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»Beständiger Arbeitsmarkt mit guten Chancen für Fachkräfte«

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Von einem »beständigen Arbeitsmarkt« mit guten Bedingungen für Fachkräfte sprach die Leitern der Arbeitsagentur Traunstein, Jutta Müller, bei der gestrigen Vorstellung des Arbeitsmarktberichts 2013. Aufgrund der nach wie vor guten Konjunktur habe sich der Arbeitsmarkt im Agenturbezirk – der die Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting umfasst – im vergangenen Jahr stabil gezeigt.


Arbeitslosenquote minimal höher als im Jahr zuvor

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Die Arbeitslosenquote betrug 3,6 Prozent (im Landkreis Traunstein 3,2 Prozent, im Landkreis Berchtesgadener Land 4,1 Prozent) und lag damit um 0,2 Prozent-Punkte über der Quote des Jahres 2012. Das bedeutet, im gesamten Agenturbezirk waren im Jahresdurchschnitt 9267 Menschen arbeitslos, 2012 waren es 8541. Dem gegenüber standen im Jahresdurchschnitt 2262 offene Stellen, 2012 waren es 2354 offene Stellen.

»Wir haben auf alle Fälle eine tendenziell bessere Ausgangssituation als im bayernweiten oder im bundesweiten Vergleich«, so Müller. »Und so ist auch der Ausblick relativ zuversichtlich, in den letzten beiden Monaten gab es eine leichte Aufwärtstendenz, und auch die Unternehmen bewerten die Aussichten positiver als im vergangenen Jahr.« Auffällig sei, dass es mehr neue Arbeitslose als Langzeitarbeitslose gab.

»Bildung beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit«

Unter den durchschnittlich 957 Arbeitslosen unter 25 Jahren (124 mehr als 2012) gab es bereits 209 Bezieher von Arbeitslosengeld II (Hartz IV). Angesichts der Tatsache, dass unter den 783 Jugendlichen, die am Jahresende arbeitslos waren, 324 keine abgeschlossene Berufsausbildung und 84 auch keinen Hauptschul-Abschluss hatten, sagte Müller: »Bildung ist die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit«. Das gab sie den jungen Leuten mit auf den Weg. Und den anwesenden CSU-Landtags- und Bundestagsabgeordneten aus den vier Landkreisen – darunter MdB Peter Ramsauer, MdL Klaus Steiner und MdL Michaela Kaniber: »Da müssen wir nachbessern getreu dem Motto 'Keiner darf verloren gehen'«.

Von Klagen der Berufsschullehrer, die Klassen würden wegbrechen, weil die Bedingungen für Jugendliche so schlecht seien, berichtete etwa Landtagsabgeordneter Klaus Steiner. Und damit, so Steiner, seien nicht die Löhne gemeint, sondern die Art, wie mit den jungen Leuten umgegangen werde. Dazu und zu der Tatsache, dass rund 20 Prozent eine Ausbildung oder ein Studium abbrechen, sagte Müller, man habe in den vergangenen Jahren mehr Jugendliche für die Berufsberatung gewonnen.

Zur immer wieder zitierten, fehlenden Ausbildungsreife vieler Jugendlicher sagte sie, »ich glaube nicht, dass die Jugendlichen dümmer werden, aber die Akzente haben sich verschoben. Die heutzutage selbstverständliche Medienkompetenz füllt schon mal eine ganze Festplatte, auch bei Jugendlichen im Kopf.« Immer wieder würden schlechtere Leistungen in Deutsch und Mathematik beklagt, aber auch fehlende soziale Kompetenz. Insgesamt standen den 3447 gemeldeten Bewerbern 4058 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber. Zum Stichtag 30. September waren nur elf Bewerber ohne Zusage.

Rund ein Drittel der Betroffenen älter als 50 Jahre

3337 Arbeitslose waren älter als 50 Jahre – 280 mehr als im Vorjahr. Die durchschnittliche Zahl der Langzeitarbeitslosen lag 2013 bei 2177 Menschen (136 mehr als im Vorjahr). Die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten lag im Durchschnitt bei 821 (plus 30). Angesichts dieser Zahlen regte Müller an, mittelfristig einen »sozialen Arbeitsmarkt« zu schaffen. »Meine Erfahrung zeigt, dass es etliche Leute gibt, die auch mittelfristig täglich nur zwischen drei und sechs Stunden arbeiten können. Sie müssten halt sozialpädagogisch begleitet werden, um sie langfristig wieder in den Arbeitsmarkt zurückzuführen.« Das könnte ihrer Einschätzung nach für rund ein Drittel der Langzeitarbeitslosen eine Alternative sein.

Für mehr Offenheit gegenüber Schwerbehinderten

Was die Schwerbehinderten angeht, sagte sie auch angesichts des Fachkräftemangels: »Schwerbehinderte Menschen haben größere Hindernisse bei ihrem Berufseinstieg zu überwinden. Hier möchte ich für eine offene Haltung werben, die den Menschen in seiner Fachlichkeit in den Mittelpunkt stellt. Zugleich rege ich eine sachliche Einschätzung an, ob die jeweilige Behinderung bei der täglichen Berufspraxis tatsächlich einschränkend ist.« Müller warb für mehr Durchlässigkeit des Systems – »für manchen könnte der Einstieg über den Niedriglohnsektor eine Möglichkeit sein, wenn es bessere Aufstiegschancen gäbe.«

Die Zahl der arbeitslosen Ausländer stieg im Jahresdurchschnitt auf 1333. Die meisten der im Jahresverlauf 5300 neu arbeitslos gemeldeten Ausländer kamen demnach aus Österreich (666), der Türkei (618), Rumänien (466), Ungarn (371), Polen (313), Kroatien (307), Italien (265), Serbien (240), Slowakei (204) und Kosovo (200).

Durchschnittlich waren im vergangenen Jahr 2262 Stellen offen – 3,9 Prozent weniger als im Vorjahr. 2013 wurden in den vier Landkreisen 10 238 Stellenangebote entgegen genommen, davon 9359 für sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Allein im Landkreis Traunstein waren das 202 neue Stellen weniger als im Vorjahr. Der Stellenbestand sei auch ein Hinweis auf den großen Fachkräftebedarf. Besonders gesucht seien Arbeitskräfte im verarbeitenden Gewerbe, der Baubranche, Gesundheits- und Pflegeberufen sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe.

Doppelstrategie nötig, um Probleme zu lösen

Angesichts all dieser Zahlen sagte Müller, allein ein höherer Akademisierungsgrad könne nicht der Königsweg sein. »Wir brauchen ein stabiles Handwerk, das hat sich in den letzten Krisenzeiten gezeigt.« Man müsse eine Doppelstrategie fahren mit guter Berufsberatung, zukunftsorientierten Ausbildungen, betrieblicher Weiterbildung mit guten Aufstiegschancen plus Zuwanderung qualifizierter Menschen.