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»Betriebe und Auszubildende sind zufrieden«

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Um einen Beitrag zur Fachkräftesicherung zu leisten, geht das Spanierprojekt im Landkreis Traunstein in die zweite Runde. Junge Spanier machen dann zum Beispiel erst ein Praktikum in einer Bäckerei, im Idealfall anschließend eine Ausbildung zum Bäcker. (Foto: dpa)

Traunstein – Das sogenannte Spanierprojekt im Landkreis Traunstein geht in die zweite Runde. Bereits im vergangenen Jahr haben 16 junge Spanier im Landkreis eine Ausbildung begonnen (wir berichteten). Ab Mitte Juli kommen weitere zwölf Spanier in die Region.


Sie werden in zehn verschiedenen Betrieben im Landkreis – in Bäckereien, in Altenheimen, in Hotels und im Straßenbau – ein vier- bis achtwöchiges Praktikum machen, berichtet Harald Schwarzbach von der Wirtschaftsförderung Traunstein, die sich an dem Projekt der bayerischen Wirtschaft und der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber wieder maßgeblich beteiligt. »Diese Firmen bekommen nur schwer Azubis.« Gefällt den jungen Spaniern die Arbeit, können sie im September in den jeweiligen Betrieben eine Ausbildung beginnen. Denn Ziel des Projekts ist es, einen Beitrag zur Fachkräftesicherung in diesen Bereichen zu leisten und jungen Menschen eine berufliche Perspektive zu bieten, die sie in ihrer Heimat nicht haben.

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Acht Spanier brachen die Ausbildung ab

Äußerst zufrieden ist Schwarzbach mit dem Verlauf der ersten Runde. »Die Betriebe und die Auszubildenden sind zufrieden.« Von den 16 Auszubildenden, die im Juli 2014 in den Landkreis kamen, sind noch acht übrig, erzählt Schwarzbach. Dass aus verschiedenen Gründen aufgehört werde, sei normal. »Der Grund für den Abbruch lag aber nicht am Betrieb.« Vielmehr waren es persönliche Angelegenheiten: Heimweh, Schwangerschaft oder andere berufliche Möglichkeiten.

Schwierigkeiten hatten vor allem die Auszubildenden in der Altenpflege. Diese ist laut Schwarzbach »wahnsinnig anspruchsvoll«, auch in der Berufsschule sei das Niveau sehr hoch. »Drei Auszubildende haben die Probezeit in der Schule nicht geschafft.« Weil sie ihre Arbeit aber sehr gut gemacht haben und auch bei den Senioren sehr beliebt waren, wurden sie als Altenpflegerhelfer eingestellt und sind deshalb aus dem Projekt ausgeschieden.

»Sie werden auf Herz und Nieren geprüft«

Das große Problem sei für viele Spanier aber die Sprache, so Schwarzbach. Aus diesem Grund wurde das Sprachniveau für die neue Staffel auch angehoben, die Teilnehmer der neuen Projektrunde müssen noch besser Deutsch sprechen als ihre Vorgänger. Deshalb besuchten sie in den vergangenen Monaten Sprachkurse und durchliefen geduldig die Bewerbungsphase in Spanien. Schwarzbach lobt in diesem Zusammenhang das hohe Qualitätsniveau der Bewerberauswahl: »Sie werden auf Herz und Nieren geprüft.«

Ab dem 17. Juli werden die Spanier dann im Landkreis eintreffen – was sie jetzt noch brauchen, ist eine Unterkunft. »Die Spanier kommen nur mit einem Koffer zu uns, deshalb sollte das Zimmer möbliert sein und sie sollten kochen und waschen können«, so Schwarzbach. Die Betriebe befinden sich in Traunstein, Bergen, Grabenstätt, Reit im Winkl, Ruhpolding, Tittmoning, Traunreut, Trostberg und Truchtlaching. Daher wird gezielt dort beziehungsweise in der näheren Umgebung nach Gastfamilien oder auch nach privaten Vermietern gesucht, die zeitweise oder für länger eine Unterkunft zur Verfügung stellen. Die jungen Spanier zahlen auch eine kleine Miete, damit die Kosten gedeckt werden. Vermieter und Interessierte können sich bei Marianne Graspointner, Telefon 0861/58-456, oder bei Kristyna Bartek, Telefon 0821/56 756-23, melden.

Kümmerer helfen in allen Lebenslagen

Die jungen Spanier sind während ihrer Zeit im Landkreis nicht auf sich alleine gestellt. Sie bekommen wieder sogenannte »Kümmerer« an die Seite gestellt, die sie in allen Lebenslagen unterstützen. »Die fachliche und menschliche Betreuung hat einen hohen Stellenwert«, betont Schwarzbach. Außerdem werden die Kümmerer einen Kontakt zu den Teilnehmern der ersten Staffel herstellen, sodass die Neuankömmlinge ihre Landsleute kennenlernen und schnellst möglich integriert werden können. jar