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Bewohner in Laimgrub gegen Betriebserweiterung

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Nur eine kleine Straße trennt die Halle der Entsorgungsfirma (rechts) von der Wohnbebauung. Gegen die von der Firma beantragte Ausweisung eines Gewerbegebiets rechts der Halle wehren sich die Anlieger. Sie übergaben Bürgermeister Benno Graf über 40 Unterschriften. (Foto: Hohler)

Chieming. Die Bewohner von Laimgrub treibt die Angst um – dass die benachbarte Entsorgungsfirma den Betrieb erweitert und sie dann mit noch mehr Lärm rechnen müssen. »Mein Mann arbeitet Nachtschicht, und das bis zu 70 Stunden die Woche, der schläft kaum noch«, sagt Johanna Hundseder. »Das geht ihm jetzt schon auf den Kreislauf.«


Als sie und ihr Mann 2006 ihr Haus in Laimgrub kauften, stand zwar die Halle gegenüber schon, gehörte aber noch einem landwirtschaftlichen Lohnunternehmen. Das hatte die Halle mit Werkstatt, Garage und Waschplatz gebaut. Die Entsorgungsfirma nutze die Halle jetzt aber für Ausbesserungsarbeiten an den Containern, sagt Hundseder.

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Landratsamt: »Wir wissen um das Konfliktpotenzial«

»Wir wissen um das Konfliktpotenzial«, sagte dazu auf Anfrage Georg Wendlinger, stellvertretender Leiter des Bauamts im Landratsamt. Die Fläche liege zwar im Außenbereich, aber dort sei eine gewerbliche Nutzung in diesem Fall aus früherer Zeit bereits genehmigt.

Bereits 1997 seien mit dem Bau der Halle eine Werkstatt, ein Waschplatz und eine Garage genehmigt worden mit bis zu zwei Fahrten des Winterdienstes nachts, je zwei Fahrten von Maishäckslern und Steyr-Trägerfahrzeugen tagsüber und sechs Lkw-Fahrten auf dem Betriebsgrundstück tagsüber. Lärmintensive Arbeiten durften nur zwischen 7 und 19 Uhr in der Halle bei geschlossenen Toren, Türen und Fenstern stattfinden.

Im Sommer 2012 habe die Gemeinde nach Beschwerden der Nachbarn das Landratsamt um Baukontrolle gebeten, das daraufhin eine Nutzungsuntersagung für die Freiflächen nord-östlich der Halle verfügte. Demnach darf die Firma die Außenflächen nicht als Lager- und Abstellfläche nutzen, nur zum Rangieren. Zudem sei eine gewisse Zahl an Pkw-Stellplätzen erlaubt.

Doch die Beschwerden der Nachbarn hielten an. Lkw würden auf den Pkw-Stellplätzen abgestellt, hieß es, nicht restlos entleerte, stinkende Container übers ganze Wochenende, auch an Feiertagen. Daher, so Wendlinger weiter, habe die Firma ein Betriebskonzept vorgelegt. Das Landratsamt prüfe nun, ob dieses als Nutzungsänderung ein neues Genehmigungsverfahren bedinge. »Die genehmigten Stellplätze darf die Firma auf jeden Fall nutzen, eine dauerhafte Lagerung wäre derzeit unzulässig, nach der Ausweisung eines Gewerbegebiets aber zulässig, wenn es die Gemeinde so festsetzt.«

Die Anlieger fühlen sich vor allem von Lärm und Gerüchen geplagt. »Wir haben ja schon die Straße, und jetzt auch noch das«, sagt Johanna Hundseder. »Wenn die die Container versetzen, das ist so laut, das hältst nicht aus. Und dann wird da lackiert ohne Absauganlage und Filter und ausgebeult mit dem Hammer. Das tut Schläge, das ist Wahnsinn. Die Kinder kannst nicht mehr vor die Tür lassen, wenn lackiert wird. Unsere Tochter hat eh schon Neurodermitis. Und man muss ja auch mal lüften. Das ist fast nicht möglich«. Und Martin Hundseder sagt: »Dann stellen s' noch die Müllautos vors Haus, die stinken auch, wenn sie gewaschen sind. Und am Freitagnachmittag kommen alle Lkw zum Waschen, die Müllautos fahren eben schon vor 6 Uhr, an Feiertagen zum Teil schon ab 4 Uhr, manchmal auch an Sonntagen«.

Die größte Angst der Anlieger ist, dass die jetzige Planung erst der Anfang noch größerer Vorhaben ist. »Das wollen wir Laimgruber aber nicht«, heißt es in dem Schreiben an die Gemeinde. »Ein solches Vorhaben heißt für uns Anwohner Verlust der Wohnqualität und Wertminderung unserer Immobilien.« Denn sollte das Gewerbegebiet genehmigt werden, sei ein Wohnhaus in der Nachbarschaft kaum noch zu verkaufen.

Nachbar durfte in Weidach nicht bauen

Besonders ärgerlich sei das für einen ihrer Nachbarn: »Der wollte auf seinem Grundstück in Weidach bauen und durfte nicht, weil er zu nah ans Gewerbegebiet Egerer rangekommen wäre. Jetzt hat er hier in Laimgrub gebaut und dann wird unmittelbar daneben ein solches Vorhaben geplant, da macht's dann plötzlich nichts mehr«, sagt Martin Hundseder.

Grundsätzlich befürworte der Gemeinderat die beantragten Änderungen, so Bürgermeister Benno Graf auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. »Wir warten immer noch auf das schalltechnische Gutachten, das wir schon vor einem halben Jahr in Auftrag gegeben haben«, so Graf. Auf mehrfache Anfrage bei dem Münchner Gutachterbüro sei man immer wieder vertröstet worden, weil das Büro so viel Arbeit habe. Er rechne aber spätestens in ein, zwei Wochen damit. In einer der nächsten Sitzungen werde das Thema dann im Gemeinderat behandelt.

Abstellplatz für sieben Lkw und bis zu 27 Container

Beantragt seien die Genehmigung der Werkstatt für Ausbesserungsarbeiten an Lkw- und Containern und sieben Lkw-Stellplätze plus neun Absetzmulden für Container, von denen je drei übereinander gestapelt werden dürften. »Natürlich hätte sich das Unternehmen mehr gewünscht, aber das hat der Gemeinderat eh schon zusammengeschrumpft.« Bedingung sei, dass nur leere und saubere Lkw und Container zur Reparatur abgestellt werden dürften, und auch nur auf der Nordost-Seite der Halle.

Der Betrieb werde bei 25 bis 30 täglichen Lkw-An- und Abfahrten sowie 30 Pkw-An- und Abfahrten zwischen 6 und 22 Uhr festgelegt, sagt Graf, »aber der Großteil der Fahrten findet zwischen 7 und 19 Uhr statt. Und selbstverständlich muss sich der Betreiber daran halten, sonst kann das Landratsamt den Betrieb auch ganz untersagen«.

Selbstverständlich müssten im Falle von Lackierarbeiten Absauganlagen eingebaut werden. Zudem seien Ausgleichsflächen nachzuweisen und das Grundstück entsprechend einzugrünen. Dem Landratsamt zufolge wolle aber die Firma gar nicht im größeren Umfang lackieren, vorgesehen seien nur Farben für Handroller und Spraydosen, kein industrieller Lackierstand. »Man muss als Anlieger eines genehmigten Gewerbebetriebs auch ein gewisses Maß an Gerüchen und Lärm hinnehmen«, so Wendlinger.

Nichts gegen Lkw-Werkstatt, aber gegen Containerplatz

Dazu wären die Anlieger nach eigenen Angaben ja auch bereit. Sie hätten ja grundsätzlich nichts gegen eine Lkw-Werkstatt einzuwenden, wohl aber gegen einen Containerplatz. Zudem wollten sie keine »Dorf verschandelnde Lärmschutzwand«. Auch die Lkw sollen nur für den Werkstattbetrieb kurzzeitig abgestellt werden dürfen. Mit Verweis darauf, dass vier Familien nur 15 Meter von dem Betrieb entfernt seien, fordern sie, mögliche Geruchsbelästigungen durch Containerlackierungen und Müllreste zu verhindern. Zu guter Letzt wollen sie das Ausleuchten des Vorplatzes verboten wissen, das sie ebenfalls als störend empfinden.

Der Unternehmer, um den es geht, war auch auf mehrfache Anfrage des Traunsteiner Tagblatts für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Jetzt hängt also alles an dem Schallschutzgutachten. »Wenn das negativ ausfällt, genehmigt das Landratsamt die Pläne ja sowieso nicht«, so Bürgermeister Graf. coho