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Bergwalderlebnisweg wird auch ohne Förderung gebaut

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An einer der geplanten Stationen des Rundwegs hat der Wanderer einen wunderschönen Blick auf den Chiemsee. (Foto: Giesen)

Marquartstein. Im Herbst des vergangenen Jahres hatte der Gemeinderat einstimmig das Konzept für den geplanten Erlebnisrundweg am Staffen beschlossen (wir berichteten). Der Beschluss war Voraussetzung, dass die Bezuschussung aus öffentlichen Mitteln beantragt werden konnte. Sie hätte rund 100 000 Euro betragen.


In der jüngsten Sitzung setzte Bürgermeister Andreas Dögerl den Rat in Kenntnis, dass nun wider Erwarten von der Förderstelle der Regierung von Oberbayern ein naturschutzrechtliches Gutachten verlangt worden sei, um die Bezuschussung zu bekommen. Die sei in vergleichbaren Fällen, zum Beispiel in Inzell, nicht notwendig gewesen. Auf dem 2,85 Kilometer langen Weg rund um den großen und den kleinen Staffen sind 26 Stationen geplant. Dort können Erholungssuchende, besonders Senioren und Kinder, Naturgenuss der besonderen Art und viel Ruhe finden, aber auch Infotafeln zum Bergwald und interaktive Möglichkeiten zur Betätigung.

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Relaxstationen und Spielhütte geplant

Die Detailplanung zum »Erlebnis im Bergwald« hatte die Firma pronatour aus Österreich erarbeitet. Neben sogenannten »Relaxstationen« mit Relaxliegen, Ruhebänken oder Gleichgewichtsliegen soll es zum Beispiel eine Spielhütte oder in der Nähe des Startplatzes für Drachenflieger eine Drachenfliegerschaukel, auf der man auf dem Bauch liegend das Gefühl eines Drachenfliegers nachempfinden kann, geben.

Der Erlebnisrundweg ist der Abschluss des Gesamtprojekts zur Sanierung der Hochplattenbahn und zur Erhöhung der Attraktivität, erklärte Dögerl. Die Planung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Forst, den Almbauern und Wirtsleuten.

Der Staffen-Rundweg ist bereits jetzt ein häufig benutzter Wanderweg, es muss also wenig ausgebaut werden. Lediglich die bestehende Anbindung von der Talstation wird verbreitert. Außerdem wird an der engsten Stelle zwischen kleinem und großem Staffenweg auf einer Strecke von 180 Metern ein neues Wegstück angelegt, damit der Weg auch abgekürzt werden kann.

»Für den Bau des Erlebniswegs und die Abkürzung ist keine bauliche Genehmigung notwendig«, erklärte der Bürgermeister. »Kurioserweise« aber werde von der Förderstelle der Regierung von Oberbayern ein naturschutzrechtliches Gutachten der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt verlangt. Dabei müssten dann alle »Träger öffentlicher Belange« befragt werden, ob dem Vorhaben irgendetwas entgegen steht. Ein Gutachten zu erstellen, könne etwa ein Jahr dauern, so Dögerl.

Er stellte dem Gemeinderat drei Vorgehensweisen zur Wahl: Die Gemeinde könne das Gutachten nicht erstellen lassen und damit auf die Förderung verzichten. Dann müsse die Gemeinde alles ohne Zuschuss finanzieren oder nur einen Teilausbau umsetzen in Höhe der bisher vorgesehenen Eigenmittel von rund 150 000 Euro. Bei einem Vollausbau zum Bergerlebnispfad habe aber auch Grassau einen Zuschuss von 30 000 Euro in Aussicht gestellt, der bei einem Teilausbau in Gefahr wäre. Die dritte Möglichkeit sei, das Konzept ganz zu begraben, so Dögerl. Insgesamt waren für den Bau des Erlebnisweges 240 000 Euro kalkuliert worden, wobei eine Förderung von 50 Prozent im Raum stand. Für den Wegebau sind dabei 57 000 Euro inbegriffen.

Zweiter Bürgermeister Günter Richter (unabhängig) sagte, dass die Gemeinde langfristig denken müsse. Die Renovierung der Hochplattenbahn sei bisher super gelaufen. Die Gemeinde solle weiterhin den Mut aufbringen, »etwas zu machen, was die anderen nicht haben«. Auch Norbert Memminger (CSU/FreieWähler) hielt es für nicht sinnvoll, etwas halbherzig zu machen, und Kilian Pfohl (CSU/Freie Wähler) befürchtete, dass bei einem naturschutzrechtlichen Gutachten »eine schwangere Ameise« das Konzept gefährden könnte.

Sensibler Lebensraum für die Tiere

Hans-Peter Butz (Überparteiliche Wähler) befürwortete dagegen einen reduzierten Ausbau des Weges. Es handle sich um einen sensiblen Lebensraum für Tiere, wo es vielleicht gut sei, ihn umweltverträglich und nicht so intensiv zu nutzen. Man dürfe den Naturschutz nicht ins Lächerliche ziehen. Der Bürgermeister sagte, dass an Spitzentagen der Weg bereits jetzt intensiv genutzt werde. Bei dem Konzept gehe es vor allem um Wissensvermittlung und um Ruheflächen. Streng werde darauf geachtet, dass die Wege nicht verlassen werden und so die Ruheplätze der Raufußhühner nicht gefährdet würden. Es müsse erst abgeklärt werden, was bei einem Teilausbau vom Konzept noch übrig bleibe.

Geschäftsleiter Florian Stephan sagte, dass ein Vollausbau den Vorteil habe, dass der ganze Bergerlebnispfad mit renovierter Hochplattenbahn beworben werden könne. Bei der Abstimmung waren nur zwei Gemeinderäte gegen den vollständigen Ausbau des Weges. Die Übrigen plädierten dafür, das Gutachten nicht erstellen zu lassen. Damit wird die Gemeinde die übrigen Kosten übernehmen. Nach dem Terminplan sollen die vorgesehenen Stationen voraussichtlich im Juni aufgebaut werden. gi