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Bergwachten im Chiemgau hatten voriges Jahr 926 Einsätze

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Etwas weniger Einsätze als im Vorjahr hatten die Bergwachten in der Region Chiemgau im vergangenen Jahr. (Foto: BRK BGL)

Sie übernimmt bei Tag und Nacht, bei jedem Wetter den Rettungsdienst im alpinen und unwegsamen Gelände: Die Bergwacht Bayern ist eine ehrenamtliche Gemeinschaft im Roten Kreuz (BRK) und als einzige Organisation für den Bergrettungsdienst im Freistaat zuständig.


Zu den 15 Bereitschaften in der Region Chiemgau (Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land und Altötting) gehören aktuell rund 500 Aktive, die im vergangenen Jahr zu 926 Einsätzen ausrücken mussten – 67 (7,2 Prozent) weniger als 2015. »Die absolute Zahl spiegelt aber nie den tatsächlichen Aufwand wider, denn an komplexen, größeren Rettungen sind oft 30 oder mehr Einsatzkräfte beteiligt; bei Suchaktionen auch mehrere Tage hintereinander«, erklärt Regionalgeschäftsführer Ludwig Lang.

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Kommt wegen Nebels oder Sturm kein Hubschrauber durch oder ist die Einsatzstelle nicht per Geländefahrzeug erreichbar, so steigern sich Zeit-, Personal- und Materialaufwand schnell um ein Vielfaches. »Was sonst fliegerisch nur ein bis zwei Stunden dauert, wird bei schlechtem Wetter rasch zu einer sehr komplexen und langwierigen Rettungsaktion – wie in alten Zeiten, als die Bergretter generell zu Fuß auf- und absteigen mussten«, erläutert Lang. Die Zahl der Einsätze hängt vor allem vom Wetter während der Haupturlaubszeiten und davon ab, ob es einen schneereichen Winter gab, da dann allgemein mehr Leute unterwegs sind und die Bergwacht in den Skigebieten viel mehr Arbeit hat.

22 Bergtote im vergangenen Jahr

Im vergangenen Jahr gab es 22 Bergtote in den Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen; 2015 waren es 14. »Das sind regionale Schwankungen, die einfach davon abhängen, wie viele Leute unterwegs sind. Bayernweit blieb die Zahl aber mit rund 80 bis 100 Toten jährlich während der letzten Jahre ziemlich konstant«, erklärt Lang.

Die 926 (2015: 993) Einsätze der Bergwachten in der Region für verletzte, erkrankte oder in Bergnot geratene Menschen verteilen sich auf 313 (342) beim Skifahren auf der Piste, 216 (190) beim Wandern, 140 (202) beim Bergsteigen, 61 (54) sonstige Einsätze (zum Beispiel Arbeitsunfälle), 51 (65) beim Snowboardfahren, 50 (43) beim Klettern, 41 (64) Sucheinsätze, 37 (32) beim Bergradeln, 14 (20) bei Skitouren, 12 (14) beim Gleitschirmfliegen, 12 (11) beim Langlaufen, 5 (3) beim Drachenfliegen, 5 (0) beim Skispringen, 4 (11) beim Rodeln, 4 (2) beim Schneeschuhwandern, 1 (2) beim Höhlenbegehen und 1 (0) beim Berglaufen. Es gab einen (0) Katastrophen-Einsatz der Bergwacht-Canyonretter beim Hochwasser in Niederbayern. Beim Canyoning (0) und beim Eisklettern (1) ist nichts passiert; es gab auch keinen (3) Lawineneinsatz.

»Die Anzahl der Einsätze ist vor allem vom Wetter in Kombination mit dem Tourismus abhängig. Ist zur Ferienzeit gutes Bergwetter, dann sind auch mehr Leute unterwegs – und wo mehr los ist, passiert in der Regel auch mehr. Bei guten Schneeverhältnissen sind mehr Wintersportler am Berg und wir haben automatisch mehr zu tun«, erklärt Thomas Küblbeck, Regionaleiter der Bergwacht Chiemgau. »Die Anzahl der Einsätze verkörpert aber nur teilweise unseren tatsächlichen Aufwand. Wir müssen immer mehr üben, da die Einsätze zusehends schwieriger und komplexer werden, was auch am veränderten Freizeitverhalten liegt. Früher war vor allem im Winter bei schlechten Verhältnissen kaum jemand am Berg unterwegs, heute sind wir das ganze Jahr über, auch oft in der Nacht gefordert«, sagt Küblbeck.

Oftmals überzogene Erwartungen

»Viele Bergsteiger erwarten heute, dass trotz schwierigem Gelände und schlechtem Wetter Hilfe genauso schnell ankommt wie im Tal. Diesem Anspruch können wir aber trotz moderner Technik und bester Ausbildung nur bedingt gerecht werden.« Nach der Strukturreform mit vier Einsatzleitbereichen und einem Netz aus ehrenamtlichen Einsatzleitern, die über vier eigene Einsatzleitfahrzeuge verfügen, arbeitet die Bergwacht in der Region Chiemgau trotz ihres ehrenamtlichen Charakters stetig professioneller.

Spezialisierte Gruppen stehen zusätzlich zur Rettung aus wasserführenden Schluchten bereit (Canyon-Rettung), kümmern sich um die psychische Betreuung von Betroffenen nach schweren Bergunfällen (Kriseninterventionsdienst KID) oder bilden Suchhunde für Lawineneinsätze (Lawinen- und Suchhundestaffel) aus. Die Bergwacht Freilassing ist zusätzlich Bergrettungswache für Höhlenrettung und deckt den südostbayerischen Raum bis Rosenheim und das Salzburger Grenzgebiet in enger Zusammenarbeit mit der Salzburger Höhlenrettung ab.

Ziel der Bergwacht Bayern war es während der vergangenen Jahre auch, in jedem Gelände eine notärztliche Versorgung sicherstellen zu können, auch wenn kein Hubschrauber fliegen kann. Dafür wurde eine kompakte Ausbildungsreihe konzipiert, die die reguläre Notarztausbildung um die Bergwachtausbildung ergänzt; mittlerweile ist die Region Chiemgau gut mit Bergwacht-Notärzten und Sanitätern versorgt.

Der Bergwacht-Notarzt ist zu allen Jahreszeiten geländegängig und mit den Bergrettungstechniken sowie den speziellen medizinischen Notfallszenarien der Bergrettung vertraut. Er ist auch unter schwierigsten Bedingungen für die medizinische Versorgung des Notfallpatienten verantwortlich. Bereits ausgebildete Notärzte durchlaufen bei der Bergwacht Bayern eine umfassende Basisausbildung im Bergsteigen und eine Grundausbildung Bergrettung. Im Anschluss nehmen sie an schweren Bergrettungseinsätzen teil. ml