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»Bevor der Verein stirbt, melde ich mich«

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Führungswechsel bei der Freiwilligen Feuerwehr Staudach-Egerndach: Anton Weiß (rechts) gibt das Zepter an Andreas Höger weiter. (Foto: T. Eder)

Staudach-Egerndach – Bedrücktes Schweigen herrschte, als zweite Bürgermeisterin Martina Gaukler um Vorschläge für den Vorsitz des Feuerwehrvereins fragte.


Bei der außerordentlichen Versammlung im Gasthof Mühlwinkl in Staudach-Egerndach wollte niemand diesen Posten übernehmen. Doch plötzlich meldete sich völlig freiwillig der 19-jährige Andreas Höger und erntete für seinen Mut und sein Engagement erleichterten Applaus.

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Es war keine leichte Aufgabe für den Vorsitzenden Anton Weiß, die Versammlung zu leiten. Wie ein Damoklesschwert schwebte die drohende Auflösung des Feuerwehrvereins über der gesamten Vorstandschaft. Seit Monaten suchte Weiß erfolglos einen Kandidaten, der den Vorsitz übernehmen würde. Weiß erklärte nochmals den Vereinszweck, nämlich die Feuerwehr in der Öffentlichkeit positiv darzustellen und Aktive zu werben. Hierzu können auch diverse Feste und Veranstaltungen dienen. In den vergangenen achteinhalb Jahren seines Vorsitzes gab es neben dem Waldfest, das Weinfest und auch die »Flash-Over«-Party, die sehr beliebt sei. Auch beim Weihnachtsmarkt betreibe der Verein einen Verkaufsstand. Zudem war der Feuerwehrverein maßgeblich am Bau des Vereinsstadels beteiligt.

Der Vorsitz habe auch seine positiven Seiten, betonte Weiß. In dieser Position können die Geschicke des Vereins gelenkt werden. Findet sich kein Nachfolger, dann würde ein wichtiger Verein in der Gemeinde verschwinden. Feste der Feuerwehr müssten entweder über Privatpersonen oder über die Gemeinde abgewickelt werden. Weiß sicherte seinem Nachfolger die Zusammenarbeit zu. Außerdem erklärte er, dass die finanzielle Seite des Vereins solide sei. Von Vorteil wäre allerdings noch eine Satzung, die der Gemeinde ermögliche, Einsätze der Feuerwehr abzurechnen. Die Gelder könnten dem Verein zur Verfügung gestellt werden und dieser wiederum könnte damit die Aktiven-Mannschaft unterstützen.

Noch emotionaler war die Rede von Martina Gaukler, die die Wahlleitung übernommen hatte. Sie appellierte, in sich zu gehen. »Ich würde es schade finden und wäre enttäuscht von der Dorfgemeinschaft, wenn sich niemand findet.« Bürgermeister Hans Pertl erklärte, dass es kein Problem sei, eine derartige Satzung zur Abrechnung der Einsätze zu erlassen. Er informierte zudem, dass die Gemeinde den Arbeitsausfall der Aktiven bei einem Einsatz ohnehin übernehme und mit den Arbeitgebern abrechne.

Hermann Neumaier betonte, dass es hier um die Gemeinschaft gehe und es bedauerlich wäre, wenn der Feuerwehrverein eingehe. Schließlich müsse der Vorsitzende nicht alle Aufgaben übernehmen und könne delegieren. Er habe bereits einige Posten in Vereinen übernommen.

Ria Pfeiffer schlug Alexander Sedlmaier vor, der jedoch ablehnte, da er in der Bergwacht aktiv sei. Nach einem hilfesuchenden Blick von Martina Gaukler durch den Saal, meldete sich Andreas Höger. »Ich bin zwar erst 19 Jahre, aber bevor der Verein stirbt, melde ich mich«, sagte er. Die Erleichterung im Saal wurde durch lauten Beifall deutlich. Endlich war ein neuer Vorsitzender gefunden, noch dazu ein junger aus der Aktiven-Mannschaft. Auch für den Stellvertreter, Thomas Just kandidierte ebenfalls nicht mehr, fand sich in Albert Hogger ein Kandidat, der ebenso wie Höger einstimmig gewählt wurde.

»Mit fällt ein Stein vom Herzen«, sagte Anton Weiß und freute sich, dass ein Generationswechsel stattfand. Neben jungen Kommandanten hat sich nun auch die Vorstandschaft des Vereins sehr verjüngt. tb

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