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Bettelbande hatte es auf Senioren abgesehen

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Zwei Mitglieder einer vierköpfigen, rumänischen Bettelbande, die im Raum Altötting/Töging Anfang des Jahres 2014 ihr Unwesen trieb, sitzen seit März hinter Gittern. Die beiden anderen Täterinnen, zwei 24 und 41 Jahre alte Frauen, verurteilte die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs wegen schweren Raubs und schweren Bandendiebstahls zu je drei Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe. Für einen weiteren Fall des Bandendiebstahls erteilte das Gericht Freispruch.


Die Bettlergruppe aus drei Frauen und einem Mann schloss sich laut Anklage von Staatsanwalt Christopher Lang und Feststellung der Kammer zwischen Herbst 2013 und Januar 2014 mit dem Ziel zusammen, ältere Menschen um Schmuck und Bargeld zu bringen. So sollte zunächst am 27. Januar 2014 ein älterer kranker Mann Besuch von den Frauen bekommen haben. Sie schwatzten ihm möglicherweise Verschiedenes im Gesamtwert von 200 Euro sowie 80 Euro Bargeld ab. Dieser Tatkomplex konnte allerdings nicht ausreichend aufgeklärt werden. Deshalb erfolgte nach dem Grundsatz »in dubio pro reo« Freispruch.

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Ende Januar 2014 klingelten die drei Diebinnen in Töging an der Haustür einer krankheitsbedingt relativ hilflosen Dame. Als Ablenkungsmanöver verlangten sie Geld und Bettwäsche. Sie erhielten die Wäsche und fünf Euro. Währenddessen schwärmten die Angeklagten abwechselnd in der Wohnung aus. Sie entwendeten einen Perlenring, eine Goldkette mit Medaillon, ein Goldarmband, eine Kette mit Perle und ein Medaillon mit Kette, in dem innen alte Fotos waren. Der Gesamtwert beträgt etwa 1500 Euro.

Seniorin bedrängt und festgehalten

Am frühen Nachmittag des 28. Januar 2014 drangen die Täterinnen über die unversperrte Terrassentür in die im Erdgeschoß gelegene Wohnung einer alten Dame in Altötting ein. Wechselweise verschwanden sie in den Räumen, um nach Beute zu suchen. Mindestens 140 Euro fielen ihnen in die Hände. Die Seniorin wurde bedrängt und festgehalten. Man versuchte, ihr einen Ring gewaltsam vom Finger zu ziehen. Das gelang nicht.

Die Angeklagten ließen ihre Anwälte erklären, sie seien zwar an zwei Tatorten gewesen, hätten aber nichts Strafbares getan. Ein Kripobeamter aus Mühldorf und ein Angehöriger der dortigen Polizeistation berichteten, wie man auf die Spur der Bettelbande kam. Den Anfang bildete die Anzeige im Fall der Dame in Altötting. In deren Wohnzimmer fand man Fingerabdrücke von zwei Täterinnen. Die Polizei in Altötting lieferte den Hinweis auf ein rotes Fluchtfahrzeug im Zusammenhang mit einem anderen Diebstahl.

In Neuötting fahndeten die Ermittler nach dem roten Auto. Eine Polizeistreife entdeckte den voll besetzten Wagen. Dazu ein Polizeizeuge gestern: »Wir haben das Fahrzeug eingefroren und niemanden aussteigen lassen.« Man habe Schmuck und Bargeld gefunden, unter der Autorückbank eine Zigarettenschachtel mit weiterem Schmuck. Die Festgenommenen hätte jegliche Tatbeteiligung bestritten. Dann sei man auf eine Reihe von Zeugen gestoßen. Jemand waren die drei Frauen nahe eines Tatorts aufgefallen. Ein anderer Zeuge beobachtete, wie »zwei rumänisch anmutende Frauen« in den roten Fiat stiegen. Einen Tag vor dem »Besuch« bei dem alten Herrn in Altötting hatte eine Nachbarin die Frauen in Aufzugnähe gesehen. Als sie am nächsten Tag mit dem Hund vom Gassi-Gehen zurückkehrte, beförderte sie die Bettlerinnen aus der Wohnung »des sichtlich überforderten Mannes«, wie sie vor Gericht sagte.

Der Kripobeamte konnte weitere Indizien präsentieren. Opfer identifizierten beispielsweise ihren Schmuck. Die in Töging bestohlene Dame erkannte auf den Fotos in einem Medaillon ihre Eltern. Keine Straftat bildete dem Zeugen zufolge ein Vorfall in einem Altersheim in Töging. Dort kreuzten zwei Frauen mit Blumen auf und schauten sich um. Als eine Beschäftigte ihnen nachging und sie ansprach, verschwanden sie. Der Hausmeister bekam das Einsteigen in das rote Auto mit. Dazu der Kriminaler: »Dieser Personenkreis hat wohl gezielt nach alten Leuten gesucht, die nicht mehr so fit sind.«

Eine im März zu zwei Jahren und acht Monaten Jugendstrafe verurteilte und damals geständige 20-Jährige erinnerte sich angeblich nur mehr an Teile der Taten, ebenso der 33-jährige Fahrer des Fluchtwagens. Er hatte im März drei Jahre Gefängnis kassiert.

Zum Betteln nach Deutschland gekommen

Staatsanwalt Christopher Lang plädierte auf fünfeinhalb Jahre Haft für die 41-Jährige, einen Monat weniger für die 24-Jährige. Die Gruppe sei eingereist, um in Deutschland zu betteln und zu stehlen. Die Verteidiger Thomas Winter und Burkhard Gondro beantragten Freispruch. Sie hegten »erhebliche Zweifel« über den Ablauf aller Vorfälle. Das Gericht sah das nur in einem Tatkomplex ebenso. Der Sachverhalt der anderen Fälle sei erwiesen, betonte Vorsitzender Richter Erich Fuchs im Urteil. Strafschärfend wirke unter weiteren Punkten, dass die Frauen die körperliche und geistige Schwäche der alten und wehrlosen Opfer ausgenutzt hätten. kd