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»Bei meinem Leben: So war es!«

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Seit siebeneinhalb Jahren fahre er diese Tour, berichtete der Verkaufsfahrer aus Bergen dem Laufener Strafrichter. Und jedes Mal, wenn er in diese enge Straße in Berchtesgaden einbiege, habe er ein schlechtes Gefühl, habe er Sorge, die Rentnerin würde wieder anfangen zu schimpfen. Am 25. April diesen Jahres jedoch soll der Mann die Frau übelst beleidigt haben. Das bestritt er. Richter Thomas Hippler allerdings glaubte der Frau und entschied auf eine Geldstrafe von 450 Euro wegen Beleidigung.


»Als ich wieder rauskam, sah ich sie schon«

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In der sehr schmalen Straße müsse er seinen Lkw kurzzeitig in die Einfahrt stellen, um einen Kunden dort zu beliefern, schilderte der Angeklagte, der gegen den Strafbefehl in Höhe von 500 Euro Einspruch eingelegt hatte. »Als ich wieder rauskam, sah ich sie schon.« Dabei hätte die Frau mit ihrem Wagen in eine dort befindliche Ausweichstelle fahren können. Das ging nicht, weil dort ein Kinderfahrrad lag, versicherte die 64-jährige Rentnerin.

Dann hätte sie ihn wenigstens rausfahren lassen können, um ihrerseits in die Einfahrt zu steuern, beharrte der Bergener auf seiner Version, die Verkehrssituation zu entzerren. Richter Hippler ließ sich vom Angeklagten eine Skizze anfertigen, um die Lage beurteilen zu können. Der blieb bei seiner Version, zweimal aus seinem Fahrzeug gestiegen zu sein, um der Frau die Lösung zu verdeutlichen.

Ja, er sei schon lauter geworden, habe auch gefragt, ob man denn im Kindergarten sei, räumte der Angeklagte ein. »Geschimpft habe ich, aber nicht beleidigt.« Er habe in Berchtesgaden viele langjährige Kunden, er könne es sich gar nicht leisten, unangenehm aufzufallen, beteuerte er.

Anders die Version der Frau, die mit zahlreichen Fotos in den Sitzungssaal kam: Sie habe geblinkt, sei schließlich ausgestiegen, um dem Gegenüber zu sagen, er solle zurückfahren. »Blöde Kuh« soll dann gefallen sein, »blödes Weiberleit« und »hysterische Kuh«, die »zu blöd« sei zum Autofahren. Schließlich habe sie die Polizei verständigt, berichtete die Rentnerin im Zeugenstand.

Als sie der Richter mit der Version des Angeklagten konfrontierte, sie würde ihn seit Jahren beschimpfen, behauptete die 64-Jährige: »Ich habe mit dem Herrn noch nie gesprochen. Es gab keine Auseinandersetzungen.«

»Ich bin einfach nur platt«, reagierte der 44-Jährige auf die Aussage und beharrte auf seiner Darstellung. »Ich schwöre bei meinem Leben: So war es«, versicherte dagegen die Frau. Als Zeugin habe sie eine Wahrheitspflicht, kommentierte Staatsanwalt Thomas Widmann die Aussagen. Er jedenfalls glaube der Frau. Widmann plädierte auf zehn Tagessätze zu je 40 Euro.

Angeklagter sprach von »Lüge« und »Schmarr´n«

»Lüge« und »Schmarr’n« nannte der Angeklagte die Aussage der Frau. Er selber habe einen riesigen Aufwand betreiben müssen, um seine 55 Kunden wegen des Verhandlungstags über die Terminverschiebung zu informieren. »Jetzt soll ich auch noch zahlen«, schüttelte er den Kopf.

Auch Richter Thomas Hippler erachtete die Zeugin als glaubwürdig und sagte zu dem Verkaufsfahrer: »Sie haben sich bei dieser Auseinandersetzung zu den Beleidigungen hinreißen lassen.« Hippler entschied auf 15 Tagessätze zu je 30 Euro. höf