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Bekommt Traunreut ein Stadtmuseum?

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Sollte in Traunreut ein Stadtmuseum eingerichtet werden, könnten sich der Verein Heimathaus und Ortsheimatpfleger Johannes Danner als Standort das Heimathaus-Areal an der Johann-Hinrich-Wichern-Straße vorstellen. (Foto: Rasch)

Traunreut – Zu den Überlegungen, ein Stadtmuseum zu entwickeln, haben lediglich das Heimathaus und die Grünen-Fraktion in der Stadtverwaltung eine Stellungnahme eingereicht. Die Vorstellungen, die in der Hauptausschusssitzung gehört wurden, gehen aber auseinander.


Während das Heimathaus und Ortsheimatpfleger Johannes Danner für eine zentrale Einrichtung plädieren, sehen die Grünen in den bestehenden Museen und Ausstellungen der drei großen Industriebetriebe eine Ausgangslage für ein dezentrales Konzept. Welches Konzept letztendlich umgesetzt werden soll, steht noch in den Sternen.

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Endgültige Entscheidung soll in fünf Jahren fallen

Zunächst soll laut einstimmigem Beschluss des Hauptausschusses die bereits von einer Volkskundlerin archivierte Sammlung von Exponaten weiter vervollständigt werden. In etwa fünf Jahren soll dann endgültig entschieden werden, ob und gegebenenfalls wo beziehungsweise mit welcher Konzeption ein Stadtmuseum eingerichtet wird. Für entsprechende Projekte sollen bis dahin ab dem nächsten Haushaltsjahr auch jeweils 10 000 Euro im Haushalt eingestellt werden.

Wie berichtet, hat die Kunsthistorikerin Dr. Henriette Holz im vergangenen März eine Machbarkeitsstudie für ein Museum in Traunreut vorgestellt. Ihrer Ansicht nach hätte Traunreut ein Museum verdient. Die Stadt könne auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken, wie sie nur wenige Städte in den vergangenen Jahrzehnten erleben durften und die hinreichend Anlass zum Stolz bieten sollte. Ein Stadtmuseum, in dem die Erfolge der Stadt in ihrer historischen Entwicklung dargestellt und dokumentiert würden, könnte für die Traunreuter selbst ein wichtiger Ort der Selbstvergewisserung werden. Gleichzeitig könne es dieses Bild auch auswärtigen Besuchern vermitteln, die so außergewöhnliche Geschichte einer so jungen Stadt kennenzulernen und sich zudem von den in Traunreut entwickelten technischen Errungenschaften faszinieren zu lassen, sagte sie bei der Vorstellung der Studie im März.

Laut ihrer Bestandsaufnahme wären wesentliche Voraussetzungen für die Einrichtung eines Museums auch durch eine bislang schon vorgehaltene, archivierte Teilsammlung bereits erfüllt. Zudem würde es im größeren Umkreis kein Haus mit einer vergleichbaren Ausrichtung geben, nämlich Themen, die andere nicht bieten.

Ein Traunreuter Stadtmuseum sollte sich mit der Vorgeschichte als »Heeresmunitionsanstalt Sankt Georgen« und der prägenden Zeit der Entgiftung und des Neubeginns im Provisorium befassen. Ein weiterer Schwerpunkt sollte auf der Entwicklung des Industriestandorts liegen, der die Erfolgsgeschichte der Stadt maßgeblich geprägt hat. Die Historikerin könnte sich bei der Standortfrage vorstellen, das Museum auf dem Umfeld des Heimathauses zu errichten.

Synergien mit dem Heimathaus sind vorhanden

Die Option, einen Um- und Ausbau des Heimathauses, verfolgen auch der Verein Heimathaus und der Ortsheimatpfleger und Bürgerlisten-Stadtrat Johannes Danner. In ihrer Stellungnahme weisen sie darauf hin, dass dafür kein Grunderwerb notwendig und die Synergien mit dem bestehenden Heimathaus vorhanden wären. Der dort bestehende Bürgersaal könnte für Sonderausstellungen – ein bis zweimal im Jahr – genutzt werden. Gleichzeitig sei eine attraktive Anbindung des Areals Heimathaus/Museum an die Eichendorffstraße und das k1 überlegenswert. Die bereits in der Machbarkeitsstudie genannte Trägerschaft durch die Stadt Traunreut erscheint dem Verein und dem Ortsheimatpfleger alternativlos. Diese sei aber bereits in der Vorbereitungsphase von Bedeutung, da die Stadt als Eigentümerin aller gesammelten Ausstellungsstücke fungieren sollte.

Neben einem Museumspartner, etwa einem Freundeskreis, wäre dem Heimathausverein auch an einer Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv gelegen. Die dort gelagerten Exponate seien für ein Museum von großer Bedeutung, sagte Johannes Danner. So sollte auch die Entgegennahme weiterer Sammlungsstücke Aufgabe des Stadtarchivs sein. Es sollte eine Person abgestellt werden, die die Sammlungsstücke entgegennimmt und in das Museumsdepot einordne. Dass bis zu einer möglichen Realisierung des Projekts bis zu fünf Jahre ins Land ziehen, sieht der Ortsheimatpfleger als realistisch. »Jetzt wissen wir, welche Briefmarken wir brauchen, respektive in fünf Jahren tatsächlich brauchen«, so Danner.

Geschichte der Traunreuter in den Mittelpunkt stellen

Die Grünen im Stadtrat streben andere Überlegungen an. Um die bewegte Geschichte der Stadt darzustellen, braucht es ihrer Ansicht nach kein großes Gebäude mit tausenden von Exponaten. Die bestehenden Museen und Ausstellungen der drei großen Industriebetriebe würden ihrer Ansicht nach eine hervorragende Ausgangslage für ein dezentrales Konzept bieten. Der Traunreuter Geschichtsweg ließe sich durch einen Architekturweg und Energieweg ergänzen, auf denen die Entwicklung Traunreuts von einer Munitionsanstalt zu einer ökologisch vorbildhaften Kommune erlebt werden könne. Im Mittelpunkt sollte jedoch die Geschichte der Menschen in Traunreut stehen. Dies könnte eindrücklich, variabel und mit wenig Aufwand in einer interaktiven Medienschau dargestellt werden.

Dass von den übrigen Fraktionen keine Stellungnahmen eingegangen sind, wurde bedauert. Auch die Diskussion hielt sich in Grenzen. Dr. Michael Elsen (CSU) regte an, einen öffentlichen Aufruf zu starten, um noch mehr Material zu sammeln. Sein Vorschlag, die Mitarbeiter des Wertstoffhofs anzuhalten, Ausschau nach möglichen Raritäten zu halten, wurde mit Schmunzeln zur Kenntnis genommen. ga