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Beste Möglichkeiten für den Aufbau einer eigenen Marke

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Dr. Dirk Blübaum, der Leiter der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, sagt, dass das Heimathaus in Traunstein einerseits die Stadtgeschichte »vielfältig in Dauer- und Wechselausstellungen« darstelle und sich »bei Teilen der Stadtgesellschaft als Veranstaltungsort großer Beliebtheit« erfreue. Andererseits sei »unverkennbar, dass das Haus gleichsam in Ehren ergraut ist«.
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Die Stadt hat schon vor einiger Zeit das sogenannte Mayerhaus, Stadtplatz 4 (grünes Gebäude rechts in unserem Bild), gekauft. Das Fernziel ist die Erweiterung des Heimatmuseums im Brothausturm, Stadtplatz 2 (links), und im Zieglerwirtsanwesen, Stadtplatz 3 (Mitte). (Foto: Pültz)

Traunstein – Dr. Dirk Blübaum, der Leiter der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, sieht große Möglichkeiten für eine Weiterentwicklung des Heimatmuseums in Traunstein. Im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt äußert er sich zum Fernziel der Stadt, der Stiftung Heimathaus und des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein, das Museum um das angrenzende sogenannte Mayerhaus zu erweitern.


Blübaum erläutert, dass die vorhandene Sammlung »von großer Bedeutung ist«. Er sieht »beste Möglichkeiten gegeben, eine eigene Marke aufzubauen und zum Wohl der Stadt in die Zukunft zu tragen«. Der 59-jährige Kunsthistoriker hat im Juli des vergangenen Jahres in München die Leitung der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern übernommen.

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Wer hat die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen wann in die Planungen für die Erweiterung des Heimatmuseums in Traunstein mit eingebunden?

Die Stadt Traunstein in Person des Museumsleiters hat sich Anfang 2017 an die Landesstelle gewandt mit der Bitte, eine mögliche Erweiterung und Neuaufstellung des Heimathauses infolge des Erwerbs des Nachbargebäudes zu begleiten. Ein erster Ortstermin fand im Frühjahr statt; die Entscheidung zur Durchführung einer umfassenden Machbarkeitsstudie zur Klärung der verschiedenen Entwicklungsoptionen fiel im Sommer 2017. Im Herbst hat die Landesstelle die umfangreichen Vorbereitungen für die Vergabe und Durchführung der Machbarkeitsstudie getroffen, die dann im Frühjahr 2018 von der Stadt ausgeschrieben wurde.

»Neuerfindung«des Museums im Fokus

Wie lautet der Auftrag, den Sie ausführen?

Wir haben keinen Auftrag, sondern die Landesstelle berät die Stadt Traunstein und die Stiftung Heimathaus bei der vollständigen Neukonzeptionierung des Museums. Da die Gemeinde über die privaten Spender die Möglichkeit erhalten hat, das neben dem Museum gelegene Mayerhaus zu erwerben, beschränkt sich die Beratung und Förderung der Landesstelle nicht nur auf das jetzige Museum und dessen Sammlung: Es geht um die »Neuerfindung« des Traunsteiner Museums.

Stiftung und Stadt sind durch die Spende in den Stand gesetzt, zusammen mit der Landesstelle und deren Förderung die kulturgeschichtlich höchst relevante Sammlung in einem ersten Schritt nach heutigen Anforderungen wissenschaftlich inventarisieren und konservatorisch bewerten zu können. Viel wichtiger aber ist es, aus der ebenfalls von dem privaten Spender und der Landesstelle geförderten Machbarkeitsstudie nun die richtigen Schlüsse zu ziehen, um die weiteren Schritte zu initiieren. Dabei ist allen Verantwortlichen klar, dass es in dem nun zu startenden Prozess darum geht, das optimal Machbare für Stadt, Stiftung und Museum aufgrund der vorliegenden Studie zu erreichen.

Was verlangen Sie für Ihre Tätigkeit?

Die museumsfachliche Unterstützung durch die Landesstelle ist eine kostenlose Serviceleistung des Freistaats Bayern. Eine Einrichtung, die nicht nur die größte in Deutschland ist, sondern die auch schon seit 1908 besteht. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Landesstelle vereinen in ihrer Summe Kompetenzen, die selbst in großen Museen nicht immer verfügbar sind. So verfügen die Referenten und Referentinnen nicht nur alle über mehrjährige, teils jahrzehntelange Ausstellungserfahrung, sondern wir können auch in Fragen zur Provenienzforschung, Inklusion, Digitalen Strategien, Tourismus, Sammlungskonzeption und Depotbau oder Vermittlung kompetent beraten. Und durch die Innenarchitektinnen im Team sind wir auch Ansprechpartner zu allen Fragen rund um die Gestaltung.

Welche Erkenntnisse haben Sie bislang im Dialog mit den Verantwortlichen in Traunstein gewonnen?

Man ist sich den mit der Spende verbundenen Chancen für die Stadt bewusst und es ist ein klarer Wille vorhanden, den Weg des Neustarts für das Museum zusammen mit der Landesstelle zu gehen.

Didaktik und Gestaltung sind zu überarbeiten

Wie beurteilen Sie den Ist-Zustand des Museums am Stadtplatz? Wo liegen die Stärken, wo die Schwächen?

Das Heimathaus befindet sich in einem historischen Gebäude inmitten der Altstadt – genau da, wo ein Stadtmuseum hingehört. Es stellt die Stadtgeschichte vielfältig in Dauer- und Wechselausstellungen dar und erfreut sich bei Teilen der Stadtgesellschaft auch als Veranstaltungsort großer Beliebtheit. Es fungiert damit partiell als »Dritter Ort«, wie man heute zu sagen pflegt. Andererseits ist unverkennbar, dass das Haus gleichsam in Ehren ergraut ist. Nach über 20-jährigem Bestehen ist zweifellos der Zeitpunkt gekommen, neue Fragestellungen, neue Entwicklungen in der Gesellschaft, aber auch in den Medien aufzugreifen und das Haus inhaltlich, didaktisch und gestalterisch auf eine neue Grundlage zu stellen und auch neue Zielgruppen zu erschließen. Die mögliche Erweiterung könnte dafür den geeigneten Rahmen liefern.

Welche Möglichkeiten sehen Sie für eine Weiterentwicklung des Museums in Traunstein?

Auf ein Wort zusammengefasst: große. Die vorhandene Sammlung ist von großer Bedeutung, die historischen Gebäude, in die das Museum eingepasst werden soll, ergeben mit der Sammlung zusammen ein stimmiges Gesamtbild. So sind beste Möglichkeiten gegeben, eine eigene Marke aufzubauen und zum Wohl der Stadt in die Zukunft zu tragen. Dann kommt noch, wie schon gesagt, hinzu, dass das Museum an einer zentralen Stelle in Traunstein liegt, sodass es einfacher ist, mit den entsprechenden Angeboten Gäste wie Einheimische in die Geschichte Traunsteins hineinzuziehen.

Was darf nicht passieren?

Dass das weitere Vorgehen, aus welchem Grund auch immer, nicht bis zum erfolgreichen Ende, der Eröffnung des neuen Museums, durchgeführt werden kann.

Welche Vorgehensweise empfehlen Sie?

Ich verstehe die Frage als generell und da kann ich nur nochmals auf das schon Gesagte verweisen. Wir wollen unterstützen – mit Rat und Zuschüssen –, aber das bedingt auf der anderen Seite auch Vertrauen uns gegenüber, das sich darin ausdrückt, dass wir als enger Partner in alle projektbezogenen Ideen, Vorhaben und Entscheidungen so einbezogen werden, dass wir diese auch mittragen können. Dieses Einvernehmen braucht es, weil es immerhin um den Einsatz von Steuergeldern geht. Mit denen bieten wir nicht nur museumsfachliche Unterstützung, sondern es ist auch letzten Endes Geld, das der regionalen Wirtschaft zugute kommt und auch zumindest befristet Arbeitsplätze oder Aufträge für Solo-Selbstständige schafft, immer wieder. Und da müssen wir schon darauf achten, dass sie zweckgemäß eingesetzt werden.

Gernot Pültz

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