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Bewaffneter Überfall: Angeklagte ziehen Berufung zurück

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Traunstein. Drei Maskierte überfielen im Dezember 2012 eine Familie in deren Wohnung in Traunreut. Nachdem die Frau, Mutter zweier Kinder, die Tür öffnete, stürmten die Vermummten, die mit einer Schreckschusspistole bewaffnet waren, in die Räume und durchsuchten alles. Sie vermuteten, dass der Sohn der Familie Bargeld zuhause hatte, dies entdeckten sie jedoch nicht. Vor dem Landgericht Traunstein ging es gestern nochmals um den versuchten schweren Raub. Zwei der drei Einbrecher hatten Berufung eingelegt gegen das Urteil des Amtsgerichts über jeweils drei Jahre Jugendstrafe.


Die Jugendkammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann machte den inzwischen 20 und 21 Jahre alten Traunreutern jedoch klar, dass sie eventuell deutlich schlechter wegkommen könnten. Nach gut einer Stunde wurde das erstinstanzliche Urteil mit Einverständnis der Angeklagten doch noch rechtskräftig.

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Das Jugendschöffengericht mit Jugendrichter Dr. Michael Weigl hatte Mitte Juli gegen diese beiden Männer wegen versuchten schweren Raubs gleich hohe Jugendstrafen verhängt. Dabei wurden jeweils kurz zurückliegende Vorverurteilungen einbezogen. Der dritte Täter, ebenfalls aus Traunreut, hatte sich aufgrund seines Erwachsenenalters vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs Mitte Juni verantworten müssen. Der 22-Jährige, der am Tatabend »Schmiere gestanden« und die Waffe besorgt hatte, erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Das Trio hatte sich in den Prozessen voll geständig gezeigt.

Hintergrund der Tat waren Spielschulden eines Angeklagten von einigen Tausend Euro. Weil der Leihgeber ungeduldig wurde und drohte, die Polizei einzuschalten, suchte der Schuldner einen Ausweg. Seine Freunde erklärten sich zur Mitwirkung an dem Überfall bereit. Im Januar und Februar landeten die drei nach intensiven polizeilichen Ermittlungen hinter Gittern.

Der Geschädigte und andere Zeugen aus der Familie mussten gestern nach der allseitigen Berufungsrücknahme nicht mehr in den Zeugenstand. In der Verhandlung Mitte Juni vor dem Landgericht hatte sich bei ihren Aussagen gezeigt, dass die Familie noch immer unter erheblichen psychischen Folgen leidet. Inzwischen haben die Geschädigten die Wohnung gewechselt. In der alten – mit all den schrecklichen Erinnerungen an den nächtlichen Überfall – fühlten sie sich nicht mehr sicher, wie die Mutter gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt betonte.

Sowohl Vorsitzender Richter Dr. Klaus Weidmann als auch Staatsanwältin Monika Veiglhuber ließen gestern keine Zweifel, dass eine Verschlechterung im Raum stehen könne – von der Strafhöhe her ebenso wie durch Anwendung von Erwachsenenstrafrecht statt Jugendrecht. Die Angeklagten und ihre Verteidiger, Michael Vogel aus Traunstein und Hanns Barbarino aus Altötting, zogen nach einer Beratungspause ihre Berufungen zurück, Staatsanwältin Monika Veiglhuber ebenso.

Ungewöhnlich an der Verhandlung war: Der 21-Jährige präsentierte vor Rücknahme seines Rechtsmittels Selbstgedichtetes in Rapform. Darin hieß es zum Beispiel: »Ich bekehre mich zum Guten«, »Reue frisst mich auf«, »für diese böse Tat gab es keine Gründe«, »wir schadeten zwei Erwachsenen und einem Kind«, »ich hab euch wehgetan« und »Sicherheit ist etwas, was jede Familie braucht«. Der Vorsitzende Richter Dr. Klaus Weidmann sagte daraufhin: »Das ist ziemlich eindrucksvoll und das Beste, was ich bisher von Ihnen gehört oder gelesen habe.« kd

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