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»Benötigen weiterhin flächendeckend Apotheken«

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Foto: dpa/Symblbild

Traunstein – Sorge um das dünner werdende Netz an Apotheken, die auch außerhalb der normalen Geschäftszeiten insbesondere für ältere Kunden da sind, äußerte Waltraud Wiesholler-Niederlöhner gestern im Kreisausschuss unter Vorsitz von stellvertretendem Landrat Sepp Konhäuser. Auslöser der Anfrage war ein Bericht über die Konkurrenzsituation zwischen Apotheken und Online-Anbietern rezeptpflichtiger Arzneien.


An Wochenenden sei das Einzugsgebiet diensthabender Apotheken im Flächenlandkreis Traunstein größer geworden, führte die Kreisrätin an. Das könne bedeuten, dass man in der Stadt an Sonntagen keine Medikamente mehr bekomme. Wiesholler-Niederlöhner regte an, der Gesundheitsausschuss solle sich der Problematik annehmen: »Vielleicht können wir mit einer Petition reagieren.«

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Konhäuser sagte zu, das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Gesundheitsausschusssitzung am 28. März zu setzen – »obwohl der Landkreis natürlich nicht zuständig ist«. Man könne die Bevölkerung jedoch sensibilisieren. Dr. Lothar Seissiger, selbst Arzt, brachte im Zusammenhang mit dem Internet eine weitere Konsequenz aufs Tapet: »Man kann sehen, was das für Blüten treibt. Ab April ist Telemedizin zugelassen. Dabei ist egal, ob der Arzt, der am Bildschirm eine Diagnose stellt, in Bukarest oder Russland sitzt. Er muss nur Deutsch sprechen.«

Eine unmenschliche Richtung eingeschlagen

Apotheken fielen in die Kompetenz des Bundes, betonte Dr. Thomas Graf, ebenfalls Arzt. »Das Ganze geht in eine Richtung, die langsam unmenschlich wird. Das Internet ist sicher ein Teil der Zukunft. Die Gefahr ist jedoch, dass alles verflacht und verbilligt wird.« Dazu Sepp Konhäuser: »Wir benötigen weiterhin flächendeckend Apotheken. Der Stand bei den niedergelassenen Ärzten im Landkreis ist – im Gegensatz zu anderen Landkreisen in der Region – relativ gut. Die weißen Flecken sind noch überschaubar.«

Mit medizinischer Versorgung im weiteren Sinn hatte gestern auch der Antrag des Bayerischen Roten Kreuzes, Kreisverband Traunstein, zu einem Teil des Katastrophenschutzes zu tun. Für die Beschaffung von Digitalfunkgeräten und deren Einbau in das Fahrzeug der »Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung«, abgekürzt »ELW2«, hatte das BRK um die nicht durch den 3000-Euro-Staatszuschuss abgedeckten Kosten von 43 000 Euro an den Gesamtkosten in Höhe von 46 000 Euro gebeten.

Der Hintergrund: Inzwischen ist der Digitalfunk bei Polizei, Feuerwehren und Hilfsorganisationen Standard geworden. Die notwendige Folge, auch für das Rote Kreuz, war die kostenaufwändige Umstellung von Analog- auf Digitalfunk. Sepp Konhäuser bejahte aus fachlicher Sicht einen angemessenen Zuschuss in Höhe von 35 000 Euro. Das BRK könne mit Geldern auch der umliegenden Landkreise rechnen und zudem einen Eigenanteil tragen. Die erforderlichen Haushaltsmittel seien vorhanden.

»Mickriger Staatszuschuss« für ELW2

Die Notwendigkeit des Zuschusses als solches stellte Willi Geistanger nicht in Frage. Mehr wollte er wissen zum Einsatzgebiet des ELW2, zu dem »mickrigen Staatszuschuss im Vergleich zum Landkreiszuschuss« sowie zum nachträglichen Zeitpunkt des Antrags. Agnes Bernauer vom Sachgebiet »Öffentliche Sicherheit und Ordnung« im Landratsamt gab Auskunft.

Das Fahrzeug sei in erster Linie für den Landkreis Traunstein im Einsatz, im Katastrophenfall auch in anderen Kreisen. Der Staat fördere zwar die Geräte, nicht aber den Einbau. Das Umrüsten habe zusammen mit anderen Organisationen erfolgen müssen.

BRK-Kreisvorsitzender Konrad Schupfner durfte nicht mit abstimmen, informierte jedoch, der Landkreis halte das Fahrzeug für den Katastrophenfall vor. »Der Digitalfunk trifft uns wie alle anderen Organisationen und bedeutet hohen Aufwand.« Hätte das Rote Kreuz nicht umgestellt, wäre es »funktechnisch abgehängt worden«. Sepp Konhäuser ergänzte, durch den Digitalfunk sei alles viel teurer geworden. Der Landkreis könne nicht ausscheren, brauche die Technik für die Sicherheit: »Es bleibt uns nichts anderes übrig, als den Zuschuss zu bewilligen.« Die Entscheidung für die 35 000 Euro passierte den Kreisausschuss schließlich ohne Gegenvotum.

Gleiches galt für einen Zuschuss von 12 000 Euro für die Personalkosten des Forums Ökologie Traunstein im Jahr 2017. kd