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»Betriebe und Kommunen nicht in Konkurrenz bringen«

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Wie kann Flächenfraß vermieden werden?

Pro Tag wird in Bayern eine Fläche so groß wie 18 Fußballfelder in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt. Mit einem Volksbegehren wollen die Grünen zusammen mit anderen Bündnissen und Organisationen in Bayern den Flächenverbrauch eindämmen. Vorgesehen ist eine Obergrenze von fünf Hektar pro Tag. Dagegen erhebt sich Widerstand. Mitte März haben sich die Bürgermeister im Landkreis Traunstein bei einer Versammlung mehrheitlich für eine Resolution gegen das Volksbegehren ausgesprochen. Die beiden IHK-Regionalausschüsse Traunstein und Berchtesgadener Land legten nach.


Die Vorsitzenden der beiden Gremien machten bei einem Pressegespräch vor dem Regionaltreffen in der neuen IHK-Akademie in Traunstein ihre Positionen deutlich. Es sei Zeit, »sich die tatsächliche Flächennutzung in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land anzuschauen«, erklärte Irene Wagner aus Marktschellenberg. So seien im Landkreis Traunstein 91,5 Prozent der Flächen und im Berchtesgadener Land 93 Prozent der Flächen Natur oder würden für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Das gehe aus den offiziellen Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik hervor. »Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen beanspruchen mit Stand Ende 2016 in beiden Landkreisen jeweils gerade einmal 0,6 Prozent«, ergänzte Wagner.

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Trotz Zunahme der Wirtschaftsleistung und der Zahl der Beschäftigten habe sich der Anteil von Gewerbe- und Industrieflächen an den Gebietsflächen »zwischen 2011 und 2015 in beiden Landkreisen nicht verändert«. Grundlage ist dabei, dass nur aktuell bewirtschaftete Flächen gezählt werden und Betriebsaufgaben oder -verlagerungen nicht berücksichtigt werden.

Die IHK-Regionalvorsitzende aus dem Berchtesgadener Land betonte, durch eine pauschale Flächen-Obergrenze würden Kommunen und Betriebe im Kampf um Flächen für Wohn-, Gewerbe-, Verkehrs- und Freizeitflächen unnötig in Konkurrenz gebracht. Boomende Betriebe mit dem Wunsch nach Erweiterung müssten sich nach Orten mit besseren Standortfaktoren umsehen. Dies sei jedoch nicht gewollt.

Nikolaus Binder, IHK-Regionalvorsitzender aus Traunstein, sprach sich für ein Maßnahmenpaket aus, das die Kommunen nicht einschränke, »sondern bei der Planung und Nutzung von Flächen effizienter macht«. Dazu gehöre ein bedarfsorientiertes, aktives Flächenmanagement, das vor allem innerörtliche Potentiale ausschöpfe, und eine verdichtete Wohnbebauung. Weiter eine verstärkte Kooperation unter den Kommunen, etwa in Form gemeinsamer Flächennutzungspläne, eines abgestimmten Infrastruktur- und Standortmanagements sowie einer Verbundlösung für Ausgleichsflächen über Gemeindegrenzen hinweg durch »Pools«.

Hans-Jörg Birner, Bürgermeister aus Kirchanschöring, machte am Beispiel seiner Gemeinde deutlich, wie durch vorausschauende Ortsplanung sowie die aktive Einbindung von Bürgern und Unternehmen Vertrauen geschaffen und eine zukunftsfähige und identitätsstiftende Ortsentwicklung vorangetrieben werden könne. Die Vermeidung von Verkehr, verdichtete Wohnbebauung sowie Wohnraum für Fachkräfte der Firmen und die Stärkung des Ortskerns seien zentrale Anliegen gewesen. Ein wegweisendes Ergebnis war auch der Ortsentwicklungsplan »Kirchanschöring 2038«. »Wichtig ist es, bereits im Vorfeld mit den Firmen zu reden«, ergänzte er.

Statt des flächenintensiven Baus von Einfamilienhäusern, die erst nach Kriegsende Mode geworden seien, orientiere man sich wieder an historischen Gebäuden wie den früher für mehrere Generationen gedachten, großen Höfe. Mehrgeschoßige Bauten auch im Ortskern böten gute Ansätze gegen die aktuelle Wohnraumnot, soweit sie sich ins Ortbild einpassen. Kirchanschöring profitiere von der klugen Bodenbevorratungspolitik früherer Zeiten. Wie er ergänzte, habe sich um den Waginger See eine intensive interkommunale Zusammenarbeit ergeben, »sodass wir jetzt auch Punkte angehen können, wo es schmerzt«. eff