weather-image
21°

Betriebe kämpfen weiter um jeden Azubi

1.9
1.9
Bildtext einblenden
1500 Lehrstellen gibt es im Landkreis Traunstein. Davon sind noch immer 300 unbesetzt.

Zu Beginn des Ausbildungsjahres am heutigen Dienstag sind in den Betrieben im Landkreis Traunstein noch mehr als 300 von knapp 1500 angebotenen Lehrstellen frei, so die aktuelle Statistik der Arbeitsagentur. Damit bleibt jeder fünfte Ausbildungsplatz unbesetzt. Im Berchtesgadener Land sind noch 200 von über 800 angebotenen Lehrstellen frei.


»Vor allem kleine und mittlere Unternehmen müssen um jeden Azubi kämpfen. Aufgrund der guten Konjunktur und des absehbaren Fachkräftemangels bieten sie reichlich Lehrstellen an, sie bekommen aber immer weniger Bewerbungen«, sagt Werner Linhardt, Vorsitzender des IHK-Gremiums Traunstein.

Anzeige

Große Bewerberlücken in der Gastronomie

Insgesamt treten im Landkreis Traunstein mit Beginn des Ausbildungsjahres 620 Jugendliche eine Lehre bei IHK-zugehörigen Unternehmen an, wie aus der vorläufigen Zwischenbilanz der IHK für München und Oberbayern hervorgeht. Dies ist ein Mini-Plus von 0,5 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Damals begannen 617 Jugendliche eine Ausbildung. Die zahlenmäßig stärksten fünf IHK-Ausbildungsberufe im Landkreis sind Kaufleute im Einzelhandel, Industriemechaniker, Verkäufer, Großhandelskaufleute und Industriekaufleute.

Besonders groß ist die Bewerberlücke im Einzelhandel und in der Gastronomie. Linhardt unterstreicht jedoch, dass das Problem quer durch alle Branchen gehe. »Es sind auch noch etliche Lehrstellen in den Bereichen Fahrzeugbau und Metallbau oder für Bürokaufleute frei«, so der IHK-Gremiumsvorsitzende.

»Der Mangel an Ausbildungsbewerbern wird für unsere Wirtschaft immer mehr zum Dauerzustand«, beklagt Linhardt. »Die fehlenden Azubis von heute sind aber der Fachkräftemangel von morgen. Die Wirtschaft braucht dringend Unterstützung, um die Ausbildung für mehr Jugendliche attraktiv zu machen«, fordert Linhardt. Der IHK-Gremiumsvorsitzende führt den Bewerberengpass auf stagnierende Schulabgängerzahlen sowie dem Trend zur Akademisierung zurück. Die Zahl der Absolventen der Mittelschulen (früher Hauptschulen) ist in Oberbayern seit 2005 um 27 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abiturienten um 54 Prozent.

»Wir brauchen nicht noch mehr Studienabbrecher«

»In der Berufsorientierung müssen die hervorragenden Karrierechancen durch eine Ausbildung wieder mehr Stellenwert bekommen, wir brauchen nicht noch mehr Studienabbrecher«, so Linhardt. Mit Schulpatenschaften, der Teilnahme an Bildungsmessen oder Ausbildungstagen im Unternehmen können Betriebe den Schülern bei der Berufsorientierung helfen, sagt der IHK-Gremiumsvorsitzende.

Insgesamt sind 366 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis Traunstein in der Ausbildung aktiv und stehen für rund 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse. fb