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»Bei der Salzach geht es um den großen Wurf«

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Fridolfing – Drei Flüsse gibt es noch im Alpen- und Voralpenraum, die auf längerer Fließstrecke ohne Querbauten sind. Einer davon ist die Salzach von Freilassing bis zur Mündung in den Inn. Das soll auch so bleiben, sagen Naturschützer und Grüne beiderseits des Flusses. Bürgermeister insbesondere auf bayerischer Seite plädieren dagegen für eine Energiegewinnung.


Unbestritten ist: Es muss etwas passieren, damit der Fluss nicht demnächst »ein Stockwerk tiefer rinnt«, wie es Oberösterreichs Landesumweltanwalt Dr. Martin Donat bei einer Veranstaltung in Fridolfing formulierte. Seine Lösung: Eine Naturflussvariante, bei der der Mensch den Anstoß gibt, und der Fluss den Rest eigendynamisch erledigt. Die Ökologische Liste Fridolfing, die Ökologische Bürgerliste Tittmoning, die Bündnis-Grünen Salzachtal und der Verein »Vernunft statt Salzachbrücke« hatten gemeinsam zu diesem Abend eingeladen.

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Die Gefahr ist der Sohldurchbruch. Der weiche Seeton wird weggespült und die Salzach gräbt sich unkontrolliert ein. Dagegen ist anzusteuern. Umstritten ist das Wie. Die Variante A (Aufweitungs-Variante) sieht vier Rampen vor. Eine mögliche Basis für Kraftwerke. »Ökologische Mogelpackung«, sagte Donat dazu. Die »Grenzkraftwerke«, die inzwischen zum österreichischen »Verbund« gehören, schlagen vor, die vier Rampen durch drei Kraftwerke zu ersetzen. »Das Gegenteil von gut ist gut gemeint«, kommentierte Donat diese Idee.

Nicht besser ist aus seiner Sicht die Rampenvariante B, wo auf einer Länge von 18 Kilometern fünf Rampen, also Querbauten, vorgesehen sind. Dazwischen bräuchte es Sicherungsmaßnahmen für die Flusssohle.

Und schließlich das Konzept der sogenannten »Bürgerkraftwerke«, nichts anderes als »durchflossene Badewannen«. Die idyllischen Werbebilder dazu entlarvte der Landesumweltanwalt als »Propaganda«, denn selbstverständlich bräuchten Kraftwerke eine entsprechende Infrastruktur. »Und mehr Fläche als eine Naturfluss-Variante«, verglich Diplom-Biologin Ilse Englmaier.

Genau für diese, für seine Idee wirbt Martin Donat, wenngleich seine Naturfluss-Variante nun offiziell Verzweigungs-Variante heißt. Die orientiert sich an einem Leitbild aus dem Jahre 1817, also vor Beginn der Uferverbauungen. Ein erster Teil bestünde darin, technisch bis auf 140 Meter Breite aufzuweiten und mit dem Material die Flusssohle um ein bis zwei Meter anzuheben. Eigendynamisch könnte sich die Salzach dann bis zu 180 Meter ausdehnen. Nebenarmsysteme zwischen 600 und 1600 Meter Länge sollen entstehen, bestehende Nebenarmgewässer wieder aktiviert werden. Jährliche Hochwasser würden die Au überfluten und so die klassische Weichholzau wiederbeleben. Für Donat steht außer Frage: »An der Salzach geht es um den großen Wurf«.

Kraftwerke wären auch aus Sicht von Astrid Rössler, der stellvertretenden Salzburger Landeshauptfrau, ein gravierender Eingriff. Und wenig sinnvoll, denn 70 Prozent des Stroms würde in den Sommermonaten erzeugt, wo es durch Fotovoltaik ohnehin genug gebe. In Zeiten erhöhten Bedarfs herrsche dagegen Niedrigwasser. »Nicht grundlastfähig«, urteilte auch Diplom-Biologin Englmaier über die vielbeschworene »saubere Energie«. Allein durch Effizienzsteigerung bestehender Anlagen wären rund 400 Gigawattstunden rauszuholen, weiß Donat, der in einem Naturfluss ein Alleinstellungsmerkmal erkennt. Und eine Chance für Ökotourismus. »Lassen wir die letzten frei fließenden 60 Kilometer in Ruhe«, lehnt auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl Kraftwerksbauten ab.

»Es ist uns ernst«, so Astrid Rössler über »diese große Chance«. Sie durfte erst Mitte Mai 127 Hektar Auwald bei Weitwörth für das Land Salzburg in Empfang nehmen. Zusammen mit rund 540 Hektar bei Anthering soll schrittweise ein Naturpark Salzachauen entstehen. Nun möchte sie »die frohe Botschaft« an die bayerischen Nachbarn weitergeben und hofft auf ein grenzüberschreitendes Miteinander. »Für ein Gebiet, das es so weit und breit nicht mehr gibt.« Und der Vision, dass es sich lohne, so etwas seinen Kindern zu hinterlassen. höf