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Besucherrekord und keine Kritik

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Foto: Symbolbild, pixabay

Unterwössen – Als »außergewöhnliches Interesse am Gemeindegeschehen« wertete Bürgermeister Ludwig Entfellner die rund 180 Zuhörer bei der Bürgerversammlung im Poststüberl in Oberwössen.


Diesem Informationsbedürfnis wurde er mit einem, wie Zweiter Bürgermeister Barthl Irlinger lobte »starken und inhaltsreichen Vortrag« von 90 Minuten über alle Gemeindegeschehnisse aus der jüngsten Vergangenheit und der nächs-ten Zukunft in Worten, Zahlen und Bildern gerecht. Am Ende gab es nur drei Wortmeldungen, keine Kritik, aber viel Applaus.

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Seinen Ritt durch die Ereignisse in der Gemeinde startete der Bürgermeister mit den ortsprägenden Baumaßnahmen. So seien die Oberflächenentwässerung in Hinterwössen samt der Neugestaltung vom Kapellenvorplatz mit Umfeld und eine neue Straße mit Gesamtkosten von 770 000 Euro abgeschlossen.

»Vielleicht hat Ansiedlung von Geschäften damit zu tun«

Positiv bewertete Entfellner die Verschönerungsmaßnahmen entlang der Durchgangsstraße samt Umfeld in Höhe von 1,4 Millionen Euro in den vergangenen drei Jahren. Alles sei nun strukturierter und attraktiver und vermittle eine gute Aufenthaltsqualität. Der Rathauschef weiter: »Vielleicht hat sogar die Ansiedlung von fünf bis sechs neuen Geschäften damit etwas zu tun.« Als letzter Baustein dieser städtebaulichen Maßnahmen seien für heuer noch Umstrukturierungen am neuen Friedhof und eine verbesserte Parkplatzsituation an der Sparkasse geplant.

Ähnliches hat die Gemeinde nun auch für Oberwössen, etwa vom Maserer bis Litzelau, in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren vor. Vor allem die Straße mit einer Breite von 8,5 Metern sei, auch in den Augen der übergeordneten Behörden, nicht mehr zeitgemäß. Im Übrigen sieht der Bürgermeister in einer Verringerung der Straßenbreite auch Möglichkeiten für neue Infrastrukturen.

»So eine Chance bietet sich nur einmal in 30 Jahren«

Gemeinsam mit dem Straßenbauamt seien in diesem Zusammenhang schon entsprechende Vorplanungen für die B 305 in Brem mit einer Sanierung der Gehsteige und einer Radwegeverbindung im Gange. Baubeginn könnte bereits 2018 sein. Zur Zeit spricht man in etwa von Gesamtkosten von 1,2 Millionen Euro und einem Gemeindeanteil von 400 000 Euro, der sich auf mehrere Bauabschnitte verteilen könnte. »So eine Chance bietet sich nur einmal in 30 Jahren«, freute sich der Bürgermeister.

In Sachen Straßenbau stehen für heuer noch der Taubenseeplatz und Zeilerfeld auf der Agenda, wo durch die Auflösung von drei Einbahnstraßen eine vernünftige Erschließung gesichert werden könnte. Einen absoluten Problemfall seit 30 Jahren für Anlieger und Gemeinde bezeichnete er den Brechstubenweg in Unterwössen. Da nun auch die Müllabfuhr wegen des risikoreichen Straßenzustands streikt, müssten die Bürger bis zu 300 Meter mit ihrer Mülltonne zur nächsten Entsorgungsmöglichkeit laufen. »Wie lange soll dieser Zustand noch anhalten?«, fragte ein Bürger. Bis zu einer endgültigen Lösung werde man sich ein Provisorium einfallen lassen, sicherte der Bürgermeister zu.

Das Schicksal vom ortsprägenden Gasthof zur Post in Oberwössen sei ebenfalls ein Problem und habe die Gemeinde in den letzten Jahren viele Verhandlungen und Zeit gekostet. Da er in Privatbesitz sei, hätte die Gemeinde nur übergeordnete Ziele, wie Prägung und Gestaltung verfolgen können, bedauerte der Bürgermeister. Kontakte mit Brauereien und Bauträgern für Betreutes Wohnen, Genossenschaften, Jugendherberge blieben erfolglos und auch erst nach drei Versteigerungen mit geringer Nachfrage, kam es zum Erfolg. Jetzt hat das Haus eine neue Inhaberin mit unbekannten Plänen »und wir brauchen weiterhin Ausdauer und Beharrlichkeit«.

»Zuversichtlich, dass die Kiste bald brummt«, äußerte sich der Rathauschef dagegen über die Sanierung und den Umbau der ehemaligen Schule in Oberwössen in ein Dorfhaus. Nach dem Baubeginn im August 2016 hatte es zwar heuer eine Verzögerung von fünf Wochen gegeben, aber nun gebe es einen straffen Bauzeitenplan. Mit der Einrichtung des Hauses und der Fertigstellung der Parkplätze könnten die Baumaßnahmen schon Ende Juni abgeschlossen sein. Äußerst aktiv in Sachen Planung zeigen sich schon jetzt die künftigen Nutzer, unter anderem die Bücherei, die Pfarrei, der Trachtenverein, Bewegungssportler, die Frauengemeinschaft und die Musikschule.

Hochwasserschutz ist langfristige Aufgabe

Breiten Raum widmete der Bürgermeister dem geplanten Hochwasserschutz durch das Wasserwirtschaftsamt (WWA), »auf den wir als Gemeinde relativ wenig Einfluss haben«. Doch nun hätten sich in der Planung unerwartete Eingriffe in bebaute Grundstücke, das Landschaftsbild und die Landwirtschaft sowie eine Kostensteigerung von zunächst einer Million auf 4,7 Millionen ergeben. Nach unseren kritischen Anregungen, wird die Planung des WWA bis Ende Juni nochmals überarbeitet, sagte Entfellner. Er wertete den Hochwasserschutz als langfristige Aufgabe für die nächsten 50 Jahre. Insofern sieht er die Schutzmaßnahmen auch als Gemeinschaftsaufgabe für die Bevölkerung und die Gemeinde. Allerdings kündigte er schon jetzt an, »dass die Gemeinde wohl um Grunderwerb und Bevorratung nicht herumkommen wird«.

Neue Wege kündigte Entfellner in Sachen Bauleitplanung an. Ursache des Strategiewechsels sind 170 Baugrundstücke, die größtenteils der Alterssicherung oder Spekulationen dienen, zu viele Zweitwohnungen und gegenläufige Tendenzen zur organischen Ortsentwicklung. Vorrang soll künftig bezahlbarer Wohnraum für Einheimische und Familien mit Kindern haben. Ausführlich erklärte der Bürgermeister den Maßnahmenkatalog für die künftige Neuausweisung von Grundstücken, die der Gemeinderat kürzlich beschlossen hatte (hierüber haben wir bereits berichtet). bvd

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