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»Bei uns sind die Hausaufgaben gemacht«

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Traunstein. Sichtlich beeindruckt von den Geschehnissen und Debatten der letzten Wochen meldete sich Josef Häusler in der jüngsten Sitzung des Stadtrats zum Thema Asylbewerber in Traunstein zu Wort: »Ich spreche hier als Bürger von Geißing«, sagte er. »Ich wurde mehrfach von Bürgern daheim angesprochen, musste aber zugeben, dass ich – obwohl ich Stadtrat bin – gar nichts wusste.« Er habe in der Folge versucht, Informationen zu erhalten, »aber es wusste keiner etwas.«


Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner habe schließlich herausgefunden, dass ein Vertrag da sei, mehr wusste sie aber auch nicht. Insofern fand er den Antrag auf einen sozialen Runden Tisch sehr gut, »ich kümmerte mich um eine Informationsveranstaltung in Geißing«.

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Nach der zum Teil sehr emotional und von manchen auch sehr unsachlich geführten Debatte sagte er: »Wir Geißinger schämen uns sicher auch für manches gesagte Wort, sind aber sicher kein brauner Stadtteil!« In diesem Sinne wünschte er sich mehr Offenheit von den zuständigen Stellen. Ausdrücklich bedankte er sich bei dem Runden Tisch, der sich auch weiterhin trifft, und bei allen, die sich um eine Versachlichung der Debatte bemühten. »Ich hoffe, dass meine schlaflosen Nächte jetzt aufhören.«

Informationsfluss war Thema bei der Sitzung

Oberbürgermeister Manfred Kösterke sagte dazu in Anspielung auf den geäußerten Wunsch nach mehr Offenheit, »wir können nur die Informationen weitergeben, die wir auch haben«. Wenn Informationen bei anderen Ämtern lägen, »können wir's nicht ändern«. Insofern hätte auch er sich gewünscht, die Stadt Traunstein wäre eher informiert worden. »Erst am Tag vor der Besprechung in Heilig Kreuz wurde der Antrag gestellt.«

»Wie man mit Informationen umgeht, ist immer auch ein Zeichen dafür, wie man mit anderen Menschen umgeht«, sagte er und meinte damit die teils bösartigen anonymen Beschimpfungen und Stornierungen sowie Angriffe auf die Kinder und Mitarbeiter eines Traunsteiner Unternehmers, der mit der Sache überhaupt nichts zu tun hatte. Als die Stadt die entscheidenden Informationen bekommen habe, habe es bei vielen Geißingern bereits eine klare und nicht mehr veränderbare Meinung gegeben.

Die Reaktionen inzwischen zeigten jedoch, dass es »bei uns Gott sei Dank sehr viele offene Menschen gibt, aber auch, dass wir alle uns bei diesem Thema immer wieder hinterfragen müssen und nicht wegen jedem Gerücht einen 'Riesenhype' veranstalten, bevor man sich überhaupt umfassend informiert hat.« Die Gegenreaktion sei insofern ebenso wenig verhinderbar gewesen wie das vorherige Flugblatt.

»Es wird mit Sicherheit wieder ein Nutzungswillen für das Grundstück auftauchen«, stellte Kösterke klar. Er habe diesbezüglich auch schon wieder Gerüchte zu Ohren bekommen, »aber wir können nur das wiedergeben, was wir definitiv wissen. Alles andere wäre grob fahrlässig«. Er hoffe nur, dass der Prozess, den die Beteiligten mit dem Traunsteiner Netz angefangen haben, zur Beruhigung beiträgt.

Heuer wesentlich mehr Asylsuchende in Oberbayern

Nochmals stellte Kösterke klar, dass sich die Stadt Traunstein der Aufnahme von Asylbewerbern nicht verweigern werde. Man sei auch gesetzlich dazu verpflichtet. Zudem seien die Aufnahmelager in München und Zirndorf hoffnungslos überfüllt, nach Angaben der Regierung von Oberbayern seien bereits im ersten Halbjahr 2013 75 Prozent mehr Asylsuchende angekommen als im Vorjahr. »Dabei wird der Hauptzuzug wie jedes Jahr erst im Herbst erwartet.«

Aus dem damals eilig einberufenen Runden Tisch aus der Stadt Traunstein, den Wohlfahrtsverbänden und den Kirchen sei inzwischen das »Traunsteiner Netz« geworden mit Landratsamt, Rathaus und Kirchen. Gemeinsam habe man ein Konzept erarbeitet, wie man Asylanten engmaschig betreuen könne. Mit der Diakonie habe man auch einen Partner gefunden, der einen hauptamtlichen Betreuer zur Verfügung stellt.

Hilfe angeboten hätten unter anderen auch Selbsthilfegruppen, Mitarbeiter der Traunsteiner Tafel oder des Kinderschutzbunds. Angeboten wurden Familien- und Asylpaten, »wir haben Leute, die sich kümmern wollen, ein Angebot für einen Hausmeister einer solchen Unterkunft und Angebote für Sprachkurse. Bei uns sind die Hausaufgaben gemacht, und ich bin sehr dankbar, dass sich so viele Bürger zur Verfügung gestellt haben«, schloss Kösterke. coho