Beim Jahreswechsel an Bord der »Arctic Sunrise«

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Auch die Feiertage verbrachte Analena Bachmann fern von daheim.

Die Überseerin Analena Bachmann ist seit Mitte November mit einem Greenpeace-Schiff auf dem Weg zum Indischen Ozean


Den Himmel voller Sterne und jeden Tag Meer bis zum Horizont. Das erlebt derzeit Analena Bachmann aus Übersee. Seit Mitte November ist die 23-Jährige mit dem Greenpeace-Schiff »Arctic Sunrise« unterwegs. Zusammen mit 16 Crew-Mitgliedern aus 14 unterschiedlichen Ländern führt ihre Reise von Rostock aus zum Indischen Ozean. Über ihren Alltag und wie sie den Jahreswechsel an Bord verbringt, erzählt sie in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.

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Vor sieben Jahren war die Überseerin auf die Greenpeace-Gruppe Chiemgau gestoßen. »Ich wollte mich für den Schutz unserer Umwelt engagieren und der private Raum war mir dafür zu wenig«, erzählt die 23-Jährige rückblickend. Derzeit ist sie bei der Berliner Greenpeace-Ortsgruppe für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig und ist seit ihrem Studienabschluss im letzten Jahr Aktivistin für Greenpeace Deutschland.

Im Oktober hatte sie sich für die Forschungsreise mit dem Greenpeace-Schiff beworben. Da das Schiff im Rostocker Hafen war, hatte Greenpeace Deutschland die Chance, zwei Freiwillige mit auf die Fahrt zu schicken. »Als der Aufruf per Mail an mich kam, habe ich – in diesem Jahr schon zum zweiten Mal – darauf geantwortet und dieses Mal wurde ich tatsächlich gewählt und durfte auf das Schiff«, erzählt Bachmann.

Im November ging es für die Überseerin dann los: Nach zwei Wochen im Rostocker Hafen, machte sich die Crew in Richtung Zypern auf. Kurz vor Weihnachten erreichte sie den Hafen Limassol, wo die 23-Jährige nun Silvester verbringt. Anfang Januar fährt das Team dann weiter zum Indischen Ozean. Für die Überseerin ist es nicht das erste Mal, dass sie die Festtage und die Zeit zwischen den Jahren nicht Zuhause mit ihrer ganzen Familie feiert. Nach dem Abitur war sie acht Monate in Südamerika, hatte Weihnachten und Silvester in einem Hostel in Peru verbracht und während ihres Auslandssemesters in Mexiko war sie über die Feiertage zusammen mit ihrer Schwester, die sie besucht hatte, nach Belize gefahren. »Da ich in den letzten Jahren nicht regelmäßig im Chiemgau bin, ist es nicht so schwierig für mich, die Feiertage im Ausland zu verbringen«, erklärt die 23-Jährige.

Trotzdem war das Weihnachtsfest an Bord der »Arctic Sunrise« für sie etwas einmaliges: Zusammen hatte die Crew beschlossen, an Weihnachten zu wichteln. Alle Geschenke dafür wurden aus Dingen und Materialien gemacht, die an Bord zu finden waren, erzählt die 23-Jährige. »Für mich war anfangs völlig unklar, was ich in dem limitierten Rahmen gestalten kann. Ich habe mir dann ein paar Dinge aus der Vorratskammer gesucht und ein Körperpeeling aus natürlichen Zutaten gemacht. Andere haben aber auch etwas aus Holz gebastelt. Jeder war sehr geheimnisvoll und in seinen Vorbereitungen vertieft.«

Schon in der Vorweihnachtszeit hatte Analena Bachmann mit zwei weiteren Crew-Mitgliedern für weihnachtliche Stimmung auf dem Schiff gesorgt. An Bord hatten sie einen künstlichen Weihnachtsbaum, Lichterketten sowie Christbaumkugeln gefunden und eine Ecke der »Arctic Sunrise« weihnachtlich dekoriert. Ansonsten gab es an den Weihnachtsfeiertagen ein gemütliches Beisammensein und Karaoke, erzählt Bachmann. »Da es auf See manchmal sehr ruhig sein kann, haben wir für solche Fälle eine große Filmdatenbank sowie Brett- und Kartenspiele an Bord.« An Silvester wird es wohl ähnlich entspannt wie an Weihnachten, so Bachmann. »Es soll ein gemütlicher Abend gemeinsam mit der Crew werden.«

Drei Monate wird Bachmann auf der »Arctic Sunrise« verbracht haben, bis es für sie Ende Februar wieder zurück nach Deutschland geht. Das Schiff wird dann weiter unterwegs sein, nur die Crew wird ausgewechselt. Ziel der Reise sind Forschung und Kampagnenarbeit rund um das Thema Fischerei. Genauere Angaben durfte die 23-Jährige allerdings dazu nicht machen. Angestellt ist die Überseerin als »Deckhand«. Zu ihren Aufgaben gehören die Instandhaltung des Schiffs, wie Putzen oder Malerarbeiten – »jegliche Arbeiten, die im Alltag so anfallen.« Von Knotenkunst über das Verknüpfen von Seilen bis zum Lenken des Schiffs, lernt sie aber auch einiges über die Seefahrt. Neben einem Kapitän und drei sogenannten Mates sind zudem sechs »Deckhands« (vier Angestellte und zwei Volunteers), ein »Bosun« (Chef der Deckhands), vier Ingenieure und Mechaniker, ein Radio-Operator und eine Köchin auf dem Schiff. Der Alltag auf der »Arctic Sunrise« sei streng geregelt und rund um die Uhr müsse jemand im Dienst sein und darauf achten, dass während der Fahrt alles in Ordnung ist, so die Überseerin. Liegt das Schiff in einem Hafen, wird dort am Schiff weitergearbeitet – kleinere Reparaturen, Instandhaltung, Rostbekämpfung fallen dann an. Beim Anlegen oder beim Auslaufen muss die ganze Crew zusammen helfen. »Das kann mitten in der Nacht um zwei Uhr sein oder sonntags um acht Uhr morgens«, erklärt die 23-Jährige.

»Für mich war es vor dieser Reise gar nicht klar was es bedeutet, auf See zu sein«, erzählt sie. »Durch Filme und sonstige Eindrücke bin ich davon ausgegangen, dass der Kapitän am Steuer steht. Doch der Kapitän ist tatsächlich eher mit viel Bürokratie beschäftigt.« Die Navigation übernehmen die Mates und das Schiff ist mit einem Autopilot ausgestattet, der die zuvor berechnete Route einhält, so die Überseerin.

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Den Jahreswechsel verbringt Analena Bachmann aus Übersee auf dem Greenpeace-Schiff »Arcitc Sunrise«. (Fotos: privat)

Die »Arctic Sunrise« sei zudem bekannt dafür, sehr zu schaukeln und trage deshalb auch den Spitznamen »Waschmaschine«. Aus diesem Grund gebe es sämtliche Vorkehrungen, dass beispielsweise keine Schränke an Bord ungewollt aufgehen können oder dass nichts umfällt. »Vor dem Auslaufen aus dem Hafen müssen wir deshalb alles festbinden und -zurren«, erklärt sie. Auch in der Kombüse sind die Töpfe am Herd in einem Gitter angebracht und in der eigenen Kabine muss man selbst darauf achten, dass alles fest ist. »In der Lounge steht ein Holzteil mit zehn faustgroßen Löchern drin, bei dem mir am Anfang überhaupt nicht klar war, wofür das sein soll«, sagt Analena Bachmann. Dabei sei es für Tassen und Gläser, damit sie nicht während der Fahrt über den Tisch segeln, erklärt sie.

In der ersten Woche auf hoher See wurde Analena Bachmann ziemlich seekrank und konnte kaum die Zeit auf dem Schiff genießen. Jetzt ist das aber überstanden. Ihre schönsten bisherigen Momente an Bord erlebte die 23-Jährige bei ihren ersten Nachtschichten. »Wir hatten klaren Sternenhimmel und ich habe fast jede Nacht unzählige Sternschnuppen gesehen. Als ich in einer Schicht mitgezählt habe, waren es über 40 Stück«, erzählt sie begeistert. aha

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