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Berührungsängste abbauen und Freundschaften schließen

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Lydia Hogger und Waltraud Lehmann (stehend von links) betreuen Familien aus Nigeria mit ihren Kindern. (Foto: Mix)

Traunreut – Das erste Café International in Traunreut kam gleich bestens an. Zahlreiche Traunreuter Bürger und Asylbewerber nutzten die Gelegenheit, sich kennenzulernen und auszutauschen. Die Organisatoren waren überrascht vom großen Zuspruch und mussten zusätzliche Tische und Stühle aufstellen. Viele gute Gespräche und Ideen sind das Resultat dieses Nachmittages.


Rund 80 Besucher dürften es gewesen sein, die am Samstagnachmittag im katholischen Pfarrsaal zusammenkamen und rege Gespräche führten. Sozialreferentin Helga Zembsch freute sich: »Ich bin echt überwältigt. Mit so vielen Leuten hätte ich nicht gerechnet.« Ihre Vision vom Café International ist: »Wir wollen Berührungsängste abbauen, Kontakte knüpfen und eventuell auch Freundschaften schließen.«

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Das Café sollte zur festen Einrichtung und regelmäßig angeboten werden, allerdings wird noch ein Verein oder eine Einrichtung für die Organisation gesucht. Künftig wünscht sich die Stadträtin auch einen kulturellen Austausch zwischen den Besuchern, um die Sitten und Bräuche kennenzulernen, aber auch den neuen Mitbürgern bayerisches Brauchtum näher zu bringen. Jeder, der dazu einen Beitrag leisten möchte, ist willkommen. Das nächste Treffen findet am Samstag, 11. Juli, um 15 Uhr im Heimathaus statt.

Unter den Gästen war unter anderem das Ehepaar Baltin, das mit einigen jungen Männern am Tisch saß, die in der Jugendsiedlung wohnen. Für Mona Baltin ist wichtig: »Ich will den Jugendlichen zeigen, dass sie hier willkommen sind, und möchte unser Land positiv vertreten, sodass sie einen guten Eindruck erhalten von uns.«

In Anbetracht des Schicksals dieser unbegleiteten Jugendlichen sei sie heilfroh, dass die eigenen Kinder behütet aufwachsen können und nicht in die Fremde geschickt werden müssen. Sie würde gerne weiter Kontakt halten und auch mal junge Asylbewerber zu sich einladen.

Um Familien aus Nigeria und dabei besonders um eine alleinerziehende Frau, die vor vier Wochen ihr Kind zur Welt gebracht hat, kümmern sich seit kurzem die beiden Schwestern Waltraud Lehmann und Lydia Hogger. Die beiden wurden durch einen Zeitungsbericht aufmerksam und waren auch schon beim ersten Informationstreffen vor wenigen Wochen dabei.

»Ich habe sehr viel gelernt in dieser kurzen Zeit«, meint Waltraud Lehmann, die der jungen Mutter half, das Baby im Standesamt eintragen zu lassen, Kinderwäsche zu bekommen, den Kinderarzt aufzusuchen und einiges mehr. Dabei steht für sie immer im Vordergrund die Hilfe zur Selbsthilfe. Die Asylbewerber seien durchaus in der Lage, sich um vieles selber zu kümmern, wenn sie einmal gezeigt bekommen, wo sie was kriegen. Wenn es trotzdem hakt, beispielsweise bei Behördengängen oder Briefen in deutscher Sprache, springt sie gerne ein.

»Ich glaube, wir müssen im Umgang mit diesen Leuten unsere europäische Brille ablegen, dann können wir viel voneinander lernen«, stellt die Rentnerin fest. Für Traunreut sieht sie kein Problem mit den Asylbewerbern, da die Stadt sehr offen sei und eine große Integrationskraft habe.

Dass die Traunreuter hilfsbereit sind und sich einbringen wollen, wurde am Samstag deutlich. Mehrere Besucher meldeten sich spontan, weil sie auf irgendeine Art und Weise helfen wollen und alle suchten das Gespräch mit den ausländischen Gästen. Mitte Juni startet ein Kurs der Volkshochschule, bei dem 16 Teilnehmer darin unterrichtet werden, wie sie die deutsche Sprache am besten lehren können. Alfons und Elisabeth Ernst kamen aus Interesse ebenfalls zum Café International. Sie kümmern sich bereits seit einigen Monaten um eine spanische Familie, zu der sie inzwischen eine sehr freundschaftliche Beziehung haben. Bereits in den 1990er Jahren betreute das Ehepaar eine andere Familie aus Teheran, zu der sie noch heute Kontakt hält, obwohl sie weggezogen ist.

Barbara Herning, die bereits letztes Jahr Patin eines nigerianischen Babys wurde und sich vor allem um die Familien aus diesem afrikanischen Land kümmert, dolmetschte am Samstag und berichtete vom Leben dieser Familien. Ihr größtes Problem derzeit sei, dass sie Arbeit suchen.

Als unerwarteter Gast tauchte im Pfarrsaal Horst Trüdinger aus Traunstein auf, der in der Kreisstadt bereits seit über einem Jahr ein Café International betreut. Er kann den Organisatoren aus Traunreut mit seiner Erfahrung zur Seite stehen und hat berichtet, dass sich ihre Veranstaltung bestens bewährt hat. mix