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Beim Wirt in der Stub'n

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Die feinen Klänge der »Goldrausch Musi« aus Bruckmühl trugen zum stimmungsvollen Abend im Klaushäusl bei. Siegi Götze erinnerte an bekannte Wirtsleute und sang auch gemeinsam mit dem Publikum. (Foto: Eder)

Grassau. Ins Wirtshaus wurde früher nicht nur gegangen, um gut zu essen, sondern vor allem um unter Leute zu kommen, zu politisieren und auch um zu singen. Einige Wirtsleute sind legendär und noch heute wird von diesen Originalen gesprochen. Siegi Götze widmete den Volksmusikabend im Klaushäusl diesen Wirtsleuten, die ihre warme Stub´n zum gesellschaftlichen Mittelpunkt werden ließen.


Als wichtiges Nachschlagewerk für seine Recherchen über Wirtsleute nannte Götze Joseph Friedrich Lentners »Wirtshaus und die Wirtsleute«. Götze erinnerte an den Freiheitskämpfer Andreas Hofer, der Metzger, Bäcker und Gastwirt war. Aber auch an Kathi Kobus, die 1903 die Münchner Künstlerkneipe »Simpl« übernahm, in dem die Autoren des »Simplicissimus«, darunter auch Ludwig Thoma ein und ausgingen. Sie holte auch Karl Valentin und Joachim Ringelnatz auf ihre Wirtshausbühne. Weiter erinnerte er an die Geschichte des »Wasner-Wirt« in Bad Birnbach, wobei Opa Hans Wasner seine Kurgäste mit seinem speziellen Humor unterhielt. Auch Ludwig Thomas Mutter war Wirtin. In seinen Lausbubengeschichten beschreibt Thoma, was man als Bub in einem Wirtshaus alles lernen kann, darunter, wie aus Zigarrenstummeln mit Hilfe einer Kaffeemühle Tabak für neue Zigarren hergestellt werden kann. Von Prien wechselte Götze auf die Fraueninsel und hier zum »Lindenwirt«, denn auch hier war Thoma gerne und fühlte sich unter den vielen Künstlern, die selbst eine weite Reise nicht scheuten, wohl. Anna Dumser kümmerte sich hier um ihre Gäste. Ein ungewöhnliches Wirtspaar waren auch Lonie und Martl Maier aus Sankt Georgen, denn die beiden sangen immer und dies im Zweigesang. Sie haben es bis in den Bayerischen Rundfunk geschafft und seien 38 Mal im Rundfunk aufgetreten, so Götze. Ein Original sei Lonie gewesen, wusste Götze, denn sie schrieb alle Politiker an, sagte frei ihre Meinung und bat dennoch um Autogramme. Ein besonderes Ereignis sei die Hochzeit der beiden gewesen, denn diese wurde drei Tage lang gefeiert. Auch beim ersten Sänger- und Musikantentreffen 1946 in Grassau seien die beiden dabei gewesen.

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Eindrucksvoll mit viel Humor und amüsanten Geschichten stellte Götze die Wirtsleute vor und zeigte, dass diese schon von einem besonderen Schlag sind, gesellig und von gesellschaftlicher Wichtigkeit. In der Wirtstub'n wurde politisiert, gehandelt, gespielt, gesungen und Tradition aufrechtgehalten und gelebt. tb