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Beim Singen fühlt sich Ify fast wie zu Hause

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Die Nigerianerin Ify Ndu yaya singt zusammen mit ihrem Freund Markus Spickenreither im Ruhpoldinger Kirchenchor. Gefunkt hat's zwischen den beiden beim Waldfest. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Wenn Ify Ndu yaya die wöchentliche Chorprobe des Kirchenchors St. Georg im Pfarrzentrum besucht, dann ist das für sie wie ein Stück Heimat. Die 36-jährige Nigerianerin ist eine von etwa 70 Flüchtlingen, die derzeit in verschiedenen Unterkünften im Ruhpoldinger Gemeindegebiet untergebracht sind. Seit ihrer Ankunft bemüht sich Ify Ndu yaya beispielhaft um ihre Integration in die dörfliche Gemeinschaft am Rauschberg. Unterstützung erhält sie dabei, ebenso wie die anderen Neuankömmlinge, seitens der Gemeinde, von kirchlichen Einrichtungen, verschiedenen Institutionen und Vereinen, aber auch von engagierten Bürgern, die sich ehrenamtlich um die Flüchtlinge kümmern.


Als Sopranistin sang sie in namhaften Chören

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So kam die anfänglich etwas schüchtern wirkende Frau durch einen Aufruf in der Bevölkerung auch zu einer gebrauchten Nähmaschine, an der sie sich nun als gelernte Schneiderin kreativ und mit viel Eifer betätigt. Am meisten Zerstreuung aber findet die begeisterte Sopranistin im Chorgesang. In der ehemaligen Hauptstadt Lagos, wo sie den Großteil ihres Lebens verbrachte, sang sie in mehreren namhaften Chören, wie dem Lagos City Choir. Weil die nächste katholische Gemeinde aber zu weit entfernt war, besuchte sie meistens eine Pfingstkirche oder den anglikanischen Gottesdienst um die Ecke. Obwohl die Kirchenmusik in Afrika generell viel temperamentvoller als in Europa ist, hat sich Ify mit der ruhigeren Interpretationsart hier schnell angefreundet. Ein Teil des in Ruhpolding ge-sungenen Repertoires ist ihr sowieso nicht unbekannt: Lieder, Chorsätze, Messen, Bach, Rheinberger oder Mozart – alles vertraute Klänge, die schon in Nigeria für sie zum unverzichtbaren Lebenselixier geworden sind. Und wenn dann noch rhythmische Gospels und Spirituals, egal ob in der Pfarrkirche oder der evangelischen Johanneskirche, auf dem Programm stehen, geht ihr das Herz vollends auf – das hat sie mittlerweile auch in Ruhpolding verloren, an Mitsänger Markus Spickenreither. Gefunkt hat es zwischen den beiden beim Waldfest in der Laubbau.

Wahlen in Nigeria wurden verschoben

Beim Singen und zusammen mit ihrem Markus kann sie auch die schlimmen Zustände in ihrer Heimat mit überbordender Korruption, tagtäglichen Bedrohungen, Vergewaltigungen und den Gräueltaten der Terrormiliz Boko Haram, besser vergessen. Wegen der instabilen politischen Lage mussten am vergangenen Wochenende sogar die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen verschoben werden.

Vor diesem Hintergrund hofft Ify Ndu yaya auf einen positiven Bescheid ihres Asylantrags, um in Ruhpolding bleiben zu können. Dann würde sich die Bedeutung ihres Namens bewahrheiten, der übersetzt soviel heißt wie: eine gute Zukunft sei dir beschieden. ls