etwas gegen den Biber unternommen werden – findet Gaby Haitzer und schickte uns diese Bilder.
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Die Biber haben am Tüttensee vor allem viele kleinere Bäume umgelegt. Aber auch dieser mächtige Stamm wurde umgenagt.

Grabenstätt – »Die Biber haben am Tüttensee eine regelrechte Verwüstung angerichtet«, findet Dr. Gaby Haitzer. Die Bergenerin geht dort regelmäßig mit ihrem Hund spazieren. Es sei dramatisch, wie viele Bäume die Tiere in nur wenigen Monaten gefällt hätten. »Das sind über 30.« Sie hofft deshalb, dass hier möglichst schnell eine Lösung gefunden wird. Manfred Mertl, der Leiter der Naturschutzbehörde am Landratsamt Traunstein, sagte zu, sich in der kommenden Woche ein Bild vor Ort zu machen.


Grundsätzlich glaubt er aber nicht, dass der Biber am Tüttensee ein Problem darstellt. »Soweit ich das anhand der Bilder beurteilen kann, ist der Biber nicht in der Nähe des Strandbads aktiv«, sagte Manfred Mertl. Außerdem seien es vor allem viele kleine Bäume, »die kaum einen Wert haben«. Der 49-Jährige betonte im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt, dass die Tiere vor allem jetzt verstärkt Bäume umlegen würden. »Die Aktivität nimmt also wieder ab.« Grund sei, dass die Biber im Herbst und Winter wenig anderes Futter – die Tiere fressen zum Beispiel auch Gras, Schilf und Mais – finden. Um an die jungen und dünneren Triebe in den Kronen zu kommen, legen sie die Bäume um.

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»Ein Ort zum Erholen und Baden«

Das gefällt Gaby Haitzer nicht. Sie macht sich vor allem Sorgen, dass der Tüttensee bald nicht mehr das ist, was er jetzt ist. »Ein Ort zum Erholen und Baden.« Die Biber hätten bereits Teile des Uferbereichs zerstört, außerdem habe sie in einer Sendung gesehen, dass die Tiere unter Umständen auch Menschen angreifen, wenn sie Nachwuchs haben. Ihrer Meinung nach sollte hier gehandelt werden, »denn am Tüttensee gehen die Leute nicht nur am Strandbad ins Wasser, sondern von allen Seiten«. – Doch welche Maßnahmen wären überhaupt erlaubt, nachdem die Tiere ja unter Artenschutz stehen?

»Die allerletzte Stufe ist das Abfangen und Töten«, erklärte Manfred Mertl. Dies sei aber nur in absoluten Ausnahmefällen möglich, »wenn eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung besteht«. Als Beispiele nannte der 49-Jährige Bahndämme oder Straßen, die vom Biber untergraben werden. Früher hätte man Tiere auch eingefangen und umgesiedelt, »aber da stellte sich immer die Frage, wohin?« Deshalb bedeute die »allerletzte Stufe« heute die Tötung eines Tieres. Dies komme im Landkreis Traunstein etwa dreimal im Jahr vor, so Manfred Mertl.

Am Tüttensee würde in jedem Fall gehandelt werden, wenn der Biber im Bereich des Strandbads Bäume annagen würde und so die Gefahr bestehe, dass sie auf Badegäste fallen könnten, sagte der Leiter der Naturschutzbehörde. Er geht allerdings nicht davon aus, dass sich der Biber dort ansiedelt. »Denn die Tiere wollen ihre Ruhe.« Falls dies aber doch der Fall sein sollte, würde man zunächst versuchen, den Biber zu vergrämen, also zu verjagen, zum Beispiel mit Elektrozäunen oder Geräuschen. Manfred Mertl betonte in diesem Zusammenhang, »dass die nicht rechtmäßige Tötung von Bibern eine Straftat ist, die mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden kann«.

Er setzt verstärkt auf Beratung und Präventionsmaßnahmen. »Wir sprechen mit den Grundstückseigentümern und sehen uns das Ganze vor Ort an«, erklärte er die Vorgehensweise. Um einzelne Bäume könne man beispielsweise einen Hasenzaun zum Schutz anbringen – oder eben Elektrozäune. Außerdem gebe es einen Entschädigungsfonds des Freistaats Bayern für Landwirtschaft und Forstwirtschaft, »nicht aber für Privatpersonen«, informierte Manfred Mertl, der in der kommenden Woche an den Tüttensee fahren will, um sich die Sache dort genauer anzusehen. KR

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