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Bettenschwund geht weiter

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Der Schwund von Gästebetten im Landkreis Traunstein wird weitergehen. Das ist eines der Ergebnisse einer Gastgeberbefragung, die die Kölner Freizeit- und Tourismusberatung »ift« im Auftrag von Chiemgau Tourismus durchgeführt hat. Demnach wird über ein Fünftel der befragten touristischen Betriebe, vor allem Kleinvermieter, in den nächsten fünf Jahren schließen müssen – größtenteils weil sie keinen Nachfolger oder ein Auslastungsproblem haben.


Bei einer Pressekonferenz hat der Chiemgau Tourismus jetzt erstmals die Kernergebnisse der schriftlichen Gastgeberbefragung vorgestellt. 612 Betriebe und damit gut 20 Prozent der Gastgeber hatten im vergangenen Jahr daran teilgenommen. So sei »ein fundiertes und verlässliches Meinungsbild« über die aktuelle Situation der Gastgeber entstanden, resümiert »ift«.

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Was nicht überrascht: Die Befragung ergab, dass die Betriebsstruktur der Gastgeber im Chiemgau zwar sehr heterogen ist, die Kleinvermieter mit rund 70 Prozent aber den Löwenteil der touristischen Betriebe stellen. Erfreulich hoch ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste: Sie liegt in der Wintersaison bei 6,4 Tagen, in der Sommersaison sogar bei 8,6 Tagen.

Kein genereller Investitionsstau

Interessant ist, dass es im Chiemgau laut Befragung keinen generellen Modernisierungsstau gibt. Hotels und Gasthäuser haben im Schnitt das letzte Mal 2006/2007 in ihren Betrieb investiert, Kleinvermieter 2003/2004. Im Durchschnitt gaben die Gastgeber für ihre letzte Modernisierung einen vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Euro-Betrag aus.

Auffallend ist, dass gerade die Kleinvermieter kaum in Werbung investieren. »Die Budgets sind sehr knapp bemessen«, so »ift«. Die Hälfte der Betriebe investiert zwischen 250 und 1200 Euro jährlich in Marketing. Dem Chiemgau Tourismus rät das Kölner Unternehmen darum, »für eine Erhöhung der Werbe- und Vertriebsbudgets bei den Betrieben zu werben«.

Was auch herauskam: Gerade die Kleinvermieter sind schlecht organisiert. Rund drei Viertel von ihnen haben keinen einzigen Kooperationspartner. Sie sind weder Mitglied in einer Anbietergemeinschaft wie »Urlaub auf dem Bauernhof«, noch arbeiten sie bei ihrer Angebotsgestaltung mit einem Partner wie zum Beispiel einer Bergbahn oder einem Schwimmbad zusammen.

Schulungen und Fortbildungen sind ratsam

Laut »ift« ist es darum ratsam, spezielle Marketingbausteine für Kleinvermieter unter dem Dach von Chiemgau Tourismus anzubieten. Sinnvoll, so das Kölner Unternehmen, seien außerdem Schulungs- und Fortbildungsangebote für Gastgeber sowie eine Beratungs- und Investitionsoffensive unter Federführung von Chiemgau Tourismus. Einige der Ratschläge hat der Verband inzwischen umgesetzt, so gibt es seit dem Frühjahr unter anderem einen Zuschuss für Betriebsberatungen von Kleinvermietern (wir berichteten).

Die Übernachtungszahlen gingen im vergangenen Jahr im Landkreis Traunstein laut Bayerischem Landesamt für Statistik um 4,9 Prozent in die Höhe. Zu einer Diskrepanz der veröffentlichen Zahlen, wonach es laut Chiemgau Tourismus im vorigen Jahr 4,15 Millionen Übernachtungen und laut Statistischem Landesamt nur 3,7 Millionen Übernachtungen im Landkreis Traunstein gab, äußerte sich Michael Lücke, der Geschäftsführer von Chiemgau Tourismus, am Rande der Pressekonferenz. Demnach bleiben bei den Statistikern in München alle touristischen Betriebe, die weniger als zehn Betten haben, unberücksichtigt. »Unsere Statistik basiert dagegen auf den Meldungen aus den Orten. Da ist jeder Kleinbetrieb mit dabei«, so der Geschäftsführer. san