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Besondere Funde für die Traunsteiner Stadtgeschichte

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In einem sehr guten Zustand ist der Oberbau des Grabsteins der Familie Dirank. Wie man auf dem Bild sehen kann, ist im oberen Bereich sogar noch die goldene Verzierung gut erkennbar.
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Bei gutem Licht ist die Schrift auf dem Grabstein von Franz Xaver Brüderl gut lesbar. Neben seinen Geburtsdaten steht dort auch ein Grabspruch. (Fotos: Artes)
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Dieses Portrait von Franz Xaver Brüderl malte der Vachendorfer Maler Johann Baptist Neumüller im Jahr 1821.

Traunstein – Besondere Funde machten Bauarbeiter während der Aushubarbeiten rund um die Kirche St. Georg und Katharina im Stadtpark. Sie entdeckten in der Erde vor dem Haupteingang zur Kirche die Grabsteine von Salinenbaumeister Franz Xaver Brüderl und der ehemaligen Traunsteiner Bürgermeisterfamilie Dirank.


Dass die Funde etwas Besonderes sind, davon sprechen sowohl Stadtarchivar Franz Haselbeck, als auch Kreisarchivpfleger Albert Rosenegger. Sie freuen sich vor allem darüber, dass die beiden Grabsteine in sehr gutem Zustand sind. Auf dem von Franz Xaver Brüderl sind bei gutem Licht noch alle Inschriften lesbar, auf dem der Familie Dirank ist das Familienwappen gut erkennbar und auch die goldene Verzierung ist sehr gut erhalten.

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Doch welche Rolle spielten Brüderl und die Familie Dirank für die Traunsteiner Stadtgeschichte? Näher mit dem Leben des Salinenbaumeisters befasste sich Albert Rosenegger. Er verfasste im Jahr 2013 einen Beitrag für das Jahrbuch des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein. Eigentlich ging es dabei über den Vachendorfer Maler Johann Baptist Neumüller, der ein Portrait von Franz Xaver Brüderl malte. In diesem Zusammenhang warf Rosenegger aber auch einen Blick auf das Leben Brüderls. Dessen Geburtsdatum konnte man bisher nur schätzen. »Franz Xaver Brüderl dürfte um das Jahr 1780 in Traunstein zur Welt gekommen sein«, heißt es deshalb in dem Beitrag im Jahrbuch. Mit dem Fund seines Grabsteins steht nun aber das wirkliche Geburtsdatum fest: Der Salinenbaumeister kam am 20. November 1767 in München zur Welt.

Wie Franz Xaver Brüderl dann nach Traunstein gekommen ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Wahrscheinlich ist es, dass seine Familie unter den Salinern in der Au zu suchen ist. Das dürfte auch ausschlaggebend für Brüderls spätere Beamtenlaufbahn als »Königlich Bayerischer Salinenbaumeister« gewesen sein.

Im Jahr 1803 war Franz Xaver Brüderl als junger Salinenpraktikant der Auflösungskommission für die Chiemseeklöster und dem Stift Baumburg als Vermesser beigestellt. Zu seiner Tätigkeit gehörte es, aus relativen großen Grundstücken kleinere Parzellen zu messen, da sie sich diese besser verkaufen ließen. Bereits ein Jahr später war er für die baulichen Veränderungen im Bereich der Saline in Reichenhall zuständig, weshalb er Traunstein verlassen musste und nach Reichenhall zog. Ebenfalls maßgeblich mitgewirkt hat Franz Xaver Brüderl in den Folgejahren beim Bau der Rosenheimer Saline und den Gradieranstalten. Dort war er vor allem für die Planung und Bauüberwachung zuständig.

Gestorben ist Franz Xaver Brüder am 8. August 1826 im Alter von 60 Jahren – wahrscheinlich in Traunstein. Auf seinem Grabstein ist noch zu lesen: »Verehrungswürdig durch Treue, Gefälligkeit und Herzensgüte, merkwürdig durch seine Kunstfertigkeit. Er starb, wie er lebte.«

Jakob Dirank war Bürgermeister von Traunstein

Deutlich weniger Informationen wie zu Brüderl gibt es zur Familie Dirank. Erstmals in den Aufzeichnungen des Stadtarchivs erwähnt wird im Jahr 1784 Jakob Dirank als Lebzelter und Oberschreiber der Stadtschreiber. Möglicherweise hat die Familie Traunstein zwischenzeitlich wieder verlassen, denn 1792 wird er Schreiber in Winkl bei Grabenstätt. Später muss die Familie aber wieder zurück nach Traunstein gekommen sein, denn Jakob Dirank erhielt 1793 in Traunstein das Bürgerrecht.

Vermutlich hat sich die Familie schnell in Traunstein etabliert, denn nur wenige Jahre später wird Jakob Dirank Bürgermeister – einmal von 1801 bis 1803 und dann von 1806 bis 1813 – ein Amt, das nur hochrangige Bürger übernehmen durften.

Ebenfalls erwähnt in alten Unterlagen wird 1816 Jakob Dirank, der Sohn des Bürgermeisters, als Lebzelter und Bürger. Er dürfte wahrscheinlich das Geschäft seines Vaters übernommen haben. Was anschließend mit der Familie passiert ist und ob es Nachkommen gibt, die noch in der Region leben, ist laut Haselbeck nicht bekannt. Damit werde man sich künftig bei weiteren Recherchen beschäftigen.

Heutiger Stadtpark war früher ein Friedhof

Dass bei den Aushubarbeiten die beiden Grabsteine gefunden wurden, ist nicht ungewöhnlich. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich im heutigen Stadtpark rund um die Kirche St. Georg und Katharina ein Friedhof. Rund 300 Jahre fanden Traunsteiner Bürger dort ihre letzte Ruhestätte, dann reichte der Platz nicht mehr aus. Ab 1904 begann man deshalb, einen Teil der Gräber in den Waldfriedhof Haidforst umzubetten, von anderen Gräbern sicherte man nur die Grabplatten und bewahrte diese auf. Einige wurden später an der Außenfassade der Kirche St. Georg und Katharina wieder angebracht.

Die beiden gefundenen Grabsteine wurden inzwischen eingelagert und sollen an den Förderverein »Alt Traunstein« übergeben werden, der gerade die an der Kirche angebrachten Grabsteine sanieren lässt. Wie Vorsitzender Richard Kraft im Gespräch mit unserer Zeitung sagt, sollen die beiden neuen Grabsteine vielleicht auch an der Außenfassade angebracht werden. Zunächst müssten diesbezüglich aber Gespräche mit der Kirchenverwaltung und dem Landesamt für Denkmalpflege geführt werden. »Geschichtlich ist der Fund aber sehr interessant«, so Kraft. »Ich glaube, es macht durchaus Sinn, die Platten mit in die Fassade einzuarbeiten«. jar